Bornheimer vor Gericht Der eigene Keller war zu klein für die vielen Drogen

Bornheim/Bonn · Ein 42-jähriger Mann aus Bornheim hatte größere Mengen diverser Drogen in seinem Keller gelagert. Im Prozess vor dem Bonner Landgericht ging es auch um seine schwierige Lebensgeschichte. So fiel das Urteil aus.

 Vor dem Bonner Landgericht musste sich der Mann aus Bornheim verantworten.

Vor dem Bonner Landgericht musste sich der Mann aus Bornheim verantworten.

Foto: dpa/Oliver Berg

Sein eigener Kellerraum reichte zwischenzeitlich nicht mehr aus, um alle Drogen zu lagern: Vor der 10. Großen Strafkammer am Bonner Landgericht ist ein 42-jähriger sogenannter „Bunkerhalter“ wegen Drogenhandels beziehungsweise Beihilfe dazu sowie wegen Drogenbesitzes in nicht geringer Menge zu einer Gefängnisstrafe von fünfeinhalb Jahren verurteilt worden. Außerdem ordnete die Kammer an, dass der Mann eine Entziehung absolvieren muss. Für die Dauer der Maßnahme wird der Verurteilte in einer entsprechenden Einrichtung untergebracht.

Als Kind nach Deutschland gekommen

Der Gefängnisaufenthalt ist nicht der erste des gebürtigen Syrers: Insgesamt 13 Einträge enthält sein Strafregister; samt und sonders Taten, die mit seiner Drogensucht in Zusammenhang stehen. Das Kind einer kurdischen Großfamilie kam mit seinen Eltern und Geschwistern im Alter von neun Jahren nach Deutschland. Naturgemäß habe er es als Schüler zunächst schwer gehabt, so der Vorsitzende Richter Marc Eumann in der Urteilsbegründung. Dennoch habe er schnell gut Deutsch gelernt, später aber beruflich nie Fuß gefasst. Da ihre Asylanträge abgelehnt worden waren, wurde die Familie nur geduldet. Nach Verbüßung der Hälfte einer vierjährigen Haftstrafe wurde der Mann dann im Jahr 2008 nach Syrien abgeschoben.

Dort wurde er aber seinen Angaben nach sofort wieder verhaftet und Verwandte hätten ihn freikaufen müssen. Das sei der Grund gewesen, weshalb er sofort wieder heimlich nach Deutschland eingereist sei, wo man aber nach kurzer Zeit auf ihn aufmerksam geworden und ihn erneut ins Gefängnis geschickt habe. „Dort mussten Sie dann die zweite Hälfte der Strafe verbüßen“, so der Richter weiter. Die Idee hinter der Entlassung nach der Halbzeit sei ja schließlich, dass man nicht zurückkomme, so Eumann süffisant.

Der eigene Kellerraum war zu klein

Nach einer ersten mehr oder minder erfolgreichen Entziehungsmaßnahme blieb der Syrer dann seinen Angaben nach für längere Zeit „clean“. Um seine 2022 wiederaufgeflammte Sucht zu finanzieren, versuchte sich der Süchtige als sogenannter „Bunkerhalter“, er bewahrte also den Stoff für andere Dealer in seinem Keller auf. Als die Ermittler im August vergangenen Jahres dann sein Zuhause durchsuchten, stellten sie im Keller des von ihm bewohnten Mehrfamilienhauses in Bornheim rund 30 Gramm Heroin, 780 Gramm Kokain, 24 Kilo Cannabis, drei Kilo Amphetamin, vier Kilo Extasy, sowie weitere knapp vier Kilo Amphetaminöl sicher. Weil der Raum zu klein war, hatte er Teile in einem leerstehenden Nachbarverschlag gelagert.

Die beiden Strafverteidiger Sonja Schell und Philipp Thiée kündigten direkt nach der Urteilsverkündung für ihren Mandanten den Rechtsmittelverzicht an. Mit Rechtskraft des Urteils kann der 42-Jährige sich nämlich nun sofort um den Therapieplatz bemühen, da der achtmonatige Vorwegvollzug mit der bereits abgesessenen Untersuchungshaft abgegolten ist. „Netto bedeutet das, dass Sie sofort in den Maßregelvollzug wechseln können“, so Eumann direkt an den 42-Jährigen gewandt. Die Sitzungsvertreterin der Staatsanwaltschaft wollte aus organisatorischen Gründen noch abwarten.

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