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Holger Jung: Das plant Meckenheims neuer Bürgermeister

Holger Jung : Das plant Meckenheims neuer Bürgermeister

Meckenheims Bürgermeister Holger Jung spricht über die Herausforderungen dieses Jahres und seinen Wunsch, die Haushaltssicherung zu verlassen. Im Gespräch ging es außerdem um die Schaffung von Wohnraum und Personalgewinnung für die Stadtverwaltung.

Der bisherige Erste Beigeordnete Holger Jung ist erst seit Anfang November als neuer Bürgermeister der Stadt Meckenheim im Amt. Er blickt auf das Jahr zurück und auf die Aufgaben und Ziele des kommenden Jahres.


■ Corona: Seit dem zweiten Quartal war das Jahr „überdeckt von Corona“, stellte Jung fest. Für die Verwaltung hieß das: Krisenstab einrichten, alle Maßnahmen koordinieren, umsetzen und deren Einhaltung überwachen. „Wir müssen jeden Tag nachsteuern“, so Jung. „Das ist für die Verwaltung eine Riesenbelastung, insbesondere für die Kolleginnen und Kollegen im Ordnungsamt, die sind am Anschlag. Das geht an die Substanz der Kollegen“, sagte er. Auch an den Feiertagen wird es für die Ordnungsamts-Mitarbeiter keine Pause geben. Entsprechend häufen sich die Überstunden an. Die Kosten dafür könne die Stadt „im Haushalt isolieren“, müsse sie also nicht berücksichtigen. Für einen Ausgleich zeigte Jung sich sicher, „individuelle Lösungen“ zu finden.


■ Homeoffice: „Nicht nur wegen Corona. Wir wollen in dieser Hinsicht noch flexibler werden“, kündigte der neue Bürgermeister an. „Wenn Corona uns irgendwo hilft, dann im Erkennen der Möglichkeiten mobiler Arbeit.“ Gemeinsam mit dem Personalrat wird zurzeit eine Dienstvereinbarung erarbeitet, um Homeoffice für geeignete Arbeitsplätze zu verstetigen. Dass bei einer größeren Zahl von Mitarbeitern, die zuhause und nicht am Arbeitsplatz in der Stadtverwaltung arbeiten, das neue Rathaus zu groß dimensioniert sein könnte, sieht Jung nicht. „Wir bekommen als Verwaltung immer mehr Aufgaben. Wir sind froh, dass wir noch ein paar Potenzialbüros und Arbeitsplätze haben, sonst kämen wir jetzt schon an die Grenzen.“


■ Digitalisierung und E-Government: Für die Digitalisierung der Schulen und das E-Government sollen in der Verwaltung die Kräfte stärker gebündelt werden. Die Förderanträge für die Sachausstattung der Meckenheimer Schulen sind laut Bürgermeister gestellt. Endgeräte für Lehrer und Schüler, die sie sich selbst nicht leisten können, sollen zum Jahresende ausgeliefert werden. Die WLAN-Ausstattung an den Schulen müsse auch auf den neuesten Stand. Am Schulcampus soll die Versorgung über den Anschluss des Rathauses mit entsprechenden Richtfunkstrecken erfolgen.


Neugliederung der Stadtverwaltung: Seit Jung das Amt des Bürgermeisters übernommen hat, ist seine bisherige Stelle als Erster Beigeordneter vakant. Die Stelle ist ausgeschrieben, die Bewerbungsfrist beendet. Es gebe Bewerbungen „in zweistelliger Zahl“, so Jung. Die Wahl ist für die erste Ratssitzung des neuen Jahres 2021 geplant. Die Einstellung soll dann zum nächstmöglichen Zeitpunkt erfolgen. Mit der Neubesetzung soll auch eine Neuorganisation der Stadtverwaltung erfolgen. Unberührt bleiben werde „wahrscheinlich“ das Technische Dezernat. Aber neu geschaffen werden soll ein Hauptamt, das es in der Meckenheimer Stadtverwaltung bis dato nicht gibt. Eine Hauptamtsleiterstelle soll ausgeschrieben werden. Stadtsprecherin Marion Lübbehüsen, Leiterin des Fachbereichs 13, wird zum 1. Januar als Büroleitung die Arbeit des Vorzimmers des Bürgermeisters koordinieren sowie Verwaltungsvorstand, Rat und Ausschüsse betreuen.


Personalgewinnung: Angesichts der Konkurrenz mit nahen größeren Städten und entsprechend attraktiveren Verdienstmöglichkeiten, sieht Holger Jung die Stadt Meckenheim ganz allgemein vor dem Problem, vakante Stellen zu besetzen. Die Konsequenz: Fachpersonal verstärkt selbst ausbilden. So werden im nächsten Jahr fünf junge Leute die Ausbildung zu Verwaltungsfachangestellten oder als Bachelor (früher Inspektorenanwärter) bei der Stadt beginnen. Gute Erfahrungen hat Meckenheim auch mit dem Angebot von Schülerpraktika aus den eigenen Schulen gemacht. Ideal sei die Rekrutierung aus Meckenheim selbst oder der nahen Umgebung einerseits wegen der Identifikation mit der Stadt, andererseits um der zunehmenden Bedeutung von Work-Life-Balance entgegenzukommen.


Schaffen von Wohnraum: Eines der Top-Themen Jungs aus dem Wahlkampf. In Altendorf-Ersdorf wird das Baugebiet am Viethenkreuz Anfang 2021 in die Vermarktung gehen, wie er ankündigte. Im Baugebiet Weinberger Gärten soll eine Quote von 20 Prozent öffentlich geförderten Wohnraums realisiert werden. Im großen Baugebiet Merler Keil III soll „Wohnen für Jedermann“ verwirklicht werden, mit verschiedenen Angeboten von Einfamilienhäusern bis zu öffentlich gefördertem Wohnraum. Darüber hinaus seien auch mögliche Innenraumverdichtungen im Blick.


■ Die nächsten Aufgaben: Über die Herausforderungen durch Corona hinaus nannte Bürgermeister Jung die Aufstellung des Doppelhaushaltes im ersten Quartal, denn Meckenheim wolle 2022 die Haushaltssicherung hinter sich lassen. Da die Stadt Meckenheim weiter wächst, muss auch weiter an der Infrastruktur gearbeitet werden. Im Einzelnen nannte Jung „das Riesenprojekt Sanierung Schulcampus“, aber auch den Neubau von Kitas sowie die Erweiterung bestehender. „An vielen Stellen ist Handlungsbedarf und auch akuter Handlungsbedarf.“