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Bonn: Ina Lehnertz gestaltet Kunst aus Müll

Update Gallery in Bonn : Ina Lehnertz aus Meckenheim gestaltet Kunst aus Müll

Die Schmuckobjekte aus Papier und die Collagen aus weggeworfenen Materialien entreißen Dinge ihrer ursprünglichen Bedeutung. Die Meckenheimer Künstlerin Ina Lehnertz zeigt in der Bonner Update Gallery derzeit 25 Werke.

Im Schatten des Merler Doms öffnet Ina Lehnertz gut gelaunt die Tür. Das Haus der gebürtigen Duisburgerin ist vom Keller bis zum Dach mit ihrer Kunst gefüllt. „Ursprünglich wollte ich Kunst an der Akademie studieren, habe aber nie einen Platz bekommen“, berichtet sie. So studierte sie Kunst auf Lehramt. Heute unterrichtet sie Deutsch und Kunst an der Geschwister-Scholl-Hauptschule in Meckenheim und ist im Nachhinein auch nicht mehr unglücklich über diesen Werdegang, denn „viele Freunde, die diesen Weg gegangen sind und jetzt versuchen, von ihrer Kunst zu leben, haben es sehr schwer“.

Atelier in Adendorf

Dass Schulalltag und künstlerische Tätigkeit nicht immer ganz einfach unter einen Hut zu bringen sind, erfährt Ina Lehnertz am eigenen Leibe. „Ich arbeite viel nachts und vergesse oft die Zeit. Dann muss ich mich um 3 Uhr dran erinnern, dass um halb sechs wieder der Wecker klingelt“, sagt sie. Das komme sehr oft vor.

Daraus seien auch längere Schaffenspausen entstanden. Um sich stärker ihrer Kunst widmen zu können, reduzierte sie ihre Stundenzahl an der Schule. Mit anderen Künstlerinnen hat sie sich inzwischen in Adendorf ein ehemaliges Ladenlokal gemietet. „Dort im Atelier 18/80 genieße ich mindestens einmal die Woche an einem festen Tag den kreativen Austausch mit Gleichgesinnten“, erzählt sie.

 Aus weggeworfenen Stoffen gestaltet Ina Lehnertz ihre Collagen.
Aus weggeworfenen Stoffen gestaltet Ina Lehnertz ihre Collagen.

Was für andere Müll ist, steht bei Lehnertz im Zentrum des kreativen Schaffens: „Dabei ist die Nachhaltigkeit nicht der hauptsächliche Anspruch, sondern ein schöner Gedanke. Freunde und Familie haben oft etwas in der Hand, wollen es schon wegwerfen, und bringen mir dann die Sachen.“ Auch ihre Mutter aus Duisburg schicke regelmäßig große Umschläge mit ihrem Müll.

Sortierung nach Farben

Alle Materialien sortiert sie nach Farben. „Vieles ist ein farbiges und formales Ausprobieren. Es gibt Verpackungen, die mich durch ihre Farbe oder Stabilität zu etwas anleiten und bewegen, aber ich beginne das Kunstwerk nicht so. Das entsteht dann doch eher zufällig.“ Oft werden die Kunstwerke dann noch durch einen handschriftlichen Text ergänzt.

Ihre Gedanken möchte sie aber nicht lesbar hinterlassen. Es ist oft etwas Verrücktes oder Persönliches, etwas Wütendes oder was Trauriges. Die Schrift ist aber nicht lesbar, eher Ornament. Sie mag diesen grafischen Effekt. Er habe zwar nur einen ästhetischen Zweck, wecke aber das Interesse der Betrachter.

Spannende Verpackungen

Der zunächst nur als fotografische Dokumentation angedachte Instagram-Account „inflowpapier“ wurde für die Künstlerin auch zum direkten Kommunikationskanal mit ihren Abonnenten. „Zuletzt schrieb mir eine Designerin, deren Katalogarbeit ich zerschnitten hatte, wie begeistert sie davon war. Sie hatte es wiedererkannt, aber nicht auf Anhieb. Nur weil ich die Quelle meiner Arbeiten immer mit angebe, kam sie dahinter.“

Und auch die Galeristin Wendy Hack aus Bonn nutzte die sozialen Medien, um Kontakt aufzunehmen. „Sie fand vor allem die Verpackungen spannend. Bei einem Besuch im Atelier in Adendorf kamen wir dann für die aktuelle Ausstellung ins Geschäft. Die Preisfindung für die Stücke war eine komplett neue Erfahrung für mich. Länge plus Breite mal Bekanntheitsfaktor ist da die gängige Formel. Ein bisschen widerstrebt mir das, denn auch eine ganz kleine Arbeit kann so etwas Besonderes sein.“