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Gedenken an Nazimorde in Rheinbach: Erinnern ist gerade heute noch wichtig

Gedenken an Nazimorde in Rheinbach : Erinnern ist gerade heute noch wichtig

Gehängt wegen einer Strickjacke und ein paar Weinflaschen. Gestern jährte sich der Tag der Ermordung von drei ukrainischen Zwangsarbeitern zum 71. Mal. Ihrer und der millionenfachen Verbrechen im deutschen Nationalsozialismus gedachten gestern Vertreter von Rat, Verwaltung, verschiedener Einrichtungen und Schulen sowie interessierte Bürger.

Gestern jährte sich der Tag der Ermordung von drei ukrainischen Zwangsarbeitern zum 71. Mal. Wladislaus Talzschaview, Wladislaw Dedjarew und Peter Spaak waren am 26. Januar 1945 im Rheinbacher Stadtpark von Nazi-Verbrechern gehängt worden, weil sie beim Trümmerräumen in einem zerstörten Haus eine Damenstrickjacke und einige Flaschen Messwein mitgenommen hatten. Ihrer und der millionenfachen Unrechtsmorde und -verbrechen an Minderheiten und Andersdenkenden im deutschen Nationalsozialismus gedachten gestern auf Initiative der Landtagsabgeordneten Ilka von Boeselager und der Stadt Rheinbach im Foyer des Rathauses Vertreter von Rat, Verwaltung, verschiedener Einrichtungen und Schulen sowie interessierte Bürger.

Am heutigen 27. Januar ist der eigentliche Gedenktag, der auf Anregung des ehemaligen Bundespräsidenten Roman Herzog seit 1996 als der Tag der Befreiung des KZ Auschwitz durch die Rote Armee begangen wird. Ilka von Boeselager bezeichnete unsere heutige Demokratie als Gegenentwurf zur NS-Diktatur. Über allem stehe der Grundsatz, der in Artikel 1 des bundesdeutschen Grundgesetztes verankert ist: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Mit Blick auf die Flüchtlingssituation sagte sie: „Wir haben heute eine Verpflichtung gegenüber den Menschen, die in Not sind.“

Bürgermeister Stefan Raetz erinnerte an alle Opfer des Nationalsozialismus, von ermordeten Zwangsarbeitern über Juden und Minderheiten bis zu gefallenen und vermissten Soldaten sowie zivilen Opfern. Mit Bezug zu öffentlichen Äußerungen und aktuellen Geschehnissen wie Brandstiftungen an Flüchtlingsheimen sagte er, dass nationalsozialistisches Gedankengut bis hin zu Straftaten immer noch verbreitet seien. Auch in Rheinbach gelte es, möglichst viele Bürger zusammenzuschließen, um dagegen Stellung zu beziehen.

Der Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde, Diethard Römheld, sagte, dass er angesichts der Opfer Scham und Schuld fühle für etwas, das er nicht getan habe, sondern das er geerbt habe. „Ich habe selbst niemanden aufgehängt und doch vertreibt das nicht den Kloß in meinem Hals“, sagte er. „Wir brauchen das Gedenken der Toten, um dort wieder Mensch zu werden, wo Unmenschlichkeit gewütet hat.“

Gedenken sei heute noch wichtig, um das Leid der Opfer nicht zu vergessen, sagten Schüler des Städtischen Gymnasiums, aber auch, „damit wir eine bessere Zukunft gestalten können“. Die Gedenkveranstaltung umrahmten Thomas Michels und ein Schülerchor von Gesamtschule und Gemeinschaftshauptschule musikalisch.