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Zwölf weitere Stolpersteine erinnern an NS-Opfer aus Bornheim

Gedenken an Opfer der Nazi-Diktatur : Zwölf weitere Stolpersteine erinnern an Bornheimer NS-Opfer

In der Vorgebirgsstadt wurden zwölf weitere Stolpersteine verlegt. Die Nachfahren einer Widdiger Familie reisen eigens aus den USA an.

Peter Berrischs Initiative ist es zu verdanken, dass vor dem Haus Brunnenstraße 74 in Roisdorf nun ein Stolperstein an Friedrich Wilhelm Forsbach erinnert. Der heute 87-jährige Roisdorfer war noch ein Kind, als der aus Mechernich stammende Arbeiter am 26. Juni 1941 an seiner Arbeitsstätte im Roisdorfer Brunnen von der Gestapo verhaftet, inhaftiert und am 31. Oktober 1941 im KZ Flossenbürg ermordet wurde. Forsbach gehört zu zwölf NS-Opfern, für die am Samstag in Bornheim Stolpersteine zur Erinnerung verlegt wurden, aus coronabedingten Termingründen nicht durch den Künstler und Stolperstein-Erfinder Gunter Demnig selbst, sondern durch den Baubetriebshof.

Eigens aus den USA angereist waren die Familien Rosenblum und Strauß: Nachkommen der Familie Rolef aus Widdig. Vor dem Haus Germanenstraße 26 wurden bereits 2010 Gedenksteine für Abraham Rolef und seine Frau Berta eingelassen. Nun erinnern Messingplatten auch an ihre Kinder Else, Hans und Ruth sowie Abrahams Bruder Sally. Metzgermeister Sally Rolef wurde am 20. Juli 1942 nach Minsk deportiert und dort im nahe gelegenen Wald ermordet. „Für mich ist es ein seltsames Gefühl, hier zu sein. Ich wusste nicht viel, bevor ich herkam“, berichtete Tamir Rosenblum, ein Enkel von Ruth, der zum ersten Mal im Heimatdorf seiner Familie war.

Vater, Stiefmutter und Sohn konnten in die USA flüchten

„Für unser aller Leben ist dieser Moment sehr wichtig“, ergänzte Philipp Rosenblum, Tamir Rosenblums 84-jähriger Vater und Ruths Schwiegersohn. Den Kontakt zur Familie hatte Petra Fendel-Sridharan aufgenommen. Ihre Großmutter „Gretchen“ Rech war eng mit Ruth Rolef – vor deren Emigration und nach dem Zweiten Weltkrieg – bis zu deren Tod 2003 befreundet. Über Umwege fand Fendel-Sridharan die Adresse der Familie heraus, mit bewegter Stimme dankte sie den Gästen für ihr Kommen. Bornheims Bürgermeister Christoph Becker gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass „der Kontakt der Nachfahren jüdischer Familien aus Bornheim mit ihrer Heimatstadt nicht abreißt und zu einer Brücke wird“.

 Eigens aus den USA sind Nachkommen der Familie Rolef nach Widdig gekommen, hier zusammen mit Bürgermeister Christoph Becker (rechts).
Eigens aus den USA sind Nachkommen der Familie Rolef nach Widdig gekommen, hier zusammen mit Bürgermeister Christoph Becker (rechts). Foto: Meike Böschemeyer

Vor dem Haus Königstraße 74-76 erinnern nun Gedenksteine an die Mitglieder der Familie Levenbach. Der Metzger und Viehhändler Leo Levenbach hatte Kinder aus zwei Ehen. Tochter Thea starb bereits 1918, ein Jahr später ihre Mutter Anna. Während die Kinder Martha und Bruno Deutschland schon 1931 verlassen hatten, war der älteste Sohn Jakob 1936 nach Frankreich geflohen, wo er nach dem deutschen Einmarsch 1942 verhaftet, nach Ausschwitz deportiert und ermordet wurde. Seinem Vater, seiner Stiefmutter Mathilde und deren Sohn Harry gelang die Flucht in die USA.

Bis heute ist nicht klar, warum Forsbach ins Visier der Nazis geriet

Nicht fliehen konnten die Geschwister Nathan aus der Heinestraße. Julie und Sibilla betrieben eine kleine Kolonialwarenhandlung, Bruder Moses war ein bekannter und geschätzter Glaser im Dorf. Als am 10. November 1938 die Syna­goge brannte, waren die Geschwister entsetzt. Es wird berichtet, dass sich eine der Schwestern aus Protest selbst in Brand setzen wollte, eine Verzweiflungstat, die die Nazis zynisch ausnutzten. Sie erklärten die Geschwister für „geistesschwach“ und enteigneten sie. Sibilla und Moses wurden ins Rheinbacher Krankenhaus Maria Hilf eingeliefert. Dort starb Sibilla im März 1940, Moses im Januar 1941. Julie Nathan wurde in die Heil- und Pflegeanstalt Bonn eingewiesen, am 20. Juli 1942 nach Minsk deportiert und dort ermordet.

NS-Gegner Forsbach war nicht jüdischen Glaubens. „Er muss denunziert worden sein. Bis heute weiß man nicht, wer es war“, sagte Berrisch. Warum Forsbach genau ins Visier der Nazis geriet, ist aber bis heute nicht klar. Seit 2005 wurden 55 Stolpersteine in Bornheim verlegt.