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Bürgermeisterwahl: Bürgermeister-Kandidaten in Bornheim stellen sich vor

Bürgermeisterwahl : Bürgermeister-Kandidaten in Bornheim stellen sich vor

Petra Heller, Christoph Becker und Björn Reile wollen Bürgermeister in Bornheim werden. Jetzt stellten sie sich Mitgliedern des Roisdorfer Gewerbevereins vor.

Ein bisschen nervös sei er. „Seht’s mir nach“, bat Björn Reile das Publikum. Der Grund für das Lampenfieber des Bürgermeisterkandidaten der Aktiven Bürger Bornheim (ABB) konnte allerdings kaum ein besonders großer Andrang gewesen sein. Denn die Resonanz auf  die Podiumsdiskussion am Montag mit ihm und seinen Mitbewerbern für die Wahl am 13. September, Petra Heller (CDU) sowie Christoph Becker (parteilos), war eher gering. Nur etwa 20 Besucher verfolgten im Ratssaal das erste Aufeinandertreffen der Kandidaten im Wahlkampf bei der Jahreshauptversammlung des Gewerbevereins Roisdorf, das der Vereinsvorsitzende Harald Stadler moderierte. Immerhin: Der aufgrund der Corona-Pandemie nötige Abstand konnte somit leicht eingehalten werden. Die vierte Bewerberin Nathalie Sanchez Friedrich war noch nicht mit von der Partie. Sie hatte die für die Kandidatur nötigen Unterstützerstimmen erst am Montag beim Wahlleiter abgegeben.

Reile will dezentral mehr Gewerbe in Bornheim ansiedeln

Mit Blick auf die eigenen politischen Ziele forderte der 49-jährige Reile, der mit seiner Familie in Rois­dorf lebt und als Niederlassungsleiter einer Firma für Industriearmaturen arbeitet: „Wir brauchen mehr Gewerbe in Bornheim.“ Und zwar, so Reile, nicht nur im Süden der Stadt. Dazu wolle er auf eine Erhöhung der Gewerbesteuer verzichten, sie eventuell sogar senken. Bei der Stadtverwaltung wolle er Bürokratie abbauen und eine Stelle für Existenzgründung schaffen. Die städtische Wirtschaftsförderung bietet schon jetzt Hilfe für Gründer an.

Der parteilose Kandidat Christoph Becker gab ein „klares Bekenntnis“ zur Wirtschaft ab. Mit SPD, Grünen und Linken, so räumte der 57-Jährige ein, werde er von drei Parteien unterstützt, denen man das Thema nicht zuschreibe. Der ehemalige Leiter der Europaschule, heute Leitender Regierungsschuldirektor bei der Bezirksregierung Köln, machte sich zudem für eine Senkung der Kita-Gebühren stark. „Sie finden bis zum Bodensee keine Gemeinde, wo sie höher sind“, monierte Becker. Nach Potsdamer Vorbild will Becker einen Rat und ein Büro für Bürgerbeteiligung in Bornheim schaffen. Dies solle Zusammenhalt stärken. In eine ähnliche Richtung geht Beckers Vorschlag, eine Quote für „bezahlbaren“ Wohnraum einzuführen.

Ein Thema, das Becker zu einer Kandidatur bewogen hat, ist der Klimaschutz. Für das Klima werde es keinen Impfstoff geben, spielte er auf die Coronavirus an. Überall gehöre Klimaschutz dazu. In Gewerbegebieten etwa sollten Firmen zu klimafreundlichem Bauen verpflichtet werden. „Wir haben mehr Bewerber als Flächen“, gab er zu bedenken. Da könne die Stadt auswählen.

Petra Heller, Fraktionsvorsitzende der Christdemokraten im Rat und Stellvertreterin des scheidenden Bürgermeisters Wolfgang Henseler (SPD), hatte zuvor erklärt, auf Freiwilligkeit bei Firmen setzen zu wollen. Auch eine Quote beim Wohnungsbau lehnte Heller ab. Für mehr Einfluss der Kommune auf diesem Gebiet will die 51-jährige Mertenerin dafür eine Stadtentwicklungsgesellschaft gründen.

Heller gegen Quote beim Bau von Wohnungen, Becker dafür

Auch ohne die von ihr abgelehnte und von Becker geforderte Quote habe es bei Baugebieten in den vergangenen zwei Jahren immer geförderte Wohnungen gegeben. Förderungen sollten aber nicht mit der „Gießkanne“ verteilt werden.

Weiterhin bekannte Heller sich zu einer zusätzlichen Rheinquerung. Berechnungen hätten ergeben, dass durch Staus auf den bisher zur Verfügung stehenden Routen ein Schaden von 300 Millionen Euro entsteht – pro Jahr.  Zudem  kündigte Heller an, eine Hochschule in Bornheim ansiedeln zu wollen. Dabei handelt es sich um eine Forderung der FDP, die Heller wie die UWG bei ihrer Kandidatur unterstützt.   Auch stellte sie sich gegen einen Vorschlag von Reile, nach dem Bornheim den Stromvertrieb selbst übernehmen soll. Eine Beraterfirma habe die Stadt diesbezüglich gewarnt: „Lassen Sie die Finger davon.“

Aus dem Publikum kam die Kritik, dass die Bewerber über Dinge diskutierten, die sie nicht selbst entscheiden könnten. „Für mich ist der Bürgermeister der Chef der Verwaltung“, äußerte sich ein Zuhörer. Für ihn sei wichtig, dass Bauanträge gestellt werden können und Ansprechpartner im Rathaus vorhanden sind.

Einigkeit herrschte darüber, dass die politischen Ziele aufgrund des engen finanziellen Spielraums für jeden Bürgermeister schwer umsetzbar werden. So sieht der Haushalt für dieses Jahr nur einen Überschuss von 160.000 Euro vor.