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Marder, Bussarde, Füchse: Experten über Wild-Vorkommen im Vorgebirge

Wildtiere in Städten und Gemeinden der Region : Füchse freuen sich über Grillreste

Jogger, die Bussarde angreifen, Füchse, die gerne Gegrilltes essen und Papageien aus Afrika: Wildtiere erschließen sich die Städte in Vorgebirge und -eifel. Experten sprechen mit dem General-Anzeiger über Vorkommen und Vorlieben der Tiere.

Vorgebirge/Voreifel. Wildtiere in der Stadt - das ist in vielen Großstädten Deutschlands mittlerweile ein Thema. Ausreichend Futter und fehlende Fressfeinde machen vor allem Großstädte für Wildschweine, Waschbären oder Füchse attraktiv. Wie sieht es in Vorgebirge und Voreifel aus? Der GA hat sich bei Förstern und dem NABU umgehört.

Willi-Josef Wild, der als Förster unter anderem für Teile von Alfter, Swisttal, Meckenheim und Rheinbach zuständig ist, weiß von Wildschweinen, die in naturnahen Bereichen in die Bebauung laufen. Das seien aber Ausnahmen - meist würden sie bei einer Jagd oder von freilaufenden Hunden aufgescheucht. "Dann sind sie total kopflos", so Wild. Auch Füchse und Dachse schlichen in der Nacht schon mal durch Siedlungen und suchten nach Futter. "Zum Beispiel Grillreste im Busch sind ein gefundenes Fressen", berichtet der Förster.

Übergriffe von Bussarden auf Jogger

Die Füchse würden auch zutraulich, sodass mancher anfange, sie zu füttern. Davon rät Wild aber dringend ab. "Die Tiere tragen oft Fuchsbandwurmeier in sich. Man sollte immer die Distanz wahren", ist sein Appell. Meist würden die Menschen von den nächtlichen Besuchen aber gar nicht viel mitbekommen, hat Wilds Kollege Daniel Braun, Förster im Wald um Buschhoven, beobachtet.

Die Tiere gingen nachts an Komposthaufen oder Mülltonnen. Aufmerksam würden die Bewohner erst, wenn der Fuchs sich ein Huhn hole. Eine andere Futtermöglichkeit für Wildtiere ist die Vogelfütterung: "Das ist ein Eldorado für alle möglichen Tiere, zum Beispiel Mäuse und Ratten", sagt Wild. An Waldrändern käme es manchmal zu Übergriffen von Bussarden, die Jogger angreifen, die unbeabsichtigt in deren Nest- oder Horstbereich vorgedrungen sind und gegen die die Tiere ihr Revier verteidigen wollen.

Grüner Papagei aus Afrika und Asien wird in der Voreifel heimisch

Peter Meyer, der zweite Vorsitzende vom NABU Bonn, berichtet von Siebenschläfern, die sich auf Dachböden oder in Gartenhäuschen heimisch fühlen und dort ein warmes Plätzchen für ihren Winterschlaf suchen. Sie seien harmlos, machten aber zuweilen durch Lärm auf sich aufmerksam - da sie nachtaktiv sind, meist nicht zur Freude der Hausbewohner.

Ebenso bekannt seien Marder, die Kabel und Elektrogeräte verbeißen. Der NABU bekommt aber auch Meldungen von Spechten, die an Isolierungen oder Styroporwände gingen, vor allem aus dem Raum Alfter/Bornheim. "Die finden da Resonanzen und finden das toll", so Meyer. In Rheinbach und Swisttal seien immer mehr Halsbandsittiche zu finden. Der grüne Papagei war ursprünglich in Afrika und Asien heimisch. Über Importe für Zoos habe er sich verbreitet und komme von Bonn nun zunehmend auch in die Voreifel. Eine Verdrängung einheimischer Tiere finde nicht statt - im Gegenteil, sagt Meyer: "Einige unserer heimischen Vögel haben sich auf die Sittiche spezialisiert, zum Beispiel die Sperber".

Anders sei das bei Nilgänsen. "Die sind eher invasiv und fallen negativ auf, wenn sie sich gegen die einheimischen Arten durchsetzen", so Meyer. Manchmal würden einheimische Arten durch sie verdrängt. Ursprünglich stammten sie aus Zuchttierhaltung. Ähnlich sei es mit den ursprünglich aus Südamerika stammenden Nutrias, die seit den 20er Jahren in Pelztierfarmen gehalten wurden und mittlerweile in Deutschland weit verbreitet sind. Nutrias ähneln Bibern, haben aber keine abgeflachten, sondern runde Schwänze. Sie können Lebensräume wie seltene Röhrichtarten und die in ihnen beheimateten Arten schädigen. Auch an der Swist gebe es diese Nagetiere.