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Störend für Seismographen: Geologen raten von Windrädern in Meckenheim und Rheinbach ab

Störend für Seismographen : Geologen raten von Windrädern in Meckenheim und Rheinbach ab

Die Erdbebenmessstation in Todenfeld könnte den Bau des Windparks zwischen Meckenheim und Rheinbach verhindern. Drei Windräder sollen dort entstehen.

Um 10.34 Uhr bebte am 21. März die Erde im Linksrheinischen. Das Epizentrum lag südlich von Meckenheim und Rheinbach in einer Tiefe von etwa acht Kilometern. Die Zeiger der Seismometer der Erdbebenstation in Todenfeld schlugen aus und dokumentierten die Erdstöße auf ihren rotierenden Rollen. GA-Leser berichteten, dass das Beben mit einer Stärke von 2,1 auf der Richter-Skala leicht spürbar gewesen ist.

In den Mittelpunkt rückt die von außen unscheinbare Station des Geologischen Dienstes NRW nicht nur bei solchen Naturereignissen,  sondern auch bei der Debatte um den Bau von drei Windrädern im interkommunalen Windpark zwischen den beiden Städten. Die Rechtslage ist eindeutig: Um die Arbeit der empfindlichen Messgeräte in den landesweit 14 Erdbebenstationen nicht zu stören, raten Geologen dazu, dass in einem Radius von zehn Kilometern keine Windräder gebaut werden dürfen.

Rotoren erzeugen Erschütterungen,

 die sich im Boden ausbreiten

Foto: grafik

Damit aber nicht genug: „Es wird die Empfehlung gegeben, innerhalb eines Radius’ von 17,5 Kilometern um die Messanlage auf die Errichtung von Windenergieanlagen zu verzichten“, schreiben Wolfgang Friederich von der Ruhr-Universität Bochum und Klaus Stammler vom Seismologischen Zentralobservatorium Hannover im Jahr 2013 in einer wissenschaftlichen Stellungnahme zur Errichtung von Windrädern in Deutschland.

Die Todenfelder Erdbebenstation liegt circa acht Kilometer von der sogenannten Konzentrationszone für Windräder im Norden Meckenheims entfernt. „Windräder erzeugen durch die Bewegung des Rotors erhebliche Erschütterungen, die sich im Boden in Form von elastischen Wellen ausbreiten“, erklären der Geologie-Professor und der Physiker in ihrem Gutachten. „Zwar nehmen diese Erschütterungen mit der Entfernung ab, sind aber dennoch in einigen Kilometern Entfernung stark genug, um Messungen der Bodenbewegung empfindlich zu stören.“ Die Richter, die die Normenkontrollklage der Meckenheimer Bürgerinitiative (BI) „Schattenseite“ gegen die Bebauungspläne für die Konzentrationszone der Städte Meckenheim und Rheinbach prüfen, wiesen schon darauf hin, dass es seit 2016 einen vom Land Nordrhein-Westfalen ausdrücklich rechtskräftig festgelegten Schutz für die Erdbebenmessstation in Todenfeld gibt.

„Wir denken, dass Erdbebenschutz auch im Sinne der Öffentlichkeit ist“, sagt Ingrid Koston, Sprecherin der BI, im Gespräch mit dem GA. In der Initiative engagieren sich aktuell 22 Familien – zumeist Bewohner des Neubaugebietes Sonnenseite. Sie sprechen sich gegen den Bau von Windrädern in der Konzentrationszone aus. Insbesondere im Hinblick auf die Beobachtung von aktuellen vulkanischen Aktivitäten rund um den Laacher See seien die Seismometer wichtig für den Bevölkerungsschutz. „Dieses Warninstrument sollte man der Bevölkerung nicht nehmen“, findet Koston.

Um aber künftig auf mehr Flächen Windenergie zu ermöglichen, hat die Energieagentur NRW ein Forschungsprojekt in Auftrag gegeben. Das 1990 gegründete Privatunternehmen arbeitet im Auftrag des Landes zu Fragen der erneuerbaren Energien oder des Klimaschutzes. In der Studie soll es darum gehen, wie die Störwirkung von Windrädern auf seismologische Stationen verringert werden kann. „Bisher existiert ein solches Verfahren nicht, sodass die Unsicherheit hinsichtlich der Sachlage ein Hemmnis für den weiteren Ausbau der Windenergie in NRW darstellt“, erklärt die Energieagentur zum Start des auf drei Jahre angelegten Projektes im Juni 2018. Im kommenden Jahr sollen Ergebnisse vorliegen.

Erdbeben und Windanlagen

 senden gleiche Signale

Der Geologische Dienst als einer der Betreiber von Erdbebenstationen in NRW spricht sich indes dafür aus, Windräder nicht in unmittelbarer Nähe zu den Stationen aufzustellen. „Natürliche Erdbeben und Windenergieanlagen senden Signale im gleichen Frequenzband“, sagt Sebastian Busch vom Fachbereich Geophysik, Landeserdbebendienst des Geologischen Dienstes NRW. Technisch sei es nicht möglich, den Einfluss der Windenergieanlagen aus den registrierten Daten der Erdbebenstationen herauszufiltern. „Derzeit wird über Abstandsregelungen versucht, den Einfluss von Windenergieanlagen auf seismologische Stationen zu minimieren“, sagt der Geophysiker.

Der Landesverband Erneuerbare Energien (LEE) NRW schlägt in seiner Stellungnahme zur Studie den „Verzicht auf einen Ausschlussradius“ vor. Die Stellungnahme endet mit dem Fazit, dass die Vorschläge des Verbandes geeignet seien, mehr Windräder im Land möglich zu machen. „In Anbetracht der gegenwärtig geringen Flächenverfügbarkeiten für Windenergieanlagen und der langwierigen Genehmigungsverfahren könnte dieses Vorgehen ein Schritt auf dem Weg sein, den von der Landesregierung in der Energieversorgungsstrategie ausgewiesenen Ausbaukorridor der Windenergie von 10,5 Gigawatt bis zum Jahr 2030 zu realisieren“, so der LEE.