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Aus Uganda nach Meckenheim: Austausch-Landwirt zu Gast beim Obstbaubetrieb Felten

Aus Uganda nach Meckenheim : Austausch-Landwirt zu Gast beim Obstbaubetrieb Felten

Ausbildung, Erntemaschinen, Transport: Austausch-Landwirt Cyprian Ssekubulwa aus Uganda entdeckt auf dem Obsthof Felten viele Unterschiede zur Arbeitsweise in seiner Heimat. Eine Stiftung finanziert seinen dreimonatigen Aufenhalt in Meckenheim.

Wie funktioniert der Obstbau in Deutschland? Was ist beim Kirschenpflücken zu beachten, wie lagert man Äpfel? Über diese und weitere Aspekte der hiesigen Landwirtschaft informiert sich derzeit Cyprian Ssekubulwa. Der 32-Jährige verfügt über einiges Vorwissen, denn in seiner Heimat in Zentraluganda bewirtschaftet er einen eigenen Betrieb. Als Praktikant auf dem Obsthof Felten möchte er noch einige nützliche Dinge dazulernen.

Drei Monate ist Ssekubulwa insgesamt in Deutschland, finanziert und organisiert durch die Schorlemer Stiftung. Für das Gespräch mit dem General-Anzeiger kommt er von der Kirschernte auf den Hof. Die Kultivierung dieser Früchte habe er in Deutschland erst kennengelernt, erzählt er auf Englisch. Auf seinem Land in Uganda wachsen Mango, Passionsfrucht und Avocado. Außerdem baut er Gemüse an: Brokkoli, Sellerie, Gurken und Kohl zählt er auf.

Der Austausch soll sein Wissen erweitern. Er sammelt praktische Erfahrungen bei Felten. Grundsätzlich unterscheide sich die Arbeit in Deutschland sehr von der in Uganda, hat der junge Landwirt festgestellt. Hier sei alles viel mehr auf Maschinen ausgerichtet. Er bewundert beispielsweise die Ernteplattformen. Darauf stehen Pflücker hoch genug, um empfindliches Obst sanft von Hand vom Baum zu holen. In Uganda, wo es ohne diese Hilfe gehen muss, schlage man die Avocados mit einem Stock herunter. Die Früchte fallen auf den Boden. „Sie bekommen schnell gelbe Flecken“, so Ssekubulwa. Ein Manko, das den Verkauf bis nach Europa, teilweise sogar auf dem heimischen Markt, unmöglich mache.

Generell: Das Thema „Behandlung der Produkte nach der Ernte“ beschäftigt den Gast sehr. „Hier hat jeder Hof große gekühlte Lagerhäuser“, sagt er. Die fehlen in seiner Heimat, genauso wie Kühllaster. Früchte würden einfach in Säcke gestopft und zum nächsten Markt gefahren. „Und dabei werden sie oft gequetscht.“ Ein guter Teil der Ernte gehe so verloren. Vieles sei verdorben, bevor es beim Kunden ankommt. Bis zu 60 Prozent könnten es sein. „Und so etwas gibt es bei uns auch nicht“, bedauert er – und zeigt dabei auf eine einfache blaue Kunststoffkiste. Die sind im Betrieb allgegenwärtig. Stapelbar schützen sie das Obst, für Kunden in Deutschland längst alltäglich. Deutlich besser als Säcke, so Ssekubulwa. Vor allem, wenn exportiert werden soll. Der europäische Markt sei für Waren aus Uganda oft durch die Transportschäden kaum erreichbar. Die Qualitätsstandards, die erwartet werden, seien hoch.

Ssekubulwa gefällt die Vernetzung der Landwirte

Interessant ist für den Praktikanten auch der Hofladen der Feltens. Direktvermarktung sei in Uganda ebenfalls unbekannt. Und ihm gefällt, wie die Landwirte rund um Meckenheim untereinander vernetzt sind. Noch am Tag zuvor hat er sich im Betrieb Brauweiler angesehen, wie Säfte hergestellt werden. Überall sei man offen für seine Fragen und würde sich gegenseitig helfen.

Was er sich aber besonders für seine Heimat wünschen würde: eine gute Ausbildung zum Landwirt. Ssekubulwa lebt in der Familie Felten und hat so engen Kontakt zu deren Sohn Matthias Felten. Beide jungen Männer sind in der Landwirtschaft aufgewachsen. „Ich bin Landwirt, seit ich geboren wurde“, erzählt Ssekubulwa. Er arbeitete neben der Schule, vor allem aber in den Ferien. Der junge deutsche Obstbauer kann ebenfalls davon erzählen, wie er als kleiner Junge schon beim Baumschnitt dabei war. Aber für ihn folgte auf die Schule eine offizielle Ausbildung. Jetzt geht er auf die Meisterschule. Eine solche Einrichtung wäre in Uganda sehr sinnvoll. „Dort kann jeder einfach Land kaufen und von jetzt auf gleich ist er Farmer“, erklärt der Gast. Ausgebildete Landwirte, die wissen, was zu tun ist, könnten dann auch mehr Vertrauen erfahren, wenn sie um Kredite bitten. Er sei erstaunt, wie günstig Investitionsgelder für Landwirte in Deutschland sind. Kredite sind sicherlich auch hier ein Problem, wenn die Zinsen ungünstig sind. An die über 20 Prozent, von denen Ssekubulwa berichtet, kommt allerdings keine Bank heran.

Ein Unterschied, den Matthias Felten interessant findet: In Uganda gibt es keine Saisonarbeiten. Es wird das ganze Jahr über gepflanzt und geerntet. Einen Vorteil sieht er darin allerdings nicht. Der deutsche Markt sei gerade an die saisonale Verfügbarkeit angepasst. „Wenn die Menschen das ganze Jahr Erdbeeren bekommen, verlieren sie vielleicht die Lust“, überlegt Matthias Felten.

Für den Betrieb Felten geht es bei der Teilnahme am Austausch darum, mit praktischen Erfahrungen hilfreich zu sein. Die Inhaber Manfred und Zuzanna Felten sind seit 2008 regelmäßig Gastgeber. Sie hatten schon Praktikanten aus Japan, Korea und Belarus in ihrem Betrieb. „Ich arbeite gerne mit jungen Menschen, denen ich Wissen vermitteln kann“, beschreibt Manfred Felten seine Motivation.