Europaschule Bornheim Warum Schüler einen Wetterballon in die Höhe schicken

Bornheim · Zum zweiten Mal ließen Schüler der Bornheimer Europaschule einen Wetterballon steigen, der in 40 Kilometern Höhe Messdaten sammelte und Aufnahmen machte. Der GA erklärt die Hintergründe des anspruchsvollen Projektes.

 Der Wetterballon kurz vor dem Start: Die Europaschule Bornheim schickt Messtechnik, Kameras und ihr Maskottchen Borni in die Stratosphäre.

Der Wetterballon kurz vor dem Start: Die Europaschule Bornheim schickt Messtechnik, Kameras und ihr Maskottchen Borni in die Stratosphäre.

Foto: Stefan Knopp

So eine gute Aussicht hatte Borni noch nie. Aus 42 Kilometern Höhe sah er die Erdkrümmung, Wolken von oben und sogar ein bisschen Weltall. Ob er beeindruckt war, sich vielleicht gar ergriffen und klein fühlte angesichts solcher Weite? Das wird ein Geheimnis des Plastikmännchens bleiben. Jedenfalls ist das Maskottchen der Bornheimer Europaschule den unendlichen Weiten deutlich näher gekommen, als es den allermeisten Menschen möglich sein wird.

Ein Maskottchen unterwegs

Den Weg hinauf hat er mit dem Wetterballon zurückgelegt, den die Schüler am Mittwochvormittag in den blauen Frühlingshimmel haben steigen lassen. Fast drei Stunden hat der Aufstieg gedauert, und in der Zeit sendeten die beiden Kameras in dem mit Styropor ummantelten Technik-Kasten, der an dem Ballon hängt. Eine zeigte nach unten, eine nach vorne, auf einer kann man das Maskottchen sehen. Aber nicht nur Filme konnte die Apparatur machen: Da steckt ganz komplexe Technik drin, die die Schüler eigenhändig zusammengebaut haben.

Genauer gesagt waren das Jugendliche aus dem Physik-Leistungskurs der Gesamtschule, die beim naturwissenschaftlichen MINT-Exzellenzcluster-Camp der Universität Bonn unter fachlicher Anleitung Teilchendetektoren gebaut haben, erzählte Sebastian Laudage, Physiker und Astronom vom Uni-Netzwerk Teilchenwelt. „Zwei davon dienen dazu, kosmische Strahlen zu sammeln.“ Damit soll untersucht werden, inwiefern sich die Strahlungswerte je nach Messhöhe verändern. Darüber hinaus messen Sensoren Luftdruck, Luftfeuchtigkeit, Windgeschwindigkeit und anderes.

Das Rad wird man damit nicht neu erfinden, das wusste Leo (19) vom Physik-LK, der in diesem Jahr sein Abitur macht und ab dem nächsten Wintersemester Elektrotechnik studiert. „Aber für uns ist das eine coole Erfahrung.“ Und dann noch ein Satz für die Ewigkeit: „Es ist eher ein großer Schritt für uns als ein kleiner Schritt für die Menschheit.“ Auch zwei fünfte Klassen haben bei den Vorbereitungen mitgewirkt. „Damit können wir sehen, wie die Erde von oben aussieht“, erklärte Iyed (11). „Und es ist ein Gerät dabei, das Daten sammelt, wie kalt es da oben ist.“ Er fand, das sei eine sinnvolle Sache.

Beim ersten Versuch gab es noch ein Problem

Schon vor zwei Jahren hatten die Schüler einen solchen Ballon steigen lassen. „Damals ist die Kamera früh ausgefallen“, sagte Leo. „Wir hatten die falsche Einstellung: Sie hat nur zwei Minuten gefilmt.“ Das sollte sich jetzt nicht wiederholen. Der erste Anlauf früher im März scheiterte noch an ungünstigen Wetterverhältnissen, aber dieses Mal passte alles. Auch die Genehmigung lag vor: Man kann nicht einfach einen Wetterballon steigen lassen, erklärte Lehrer Achim Kittelmann. „Wir haben das bei der Bezirksregierung Düsseldorf angemeldet. Die haben dort eine extra Abteilung für sowas.“

Auf dem Schulhof versammelten sich viele Schüler, um dem Start des Wetterballons beizuwohnen. Die Fünftklässler ließen dazu Luftballons fliegen. Die kommen aber vermutlich nicht bis in die Stratosphäre. Der Wetterballon platzte irgendwann. Die Technik segelte an einem Fallschirm abwärts. Errechnet war laut Kittelmann, dass sie im Rothaargebirge hinter Siegen landen sollte. Da der Ballon aber höher gestiegen war als gedacht, berührte Borni bei Kassel den Erdboden wieder. Um die Apparatur dort wiederzufinden, waren gleich zwei GPS-Tracker eingebaut.

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