1. Region
  2. Voreifel & Vorgebirge
  3. Meckenheim

Der Meckenheimer Stadtrat ist auf 46 Mitglieder gewachsen.

Meckenheimer Rat ist auf 46 Mitglieder gewachsen : Weiblicher, jünger, größer: Das hat sich im neu gewählten Rat der Stadt Meckenheim verändert

Der Meckenheimer Stadtrat ist auf 46 Mitglieder gewachsen, darunter 14 Frauen. CDU und Grüne haben eine Kooperation vereinbart.

„Die Zukunft gehört denen, die die Möglichkeit erkennen, bevor sie offensichtlich wird.“ Mit einem Bonmot des irischen Schriftstellers und Dramatikers Oscar Wilde garnierte Holger Jung seine erste Rede als frisch vereidigter Bürgermeister Meckenheims. Das erste Zusammentreffen des neu gewählten Stadtrates zeigte eindrucksvoll, welche Zäsur die Kommunalwahl 2020 für die Apfelstadt darstellte.

Eine ganze Menge ist anders im Meckenheimer Rat: Es mag unter anderem daran liegen, dass die Sitzungen pandemiebedingt im großen Saal der Jungholzhalle über die Bühne gehen, anstatt im benachbarten Ratssaal im gleichen Gebäude. Doch wer seine Blicke durch die Reihen der 46 – pandemiebedingt mit Abstand aufgebauten – Einzeltische der Frauen und Männer des Rates schweifen lässt, erkennt drei Dinge sehr schnell: Das Gremium ist weiblicher, jünger und größer geworden. Statt der gesetzlich festgelegten 38 Mitglieder ist der Rat wegen einer Fülle von Ausgleichs- und Überhangmandaten auf 46 Frauen und Männer angewachsen – darunter sind 14 Frauen. Aber: Wer genau hinsieht, beobachtet in diesem Zusammenhang aber auch, dass es mit der „Bürger für Meckenheim“ (fünf Sitze), der UWG (drei) und der FDP (zwei) drei von sechs Fraktionen im Rat gibt, die gar keine Frauen mit Ratsmandat in ihren Reihen haben.

Die Kommunalwahl brachte in Meckenheim einige Überraschungen mit sich: Profiteure des Urnengangs waren die Grünen. Sie verdoppelten ihren Stimmanteil auf fast 16 Prozent und sind jetzt mit sieben Mandaten – vier von Frauen errungen und drei von Männern – im Rat vertreten. Als stärkste Kraft ging die CDU über die Ziellinie. Die Christdemokraten verloren zwar – wie vielerorts im Kreis – leicht, blieben mit etwa 40 Prozent aber in der Wählergunst vorne.

Wie bei der Kommunalwahl 2014 sicherten sich die Sozialdemokraten den zweiten Rang in der Wählergunst – leicht verbessert auf knapp 21 Prozent. Einen überraschend herben Verlust gab es hingegen für die Bürger für Meckenheim (BfM). Von knapp 19 stürzen sie auf weniger als zwölf Prozent ab. Gering sind im Vergleich dazu die Verluste der FDP, die allerdings bei knapp fünf Prozent auf niedrigem Niveau stagniert. Die UWG schließlich verbessert sich leicht – von gut sechs auf etwas mehr als sieben Prozent der abgegebenen Stimmen. 

Die neue Rekordgröße des Rates möchte aber die UWG nicht als Naturgesetz ansehen: Die Wählergemeinschaft schlug vor, die Anzahl der Mandate von aktuell 46 auf nur noch 30 zu verringern. Der Rat votierte jüngst aber mehrheitlich dagegen, dass er ab der nächsten Ratsperiode deutlich kleiner daherkommen muss.

Den Nutzen dieser Verschlankung macht die UWG insbesondere zwischen Daumen und Zeigefinger aus: Durch die, wie sie es nennt, „Aufblähung“, kommen auf die Stadt Meckenheim in der nun beginnenden Ratsperiode „jährliche Mehrkosten von mehreren Zehntausend Euro“ zu, rechnet UWG-Fraktionschef Hans-Erich Jonen vor. „In Kombination mit der zusätzlich gegen die Stimmen der UWG beschlossenen Vergrößerung der Fachausschüsse von 13 auf 15 Mitglieder wächst die Summe der zusätzlichen finanziellen Belastung für den städtischen Haushalt auf über 100 000 Euro an“, so Jonen. Insbesondere vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie seien solche Zusatzausgaben ein fatales Signal.

Apropos Corona: Nicht zuletzt die Pandemie sei dafür verantwortlich, dass den 46 Mitgliedern des Rates, wovon 22 neu sind, „insgesamt keine lange Zeit zur Eingewöhnung und Einarbeitung“ bleibt, sagte Bürgermeister Jung in seiner Antrittsrede. „Viele wichtige Entscheidungen müssen in den nächsten Wochen und Monaten getroffen werden“, erklärte der Christdemokrat. Doch letztlich alle Themen würden von der aktuellen Corona-Pandemie überlagert. 

Der neue Chef im Rathaus, der nichts von der Pike auf lernen muss, da er als langjähriger Erster Beigeordneter seit jeher als „allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters“ tätig war, versprach, auch weiterhin „immer sachorientiert“ arbeiten zu wollen, „um Ziele zu erreichen“. Parteizugehörigkeiten träten zur Erreichung von Zielen in den Hintergrund, versicherte der Christdemokrat. Der feierliche Moment seiner Amtseinführung erfülle ihn „mit Stolz, aber auch mit Demut vor dem Amt und den immer größer werdenden Herausforderungen, die vor uns liegen“, so Jung.