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Schutzprojekt "Villewälder - Wald- und Wasserwelten": Eichen mögen nasse Füße

Schutzprojekt "Villewälder - Wald- und Wasserwelten" : Eichen mögen nasse Füße

Die alte Stieleiche hat ihre besten Tage bereits hinter sich. Wenn man in eine der Faulhöhlen am Stamm greift, merkt man, dass der Baum hohl ist. Dennoch ist er wertvoll.

Seine Hohlräume dienen Spechten und Fledermäusen als Höhlen und Brutstätte. Die Villewälder und mit ihnen der Kottenforst bieten nicht nur ein ideales Naherholungsgebiet für Menschen, sie sind insbesondere auch ein in ihrer Größe beachtlicher Lebensraum von seltenen Pflanzen und Tieren und daher schützenswert.

3,3 Millionen Euro investieren die Europäische Union und das Land Nordrhein-Westfalen im Rahmen des EU-Finanzierungsinstruments LIFE (L'Instrument Financier pour l'Environnement) in das Naturschutzprojekt "Villewälder - Wald- und Wasserwelten". Gestern informierten der Leiter des Regionalforstamtes Rhein-Sieg-Erft Uwe Schölmerich, Fachgebietsleiter Thomas Deckert und Projektleiter Klaus Striepen etwa 20 interessierte Politiker über die Maßnahmen, die vor Ort im Rahmen des Projekts getroffen werden, damit sich Stieleiche und Hainbuche, Mittelspecht und Fledermaus, Kammmolch und Springfrosch weiterhin im Kottenforst wohlfühlen.

Zum eineinhalbstündigen Promi-Spaziergang mit anschließender Gesprächsrunde im Bahnhof Kottenforst eingeladen hatte Landtagsabgeordnete Andrea Milz, Vorsitzende des Kreisverbandes Bonn/Rhein-Sieg der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald. Unter anderem nahmen Horst Becker, Staatssekretär im NRW-Umweltministerium, Bundestagsabgeordnete Lisa Winkelmeier-Becker, der Alfterer Bürgermeister Rolf Schumacher, der Sankt Augustiner Bürgermeister Klaus Schumacher und die Meckenheimer Vize-Bürgermeisterin Heidi Wiens teil.

Bis zu 300 Jahre alt seien die Eichen im Kottenforst, erläuterte Striepen angesichts der Baumriesen. Zukünftig sollen Schutz und Nutzung sinnvoll kombiniert werden. Ausgewählte Bäume sollen markiert werden und im Bestand bleiben. Alt- und Totholz gelte es optimal zu verteilen, um Lebensraum für Spechte und Fledermäuse zu schaffen. Durch Begehen und Kartieren des Altbestandes soll eine Systematik erreicht werden. Noch wenig wisse man über die Fledermäuse, die hier heimisch sind. Daher sei eine Zustandsanalyse in Auftrag gegeben worden, berichtete Striepen.

Das Grabensystem im Kottenforst, das bereits zu kurfürstlichen Zeiten angelegt und in den 80er Jahren aufgearbeitet worden sei, entziehe dem Boden Feuchtigkeit. Pseudogley nennen die Fachleute den Boden im Kottenforst mit seiner undurchlässigen Tonschicht, die im Winter und Frühjahr für Staunässe sorgt. Diese Staunässe sei genau das, was Eichen brauchen. Um den Wasserhaushalt zu optimieren, sollen Gräben zugeschüttet und so die Nässephasen verlängert werden.

Nicht nur Wald, auch Wiesen gehören zum Schutzprogramm, erläuterte Striepen. Um hier seltene Pflanzen wieder anzusiedeln, soll Mähgut einer artenreichen Fläche eingebracht werden. Arnika, Teufelsabbiss und eine Vielzahl von Orchideenarten sollen hier zukünftig blühen. Die Wildwiesen in den Villewäldern sollen wichtiges Bindeglied zwischen der Wahner Heide und dem Raum Euskirchen werden.

Auch Waldumbaumaßnahmen seien geplant, insbesondere sollen Fichten und Kiefern mit Eichen unterpflanzt werden. Den heimischen Amphibien zum Laichen dienen die Tümpel und Weiher im Waldgebiet. Verlandete Amphibiengewässer sollen entschlammt, neue angelegt werden. Schnelle sichtbare Erfolge erwarten die Projektbeteiligten nicht: "Für einen Förster sind 30 Jahre nichts!"