Peter Mennigen Der Meckenheimer Comic-Autor über ein Leben voller Aha-Erlebnisse

MECKENHEIM · Peter Mennigen hatte in seinem Leben schon viele Aha-Erlebnisse. Eines der ersten kam mit Spiderman. Als das Heft in Deutschland rauskam, war der Meckenheimer Autor noch Schüler - und so begeistert von dem Comic aus dem Hause Marvel, dass er ihn kaum weglegen konnte. "Er war so gut geschrieben. Das war der Moment, als ich wusste: Ich will Comic-Zeichner werden." Aber nicht irgendeiner, sondern für Spiderman.

 Peter Mennigen bei einer Signierstunde am Gratis-Comic-Tag in Bonn.

Peter Mennigen bei einer Signierstunde am Gratis-Comic-Tag in Bonn.

Foto: Schneider-Barthold

Eines vorweg: Für Marvel oder als Zeichner arbeitet Peter Mennigen (60) nicht. Sein Leben dreht sich dennoch viel um Comics - und liest sich wie eine einzige Erfolgsgeschichte. Die erzählt er bei einem Glas Cola im Café - natürlich in Meckenheim, wo er lebt und aufgewachsen ist und nicht mehr weg möchte, weil es "meine Heimat" ist. Dort ist auch sein Büro, in dem er an seinem Comic "Malcolm Max" arbeitet.

Einer Reihe für Erwachsene um einen Dämonenjäger, die auf die Malcolm-Max-Hörspiele von Mennigen zurückgeht und im Stil der Schauerromane des 19. Jahrhunderts gehalten ist. Und die für einen Comic ungewöhnlich viel Text enthält. Genau der ist das, was den Comic ausmacht und der den ersten Band "Body Snatchers" schon nach kurzer Zeit zum Bestseller avancieren ließ: Von Platz 15 im März kletterte er in der Bestsellerliste des "Buchreports" schnell auf Rang fünf.

"Rückblickend sieht es so aus, als sei mir alles immer in den Schoß gefallen", sagt der Meckenheimer und lacht. Schicksalsereignisse oder Aha-Erlebnisse nennt er das. Wörter, die im Laufe des Gesprächs noch häufiger fallen. "Ich hatte aber auch nie den Hauch eines Zweifels, es war selbstverständlich, dass ich diesen Weg gehen werde." Und so ging er ihn. Obwohl Comics in seiner Jugend noch als Schundliteratur galten.

In der Rheinbacher Glasfachschule lernt er zeichnen, studiert später Kunst und Design in Köln. Noch während des Studiums verdient er sein erstes Geld beim Kauka-Verlag, der Fix und Foxi rausbringt. 180 Mark. "Auf dieses erste Gehalt im Comic-Bereich war ich so stolz", sagt Mennigen. Die bekommt er allerdings nicht fürs Zeichnen. Der Grund ist simpel: Der Verlag lässt seine Comics im Ausland illustrieren, braucht deshalb keine deutschen Zeichner. Mennigen hinterlässt aber mit seinen Geschichten Eindruck.

Lange hält es ihn dort nicht. Die nächste Bewerbung landet beim Bastei-Verlag - und ist reichlich ungewöhnlich. "Ich habe einen Zettel genommen, mit Kuli darauf geschrieben, dass ich gerne als Comic-Autor arbeiten würde und an den Verlag geschickt." Mit Erfolg, denn der Verlag stellt just zu der Zeit auf selbst produzierte Geschichten um. Im Nachhinein ist Mennigen sich sicher: "Das Zeitfenster war nur für mich geschaffen, so etwas wäre heute für mich wohl nicht mehr möglich." Ein weiteres Schicksalserlebnis.

Mehrere Jahre arbeitet er bei Bastei, schreibt zeitweise fünf Serien die Woche - darunter Gespenster-Geschichten, Phantom, Bessy und Lucky Luke. "Eine Herausforderung für die Fantasie", sagt Mennigen. Kein Wunder, bei Serien mit mehr als 1000 Heften. "Da können Sie sich nicht wiederholen, sondern müssen auch bei Heft 917 noch eine neue Idee haben." Wenn er heute einen Satz hört, hat er sofort eine Idee im Kopf, "zumindest für triviale Geschichten".

Für seine Reihe Malcolm Max kann es vom Script bis zur genauen Storyline aber auch mal vier bis fünf Monate dauern. Die Zeichnungen, die in dunkleren Brauntönen gehalten sind, übernimmt der Frankfurter Illustrator Ingo Römling. "Er schafft die Figuren aus dem Dialog genau so, wie ich sie mir vorstelle", erzählt Peter Mennigen. "Das ist manchmal schon unheimlich." Auf Römling war Mennigen zufällig im Internet gestoßen. Wieder so ein Schicksalsmoment.

Doch bei Comics allein blieb es in Mennigens Leben nicht. Der Meckenheimer schrieb Bücher - von Alf dem Außerirdischen bis hin zu Thrillern -, Hörspiele und für Fernsehproduktionen wie RTL Samstagnacht und Käpt'n Blaubär, drehte einen Kurzfilm. Derzeit schreibt er zudem für die neu aufgelegte Jerry-Cotton-Reihe Cotton Reloaded des Bastei-Verlags. Damit steht er auf den Bestsellerlisten für Krimis und Thriller bei den Downloads ebenfalls weit oben.

Hobbys braucht er da kaum noch. "Ich habe Glück gehabt und konnte meine Träume verwirklichen. Jeden Morgen, wenn ich aufstehe, freue ich mich auf die Arbeit. Und wenn ich abends ins Bett gehe, ärgere ich mich, dass ich ein paar Stunden nichts machen kann." Wenn dann doch mal Zeit ist, liest er - wie wäre es anders zu erwarten - Bücher oder Comics. Seine Lieblinge? "Über allem stehen Snoopy und die Peanuts. Snoopy ist auch so ein Traumtänzer wie ich."

Ein Traumtänzer, für den der Beruf noch Berufung ist, der in einer Welt voller Geschichten lebt. Ein Traumtänzer, der viel zu erzählen hat, sein Licht dabei aber eher unter den Scheffel stellt. Dass er nicht mehr zeichnet, stört Mennigen dabei wenig. Er möchte und könnte es sogar nicht mehr, sagt er. Schließlich sei die Ausbildung drei Jahrzehnte her. "Man soll wissen, wo seine Grenze ist. Es reizt mich nicht mehr, und ich würde meinen Ansprüchen nicht mehr gerecht werden."

Zurücklehnen ist aber nicht angesagt. Peter Mennigen: "Ich hätte es mir auch bequem machen können, hatte Angebote, mich als Chefredakteur eines Verlags niederzulassen. Aber das war nicht mein Ding. Es macht einfach zu viel Spaß, immer wieder etwas Neues zu machen."

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