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Gartenschläfer in Adendorf: Anwohnerin übergibt seltenes Tier an Forscher

Forschungsteam untersucht das Tier : Anwohnerin in Adendorf findet seltenen Gartenschläfer

In ihrem Garten in Adendorf hat Susanne Güpkens Gartenschläfer gefunden. Die seltenen Tiere hat sie sofort einem Forschungsteam gemeldet.

Die nächtlichen Geräusche der Tiere kannte Susanne Güpkens schon seit Jahren. Zuordnen konnte sie sie bis vor Kurzem nicht. Als sie ein unbekanntes totes Tier in ihrem Garten fand, begann sie zu recherchieren. So stieß sie auf das Forschungsprojekt des Bundes für Umwelt- und Naturschutz in Deutschland (BUND), der Justus-Liebig-Universität in Gießen und des Senckenberg-Instituts zu den immer seltener werdenden Gartenschläfern.

„Im Juli habe ich in dem Blumenkasten beim Gießen schon einmal ein Junges gefunden. Das war noch fast nackt“, erzählte die aktive Tierschützerin. Sie vermutete, dass sich die Mutter vor dem kalten Wasser erschreckt und die Flucht ergriffen hatte. Damit das Kleine die Zeit, bis sich das Muttertier wieder aus dem Versteck wagt, überstehen konnte, baute sie ihm eine kleine Schutzhöhle mit Stroh, einem Wärmepack und einem umgedrehten Eimer. „Tatsächlich war es nachher weg“, sagte sie. Kampfspuren oder Hinweise auf Räuber hatte sie erfreulicherweise nicht gefunden.

Das etwas größere Fundtier hatte Ende September leider weniger Glück. „Mein Mann hat es tot im Garten gefunden“, berichtete Güpkens. Informationen und eine Meldemöglichkeit fanden sie schnell unter www.gartenschläfer.de. „Wir bekamen eine Registrierungsnummer, und das Tier wurde abgeholt“, beschrieb Güpkens den Ablauf.

Aufmerksame Bürger hatten verstärkt festgestellt, dass die Gartenschläfer rasant verschwanden, berichtete Christine Thiel-Bender, Projektleiterin NRW beim BUND, vom Anlass der Forschungen. Seit Oktober 2018 sammeln die Naturschützer Daten mit dem Ziel, die Ursache des Verschwindens zu finden und Schutzmaßnahmen zu entwickeln, so Thiel-Bender. Verstorbene Tiere würden zu diesem Zweck genau untersucht. Rund 3500 Meldungen gebe es bisher in Deutschland, sagte die Projektleiterin. Etwa zehn Prozent davon entfallen auf NRW. Bei den toten Tieren habe man bisher hauptsächlich Rattengift und -fallen sowie offene Regentonnen und Gießkannen als Todesursachen gefunden.

„Den Gartenschläfer erkennt man auf Anhieb meist gar nicht, weil er ein nachtaktives Tier ist“, erklärte Thiel-Bender den geringen Bekanntheitsgrad der Tiere. Die meisten würden zu Beginn ihres Winterschlafs bei Reinigungsarbeiten von Nistkästen entdeckt. Im Frühjahr höre man manchmal die an schimpfende Vögel erinnernden Paarungsrufe, sagte die Projetkleiterin.

Helfen könnten Tierfreunde beispielsweise mit speziellen Nistkästen, die eigentlich für Bilche, auch Bilchmäuse, Schläfer oder Schlafmäuse genannt, deren Öffnung zum Stamm gerichtet ist und so die Konkurrenz mit Vögeln weitgehend ausschließt. Wer diesen seltenen Gast in seinem Garten beherbergt, kann sich glücklich schätzen. Der kleine Verwandte des Siebenschläfers frisst nämlich nicht nur Insekten und Würmer, sondern auch Schnecken.