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1000-Kilometer-Slotcarrennen in Heimerzheim: 595 Runden mit dem Daumen am Drücker

1000-Kilometer-Slotcarrennen in Heimerzheim : 595 Runden mit dem Daumen am Drücker

Sie nennen sich "Plastik-Quäler", „Carbon Hornets“ oder "Matchbox": 24 Teams mit 70 Teilnehmern gingen beim S-Spa-Rennen auf der Slotpiste in Heimerzheim an den Start. Mit im Gepäck hatten sie ihre Miniatur-Rennwagen - handgefertigte, maßstabsgetreue Nachbauten des Formel-1-Zirkus.

Jan Schaffland vom Team „Plastik-Quäler“ stehen die Schweißperlen auf der Stirn. Gerade hat er beim S-Spa-Rennen auf der Slotpiste in Heimerzheim mit seinem Miniatur-Rennwagen einen Durchgang des 1000-Kilometer-Rennens gewonnen. Mit 595 Runden á 55 Meter in elf Minuten liegt er vier Runden vor seinem nächsten Konkurrenten. Konzentriert steuert der 23-Jährige seinen Rennwagen mit dem Hand-Controller und verliert dabei die schärfsten Verfolger nie aus den Augen. In seinem Wuppertaler Team ist er Spezialist für die mittleren der sechs Spuren. Die inneren und äußeren überlässt er Teamchef Sebastian Nockemann und Kopilot Marco Wesseling.

Für Emotionen ist während der Fahrt kein Platz, sagt der Wirtschaftsstudent bescheiden. Die Technik steht im Vordergrund. Angefangen hat er mit einem Weihnachtsgeschenk, einer Carrera-Bahn. Dann wurde er über eine Zeitungsannonce auf einen Rennwagenclub aufmerksam und hat da zusammen mit dem Vater „reingeschnuppert“. Dort kostet ein Großserienauto 100 bis 150 Euro. Schließlich siegte der Wettkampfgedanke, er wollte mit den Großen mitspielen. Seine „Plastik-Quäler“ sichern sich am Samstag in Heimerzheim mit knappen vier Runden Vorsprung den Gesamtsieg.

Der Organisator dieses ersten 1000-Kilometer-Rennens auf dem Nachbau der legendären Rennstrecke von Spa Francorchamps (Belgien), Jürgen Landsberg, hat die letzten Nächte wenig geschlafen. Er betreut 70 Teilnehmer aus 24 Teams aus Spanien, Österreich, Holland und Deutschland. Am Samstag drehen sie von morgens 8.30 Uhr bis zwei Stunden vor Mitternacht unter der Aufsicht von Rennleiter Alexander Ortmann aus Kottenheim (Mayen) ihre Runden.

Jedes Team hat einen heckgetriebenen Wagen mit einem 12-Volt Elektromotor. Ein Stromabnehmer (Slot) leitet die Energie auf die Spule. Michael Kaul vom Team „Carbon Hornets“ zeigt am Beispiel eines Porsche GT 1'98 im Maßstab eins zu 24 die technischen Raffinessen.

Das ist zum einen die Federung, zum anderen der genau berechnete Schwerpunkt, der im hinteren Teil des Hecktrieblers liegt. Die Bodenplatte aus Messing ist in Feinarbeit gefräst. Sogar der Fahrer mit Helm, GT-1-Rennanzug und Sprechfunkgerät entspricht dem Vorbild, das im Jahr 1998 in Le Mans gewonnen hat. Die Carbon-Karosserie wiegt nur 20 Gramm, Chassis und Motor 145 Gramm. Das Renngerät hat 700 Euro und an die Hundert Arbeitsstunden gekostet, denn jedes Modell der Fahrzeuge ist handgefertigt. Kaul spricht von „Motorsport im Maßstab“.

Ein perfektes Auto, ein angepasster Controller und ein guter Fahrer entscheiden. Gewonnen hat Michael Kaul den Preis für den schönsten Boliden, einen Lancia, den er sich mit einem Frankfurter Team teilt.

Beim Team „Matchbox“ aus Amsterdam lief es dagegen nicht so rund. Ihr Peugeot 906 Evolution verlor ein paar Schrauben, aber das bringt Mack de Wachter und Ton Jacobs nicht aus der Fassung. In der Renncafeteria warten sie auf ihren nächsten Durchgang. Sechs große Rennen fahren sie im Jahr und jede Woche ein kleineres in Holland. Mit seiner Frau hat de Wachter deswegen keinen Ärger, sie ist froh, wenn er seinem Hobby nachgehen kann, erzählt der über 50-Jährige.

Slotcar-Rennen ausprobieren kann man mit Leihwagen jedenDonnerstag von 17 bis 23 Uhr bei TSL-Touring-Sport Landsberg in Heimerzheim, Breniger Straße 19, 0 22 54/83 62 80.