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NRW-Umweltministerin im Kottenforst: Ausmaß der Schäden im Wald schockiert selbst Fachleute

NRW-Umweltministerin im Kottenforst : Ausmaß der Schäden im Wald schockiert selbst Fachleute

Die Lage im NRW-Wald verschärft sich: Weil Bäume durch Borkenkäfer und Dürre massenhaft absterben, stockt das Land seine Hilfe deutlich auf. Experten wollen herausfinden, wie vital die Bäume überhaupt noch sind. Am Montag war NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser dafür zu Besuch im Kottenforst.

Dem Wald geht es schlecht. Das können auch Laien bei Spaziergängen erkennen. Aber das Ausmaß der Schäden schockiert selbst Fachleute wie Uwe Schölmerich, den Leiter des Regionalforstamts Rhein-Sieg-Erft. „Die Lage ist eigentlich unvorstellbar. Wir haben uns das nicht ausmalen können“, sagte er am Montag im Kottenforst beim Besuch von NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser anlässlich des Beginns der Waldzustandserhebung.

„Wir haben keine Forstwirtschaftskrise, eine Waldkrise“, machte Schölmerich klar. Drei extrem trockene Jahre hintereinander haben dem Wald zugesetzt, zum anderen habe der Borkenkäfer die Fichten in der gesamten Region „dahingerafft“. Bis zu einem gewissen Maß sei es mit der sogenannten „Sauberen Wirtschaft“ noch möglich gewesen, die vom Borkenkäfer befallenen Bäume zu entfernen. „Das ist jetzt nicht mehr möglich. Angesichts der Vermehrung in der Menge ist das nicht mehr beherrschbar.“

Inzwischen mache sich laut Schölmerich der Borkenkäfer auch an heimische Laubbäume heran, insbesondere an die Buche. Die Weichen für die Zukunft soll Mischwald stellen mit Anpflanzungen von Eiche, Linde, Hainbuche und Lärche. „Nur die Mischung kann uns auf Dauer helfen, weil keiner weiß wie die Entwicklung in den nächsten 100 Jahren sein wird“, sagte er. Die Waldentwicklung dauere Generationen. Das sei eine psychische Belastung für die Mitarbeiter und eine finanzielle Belastung für alle Waldbesitzer.

In den Kottenforst mitgebracht hatte die Ministerin 28 Millionen Euro für die Wald- und Holzwirtschaft. „Mit den Sondermitteln ergänzen wir die bestehende Förderung, um der Forst- und Holzwirtschaft in der aktuellen Extremsituation zielgerichtet zu helfen und die Waldzukunft nachhaltig zu gestalten“, sagte Heinen-Esser. Die zusätzlichen Gelder sollen eingesetzt werden zur Waldbrandvorsorge und zur Beseitigung von „Gefahrenbäumen“, zur Stärkung der Forst- und Holzwirtschaft in den Bereichen Digitalisierung und Holzbau, in der Aus- und Fortbildung und zur Wiederbewaldung der Schadflächen im Privat- und Kommunalwald. Insgesamt stehen laut Heinen-Esser dieses Jahr rund 57,5 Millionen Euro zur Unterstützung der Forst- und Holzwirtschaft in NRW zur Verfügung. In den nächsten zehn Jahren stelle die Landesregierung 100 Millionen für Aufforstung bereit.

Für dieses Jahr wird ein Anstieg des Fichten-Schadholzes durch Sturm, Dürre und Borkenkäfer auf rund 34 Millionen Kubikmeter erwartet, davon rund 19 Millionen Kubikmeter in 2018/2019. „Der Holzmarkt ist europaweit komplett zusammengebrochen. Niemand will mehr Fichten haben“, weiß Philipp Freiherr Heereman, Vorsitzender des Waldbauernverbandes NRW. Die Fichte sei in NRW eine ausgehende Baumart. Die Waldbauern wollen Douglasie, Weißtanne und Kiefer mit einmischen, kündigte er.

Heeremann lobte zwar, dass die „Landesregierung nicht nur zuhört, sondern auch handelt“. Mit den Sondermitteln und der ergänzten Extremwetter-Richtlinie leiste das Land wichtige Unterstützung, allerdings seien weitere Anpassungen notwendig. Insbesondere müsse über die Förderhöchstgrenze nachgedacht werden. Die liegt zurzeit je Waldbesitzer bei 30 000 Euro. Dabei bleibe es auch, so die Ministerin, denn auch die kleinen Waldbesitzer sollten berücksichtigt werden. Ihr Ministerium habe Waldbesitzer aber ermuntert auch über die Höchstgrenze hinausgehende Mittel zu beantragen. Im Laufe des Jahres werde sich zeigen, ob mehr Geld zur Verfügung gestellt werden könne.