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Poetry-Slammer und Ex-Lehrer aus Rheinbach: „Der Mann im Mais“ist Futter für die Seele

Poetry-Slammer und Ex-Lehrer aus Rheinbach : „Der Mann im Mais“ist Futter für die Seele

16 Kurzgeschichten mit geschliffenem Wortwitz packt Autor Günter Detro aus Rheinbach in sein Buch.

Auf einmal ist sie da: die ewige Dunkelheit. Tage vorher hatte sie sich angekündigt. Dass der Mais auf dem an sein Grundstück grenzenden Feld derart in die Höhe wächst, dass in einigen Räumen des Hauses mitten im Sommer kaum noch Tageslicht ankommt, inspiriert Günter Detro dazu, eine Kurzgeschichte zu schreiben. Der Poetry-Slammer und Autor aus Oberdrees zeigt mit „Der Mann im Mais“, dass er diese Kunst beherrscht.

Als Detro seine Geschichte über schattenspendende Fruchtfolgen und raschelnde Gestalten im Feld im Glaspavillon persönlich vortrug, offenbart sich ein weiteres Talent des früheren Englisch- und Geografielehrers: Er ist in der Lage, seinem geschriebenen Wortwitz auch gesprochen auf seine ganz eigene Art zur hörbaren Pointen für die Zuhörer zu verhelfen. Schon seit Jahren steht der 70-Jährige regelmäßig als Poetry-Slammer bei Rheinbach-liest-Formaten wie „Textprobe“ auf der Bühne. „Die Reaktion des Publikums ist mir wichtig“, sagt Detro im Gespräch mit dem GA. „Und ich bin mutiger geworden, vor Publikum zu treten.“

Ernstes Thema

„garstig-komisch“ erzählt

Einer seiner Zuhörer im Glaspavillon war derart angetan, dass er aus dem Gehörten ein Buch entstehen lässt: Hans Weingartz, Verleger des Bonner Kid Verlags. Auf 164 Seiten hat Günter Detro 16 „garstig-komische“ Geschichten aus seiner Sammlung ausgewählt, die jetzt als Buch erschienen sind. Dass Detro als Englischlehrer ein Anhänger des schwarzen Humors britischer Prägung ist, macht seine Art zu schreiben besonders. Seine Herangehensweise, Themen aus der – wie er es selbst nennt – „garstig-komischen“ Perspektive zu betrachten, zeigt sich etwa, wenn er in Geschichten wie „Das Versprechen“ auf literarische Weise seine eigene Schulzeit während der 1960er Jahre aufarbeitet.

Das Thema selbst gibt gar nicht Anlass zu Scherzen, wie Detro sagt. „Es gab einige Lehrer, die im Zweiten Weltkrieg gewesen waren und entsprechende Traumata mitgebracht hatten. Einer hatte gedacht, er könne professioneller Musiker werden. Er ist aber Musiklehrer geworden“, erklärt Detro. „Dies erzeugte ganz offensichtlich Frust bei ihm, den er dann an uns Schülern ablassen wollte.“

In „Mit anderen Augen“ macht sich der gebürtige Aachener Gedanken darüber, was manche Menschen beim Anblick einer brennenden Strohpuppe – etwa dem Nubbel zum Ende des Karnevals oder dem Paijas, dem Kirmesmann, der für alle schlechten Taten eines Ortes verantwortlich gemacht wird, empfinden mag. Für die seltene Fertigkeit, vermeintlich ernste Themen in heiter-vergnügliche Texte zu packen, lässt sich der Kurzgeschichten- und Kriminalgeschichtenautor (siehe „Detros Werk“) vom britischen Schriftsteller Roald Dahl inspirieren. „Ich schätzen seinen feinen schwarzen Humor“, schildert Detro.

Humor und Satire in allen Farben spiegelt sich auch in „Der Mann im Mais“ wieder. Die Verunsicherung mancher Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder unterwirft er in „Misstrauen“ einer kurzweiligen, ironischen Betrachtung. Eigene Erfahrungen aus Lehrersicht fließen in „Elternschrecktag“ ein. „Es ist satirisch übertrieben, aber mit einem wahren Kern.“ Gemeinsam haben seine Geschichten stets: Ohne unerwartete Wende und ein überraschendes Ende wäre die Prosa keine Kurzgeschichte aus Detros Feder.

Was der Autor über alle Maßen vermisst, ist das pandemiebedingte Fehlen von Nähe zu den Zuhörern. „Es ist sehr bedauerlich, dass wir derzeit keine Lesungen machen können“, sagt der Oberdreeser. Eine Tragödie sei, wie viele Schauspieler, Autoren und Veranstaltungsgewerke schon seit Monaten zum Nichtstun verdammt seien. Sehnsuchtsvoll sehnt Detro den Tag herbei, da der Besuch einer Lesung ohne Gesundheitsrisiken behaftet ist. Und die ewige Dunkelheit: Im wahren Leben hat der Landwirt ein Einsehen. Er wechselt die Fruchtfolge. Jetzt ist hinter Detros Haus eine Blumenwiese zu finden.