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Was ist ein toter Winkel und welche Gefahrt geht von ihm aus?

Verkehrssicherheit in Bornheim : Was tun gegen die Gefahr des toten Winkels?

In Bornheim-Hersel lernen Grundschüler die Gefahren des toten Winkels kennen. So können sich Radfahrer und Fußgänger schützen.

Ein mobiler Kran und ein großer Lkw standen auf dem Hof der Herseler Schwertransporte-Firma Baumann. In diesem Fall wurden die Fahrzeuge aber nicht für einen Transporteinsatz gebraucht. Am vergangenen Samstag ging es vielmehr um Sicherheit im Straßenverkehr.

Es war die bereits siebte Auflage des Aktionstags „toter Winkel“, zu dem die Firma Baumann die Viertklässler der Herseler-Werth-Grundschule eingeladen hatte. Dabei geht es um den für einen Fahrer nicht einsehbaren Bereich um ein Auto herum.

Die Einschätzung des ADAC

„Der ist für Radfahrer und Fußgänger besonders gefährlich“, erläuterte Jens Wiegand vom Allgemeinen Deutschen Automobilclub (ADAC) den Mädchen und Jungen. Um Gefahren zu erkennen und das richtige Verhalten zu beherrschen, absolvierten die 60 Grundschülerinnen und Grundschüler drei Stationen. Sie stellten ihre Geschicklichkeit in einem Fahrradparcours unter Beweis, lernten die Funkfernbedienung des Ladekrans kennen und erlebten hautnah die Tücken eines toten Winkels vor, hinter und an den Seiten eines 40-Tonners.

Mit Flanken-, Weitwinkel-, Rück- und Frontspiegel wiesen Lkw heutzutage in der Regel vier Spiegel zu beiden Seiten der Führerkabine und im Frontbereich auf, sagte Wiegand. Dennoch gebe es weiterhin Stellen, die der Fahrer nicht einsehen könne. Zur Erhöhung der Sicherheit sind mittlerweile Winkel-Sensoren, die mittels Piepton oder Bildschirm Bewegung rund um den Wagen anzeigen, auf dem Markt.

20 Tote-Winkel-Unfälle in Köln pro Jahr

Laut Wiegand sind diese aber noch nicht flächendeckend im Einsatz. Gefährlich ist und bleibt besonders das Rechtsabbiegen von Lkw, Bussen oder SUVs. „Die Radfahrer, die am Fahrzeug rechts vorbeifahren, werden nicht gesehen“, sagte der Experte vom ADAC. Und auch Lkw-Fahrer schauten mitunter zu kurz in den Rückspiegel oder seien Ortsfremde, die sich aufs Navigationsgerät konzentrierten und dadurch abgelenkt seien. Alleine in Köln gibt es pro Jahr rund 20 Tote-Winkel-Unfälle.

Ein solcher vom Lkw-Fahrer der eigenen Firma schuldlos verursachter Unfall veranlasste Firmenchefin Sabine Baumann, eine Kooperation mit der örtlichen Grundschule zu initiieren. „Die Kinder sollen auf die Gefahren aufmerksam gemacht werden“, so Baumann.

Mehr Rücksichtnahme und Höflichkeit

Ihrer Feststellung nach fahren Radler besonders im Stadtverkehr immer rücksichtsloser, ohne Verständnis für die Gefahren. Auf deren Existenz wies Wiegand vehement hin. So sei ein Sichtkontakt gegebenenfalls per Handzeichen mit dem Fahrer ausgesprochen wichtig. „Wenn ich den Fahrer sehe, sieht er mich auch“, so die Faustregel des Fachmannes. Denn eine Verständigung schaffe auch Partnerschaft im Straßenverkehr. Der ADAC-Mitarbeiter wünscht sich von allen Verkehrsteilnehmern mehr Rücksichtnahme und Höflichkeit. Knifflige Situationen hat auch schon der 30-jährige Dennis Pischel erlebt. Seit acht Jahren ist er Fahrer bei der Firma Baumann. Manchmal verstehe er die Radfahrer nicht, sagte er. „Sie bezahlen am schnellsten mit ihrem Leben“. Daher sei Vorsicht immer geboten. Mehr Sicherheit für die Kinder böten schon gut sichtbare Kleidung, Helm und Reflektoren am Rad.

So hat Andrea Hauschwitz ihren Sohn Maximilian auch ausgestattet. Den künftigen Schulweg zur weiterführenden Schule in Bonn hat sie mit ihrem Sohn bereits geübt. Die letzten Regeln für ein souveränes Verhalten im Straßenverkehr hat der Neunjährige nun am Samstagmorgen erhalten.