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A565 Merle: Neue Fußgängerbrücke über Autobahn eingebaut​

Autobahn bei Meckenheim-Merl : 62 Meter lange Brücke über die A565 passgenau abgesetzt

Jahrelang mussten die Merler einen Umweg in Kauf nehmen, um in den nahen Kottenforst zu gelangen. Nun ist die neue Brücke über die Autobahn 565 da, angeliefert in der Nacht zu Sonntag in einer logistischen Meisterleistung.

Die neue Fußgängerbrücke in Meckenheim-Merl steht. Rund 70 Tonnen Stahlmasse inklusive Transportgestell und Hubtraverse rollten am Samstagabend vom Autobahnparkplatz Swistbach in Richtung Merl. Gut vier Stunden später saß die Brücke auf den vier Jahre lang verwaisten Brückenköpfen über der Autobahn 565 – angeliefert per Schwerlasttransport und mit gewaltigen Kränen an ihren Platz gehoben. Viele Schaulustige begleiteten die logistische Meisterleistung. Bis die Merler das neue Konstrukt nutzen können, wird es jedoch Oktober werden.

Ursprünglich rechnete man mit dem Ersatzbau bis 2019

Vor vier Jahren hatten Fachleute des Landesbetriebs Straßen.NRW festgestellt, dass die damalige Betonbrücke wegen spröden Bruchverhaltens und zunehmender kristalliner Korrosion nicht mehr verkehrssicher war. Sogar ein Einsturz wäre möglich gewesen, lautete damals die Auskunft des Landesbetriebs. Kurz darauf, im Juli 2018, verarbeiteten drei Bagger diese 61 Meter lange Spannbetonbrücke aus dem Jahr1973 innerhalb von sieben Stunden in 280 Tonnen Schutt. Zu dem Zeitpunkt rechnete man noch mit einem Ersatzbau bis Ende 2019. Weil die neue Brücke laut einer Entscheidung des Bundes aber ein Pilotprojekt mit besonderem Korrosionsschutz werden sollte, kam es anders.

Längere Planungsphasen, Abwägungen und Ausschreibungsvorgaben verzögerten die Abläufe. Erst im Oktober 2021 hatte die Autobahn GmbH, nach Umstrukturierungen zuständig für das Projekt, den Brückenunterbau auf der Westseite der Schnellstraße instandgesetzt. Ein dreiviertel Jahr später folgte der Mittelpfeiler für die Stahlkonstruktion.

Um 23.29 Uhr steht die Brücke passgenau

Wie sehr die Menschen ihre Brücke vermisst hatten, machten die vielen Meckenheimer und Merler Zuschauer beim Einbau deutlich. Sie standen, teilweise dicht gedrängt und mit Ferngläsern vor den Augen, hinter den Zäunen und auf der nahen Autobahnbrücke über die L 158. Die in zwei Teilen auf den Rastplatz Swisttal an der A 61 gelieferte und dort zusammengesetzte Brücke absolvierte die letzten rund sechs Kilometer ihres Wegs zu den Brückenköpfen auf Schwerlasttransporten in nur eineinhalb Stunden. Auch danach griffen die Abläufe so gut ineinander, dass der neue, gut 62 lange Überweg deutlich vor dem ursprünglichen Zeitplan stand.

Um 23.29 Uhr wiesen die ersten Daumen bei den Schwerlast-Transportunternehmen Baumann und Floßdorf nach oben. In beachtlicher Abstimmung hatten ein 500-Tonnen- und ein 300 - Tonnen-Kran die Stahlkonstruktion von den rollenden Transportgestellen angehoben, an Transport-Traversen langsam zwischen die beiden Krane verschwenkt und passgenau auf die Brückenköpfe gesetzt. Wenige Minuten später, nach der letzten Kontrolle der Anschlussstellen zwischen Brücke, Brückenköpfen und dem Mittelpfeiler, hielten auch die für den Bau der Brücke Verantwortlichen Bauunternehmen Philipp Kutsch und die Konstrukteure der Brücke von Stahlbau Queck die Daumen nach oben. Die Stahlbrücke stand passgenau.

Letzte Arbeiten bis Ende Oktober

Ende Oktober könnte für die Merler Fußgänger in den Kottenforst und für die Radpendler nach Bonn führende Autobahnquerung für den Verkehr freigegeben werden, so Oliver Bartling vom Projektteam Straßenbau bei der Autobahn GmbH des Bundes. Bis dahin wird noch an den Fahrbahnübergängen, den Anschlussstücken zu den Lärmschutzwänden und am Geländer an den Querlagern gearbeitet. Zusätzlich muss an den Widerlagern noch gepflastert werden.

Die Bewohner Merls indes freute die Aussicht, den Kottenforst bald wieder auf direktem Wege erreichen zu können. Lange Zeit hatte die Lücke zwischen den Brückenköpfen für einige Merler den Beinamen „die Seufzerbrücke von Merl“ - angelehnt an die vielen Seufzer derjenigen, die auf ihrem Wanderweg zu Fuß oder mit dem Rad an einem der beiden Betonsockel strandeten. „Ich bin total glücklich, dass die Brücke nach so langer Zeit wieder da ist“, sagte der in Merl lebende IT-Fachmann Gerd Fischer. Weil sein täglicher Weg zur Arbeit mit dem Fahrrad in der Regel über diese Brücke führt, musste er in den vier Jahren ohne Brücke insgesamt rund 1200 Kilometer Umweg in Kauf nehmen. Er freute sich darauf, den stählernen Überweg bald wieder nutzen zu können.

Auch den Autofahrer war der reibungslose Ablauf sicher willkommen. Immerhin musste die A 565 für den Einbau von Samstag, 10. September, 19 Uhr, bis Sonntag, 11. September, 10 Uhr, zwischen dem Autobahnkreuz Meckenheim und der Anschlussstelle Merl in beiden Fahrtrichtungen gesperrt werden.

Hier geht es zur Bilderstrecke: So kam die neue Fußgängerbrücke über die A565