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Insolventer Landwirtschaftsbetrieb: Verwalter plant Versteigerung bei „Spargel Ritter“

Insolventer Landwirtschaftsbetrieb : Verwalter plant Versteigerung bei „Spargel Ritter“

Der Abwickler des insolventen „Spargel Ritter“- Hofs sieht sich nicht zur Beseitigung von Müllbergen verpflichtet und plant eine Versteigerung. Der Kreis nimmt indes die Stadt in die Verantwortung.

Neben dem Hauptgebäude des Spargel- und Erdbeerhofs Ritter an der Brehmstraße in Bornheim türmt sich ein schwarzer Berg auf. Er entpuppt er sich als riesiger Haufen zerknüllter Folie, mit der irgendwann einmal die Erdbeeren auf den Feldern geschützt wurden. Über Jahre seien sie gesammelt worden, berichtet der Bonner Jurist Andreas Schulte-Beckhausen, der den insolventen Landwirtschaftsbetrieb verwaltet. Früher habe es dafür in China einen Markt gegeben, doch heute nicht mehr.

Zuständig für die Beseitigung sei er nicht, betont Schulte-Beckhausen. Da er den Müll schon so vorgefunden habe, müsse er diesen nicht zu „Lasten der Insolvenzmasse“ entsorgen lassen. Dies habe der Bundesgerichtshof in seiner Rechtsprechung so festgelegt. Auf den Kosten für die Müllentsorgung könnte zunächst der Eigentümer des Grundstücks sitzenbleiben, der es einst an die Ritters vermietete. Der Eigentümer, so erläutert Schulte-Beckhausen, könne sich wegen der aus der Entsorgung resultierenden Kosten, dann bei ihm melden. Erstattet bekäme der Eigentümer die Kosten also wohl nur, wenn ausreichend Insolvenzmasse, also Vermögen des Schuldners, in diesem Fall die GbR von Sabine und Claus Ritter, vorhanden ist.

Ernte-Einnahmen reichen nicht zur Schuldentilgung

Mit der Ernte kann Schulte-Beckhausen wohl kaum noch genug Vermögen generieren, um die Forderungen in Millionenhöhe gegen die Ritters zu bedienen. Mangels Nachfrage wegen der Krise um das Coronavirus hatte er zunächst das Spargelstechen einstellen lassen. Im Zuge von Erntehelfer-Protesten folgte Mitte Mai auch das Aus für einen großen Teil der Erdbeerernte. Zum Teil verkaufte Schulte-Beckhausen das Recht zum Pflücken an andere Betriebe, was allerdings längst nicht genug Einnahmen bringen dürfte.

So plant der Insolvenzverwalter nun die Versteigerung von allem, was sich auf dem Hof und in den Betriebsräumen zu Geld machen lässt. An einen regulären Verkauf der Container für die Erntehelfer etwa, glaubt Schulte-Beckhausen kaum. Zurzeit lasse er sie ausräumen. Der dabei anfallende Unrat werde auch abgeholt. Für die Versteigerung sei er auf der Suche nach einem passenden Internetportal, über das diese abgewickelt werden könnte.

Verwalter schließt Fortführung des Betriebes ist so gut wie aus

Einen neuen Investor für die Fortführung des Betriebs, wie früher einmal angedacht, wird es demnach wohl nicht geben. „Ich kenne keinen“, sagt Schulte-Beckhausen dem GA. Es sei stets Claus Ritter gewesen, der einen Investor in Aussicht gestellt habe. Doch habe er diesen Investor bis heute nicht kennengelernt. Ritter, der wegen zwielichtiger Machenschaften rund um die Beschäftigung seiner Erntehelfer aus Rumänien und eine private Oldtimer-Sammlung ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten ist, hat eine GA-Anfrage zu einem möglichen Investor und zum Müllproblem bislang nicht beantwortet.

Der Unrat, der sich neben den Folien auch aus Paletten, alten Reifen und undefinierbarem Plastikmüll zusammensetzt, beschäftigt auch Behörden. Bornheims Bürgermeister Wolfgang Henseler berichtet auf Nachfrage, dass er seine Mitarbeiter beauftragt habe, sich bei dem Thema mit der Kreisverwaltung abzustimmen, „wer welche Aktivitäten und Prüfung veranlasst und durchführt“. Laut Kreissprecherin Rita Lorenz ist allerdings zunächst Bornheim zuständig. Zuerst schaue die Kommune, was sie tun könne. Wenn diese den Kreis involvieren wolle oder müsse, werde sie sich melden.