1. Region
  2. Voreifel & Vorgebirge
  3. Bornheim

Anna Diner feiert ihren 102. Geburtstag in Bornheim: Von der Wolga an den Rhein

Anna Diner feiert ihren 102. Geburtstag in Bornheim : Von der Wolga an den Rhein

Sie hört nicht mehr besonders gut, war ansonsten aber bestens gelaunt: Am Freitag feierte Anna Diner in Bornheim ihren 102. Geburtstag.

Zum Geburtstag gratulierten die stellvertretende Bürgermeisterin Linda Taft und Bornheims Ortsvorsteher Dominik Pinsdorf.

Die gebürtige Russin kam 1994 mit ihrer Familie nach Deutschland, hat eine Tochter und vier Söhne. Ihr Mann sei schon gut zehn Jahre vorher gestorben, erzählt ihr Sohn Wilhelm, der selbst schon 68 Jahre alt ist.

Zunächst lebte die Familie in Königswinter. Heute wohnt Anna Diner bei ihrem Sohn Andrej in Bornheim, der sie dort in seinem Heim selbst pflegt. Auch ihre Tochter, die nicht weit entfernt wohnt, hilft dabei.

Seine Mutter habe in Russland ein „schweres Leben“ gehabt, sagt Wilhelm Diner. Ihr Mann habe beim Militär gearbeitet, als jedoch der Zweite Weltkrieg ausbrach, musste er das Militär verlassen und wurde stattdessen nach Sibirien geschickt, um dort beim Aufbau einer Kohlegrube zu helfen.

Anna Diner pflegte im Krieg Maschinen fürs Militär, wurde von der Wolga vertrieben und konnte erst nach dem Krieg zu ihrem Mann ziehen. „Am Ural“, wie Wilhelm Diner sagt, brachte sie sieben Kinder zur Welt, zwei starben schon früh. 

Sie habe sich immer gut um ihn und seine Geschwister gekümmert, erzählt der 68-Jährige. Nachdem die Kinder selbstständig waren, putzte sie oder schnitt ihren Nachbarn die Haare, um sich etwas dazuzuverdienen.

Nach Deutschland kam die Familie wegen der Perestroika: Michail Gorbatschow versuchte Ende der 80er die Sowjetunion zu modernisieren, die 1991 dann doch aufgelöst wurde. „Das war eine schlimme Zeit in Russland“, erinnert sich Wilhelm Diner.

Seine Mutter sei übrigens nicht die einzige in ihrer Familie, die ein hohes Alter erreicht hat. „Ihre acht Schwestern haben alle die 90 geschafft“, sagt Wilhelm Diner, obwohl sie unter so schwierigen Bedingungen groß geworden seien. „Und heute sagen sie uns ständig, wir müssen genug Vitamine essen“, ergänzt er schmuzelnd. wkh