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Entführung in Meckenheim-Lüftelberg: Mann soll Frau und Kind entführt haben

Mögliche Entführung in Meckenheim-Lüftelberg : Suche nach vermisster Mutter und ihrem Sohn geht weiter

Zwei Tage nach der mutmaßlichen Entführung einer 34-jährigen Frau und ihrem dreijährigen Sohn in Meckenheim geht die Suche nach ihnen weiter. Die Polizei hat eine internationale Fahndung eingeleitet. Der vorläufig festgenommene Ehemann ist wieder auf freiem Fuß.

Auch am Samstag sucht die Bonner Polizei nach der 34-jährigen Frau, die am Donnerstag zusammen mit ihrem dreijährigen Sohn offensichtlich aus ihrem Lüftelberger Wohnort verschleppt worden ist. Bisher fehle von den beiden weiterhin jede Spur, wie ein Polizeisprecher am Samstag mitteilte.

Neben einer Großfahndung wurde seitens der Polizei noch am Freitagvormittag eine internationale Fahndung eingeleitet. „Aufgrund der bisherigen Erkenntnisse ist es dennoch nicht ausgeschlossen, dass die 34-Jährige und ihr dreijähriger Sohn von anderen - bislang nicht bekannten - Mittätern außer Landes gebracht wurden“, teilte Michael Beyer, Sprecher der Bonner Polizei, mit. Bei der Polizei hat derweil eine Ermittlungskommission in enger Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft die weiteren Ermittlungen und die Koordinierung der internationalen Fahndungsmaßnahmen übernommen.

Wie Polizeisprecher Beyer ausführte, waren Mutter und Sohn am Donnerstagvormittag in Lüftelberg gegen ihren Willen von mehreren Personen in ein Auto gezogen worden. Tatort: die Bushaltestelle an einer der Hauptdurchgangsstraßen des beschaulichen Ortes, der als äußerst gediegene Wohngegend gilt. Restaurierte Fachwerkhäuser und gepflegte Einfamilienhäuser dominieren das Bild. Uhrzeit der Geschehnisse: gegen 9 Uhr. Eine Zeugin, die unmittelbar gegenüber der Bushaltestelle in Lüftelberg wohnt, an der die Mutter samt ihres Sohnes stand, hatte am Donnerstagvormittag einen „hochwertigen weißen SUV“ beobachtet, der an der Bushaltestelle hielt. Explizit sollen dann zwei Frauen herausgesprungen sein und Mutter und Sohn in den SUV gezerrt haben, so die Zeugenberichte. Nur wenige Minuten soll das Ganze gedauert haben, anschließend sei das Fahrzeug weggerast. Die Zeugin hatte sich das Kennzeichen zwar nicht gemerkt, aber sofort die Polizei alarmiert.

Hubschrauber kreiste über Meckenheim-Lüftelberg

Kurze Zeit später zeigte die Polizei dann auch mit einem Großaufgebot Präsenz in dem 1300-Einwohner-Ort. Viel Blaulicht, Martinshorn, jede Menge Streifenbeamte und abgesperrte Straßen alarmierten auch Lüftelbergs Ortsvorsteher Daniel Südhof. Zumal, weil wegen der eingeleiteten Großfahndung mittlerweile auch ein Hubschrauber der Polizei zum Einsatz kam. Der kreiste so gegen 10 Uhr rund eine Stunde über dem Ort, so Südhof: „Der flog so tief, dass er Wellen in meinem Pool erzeugte. Das war schon sehr ungewöhnlich.“ Auch Südhof wollte sich daher sofort vor Ort informieren, was denn los sei. Er wurde dabei aber von Beamten vertröstet: Die baten ihn, sich wegen einer laufende Ermittlung später an die Pressestelle zu wenden. „Natürlich kursieren seitdem auch jede Menge Gerüchte im Ort“, so der Ortsvorsteher: „Vorher kannte keiner die Frau, jetzt will jeder alles über sie gewusst haben.“  

Bei der Frage nach dem beziehungsweise den Tätern geriet schnell der 39 Jahre alte Ehemann der Frau, der getrennt von ihr lebt, in den Verdacht, an der Tat beteiligt gewesen zu sein. „Nach bisherigen Erkenntnissen hatte sich die 34-jährige Frau im November 2020 von dem Mann getrennt“, weiß Polizeisprecher Beyer zu berichten. Laut Polizei war damals bereits häusliche Gewalt im Spiel gewesen. Die 34-Jährige sei anschließend zusammen mit ihrem dreijährigen Sohn nach Meckenheim gezogen.

Suche nach Ehefrau und Sohn aus Meckenheim dauern an

Nach ersten Ermittlungen der Polizei stand in Kürze eine gerichtliche Entscheidung hinsichtlich des Sorgerechtes für den gemeinsamen Sohn an. „Den tatverdächtigen Ehemann konnte die Polizei im Zuge einer sofort eingeleiteten Fahndung an seiner Wohnanschrift in Ratingen vorläufig festnehmen“, so Beyer. Die Ermittlungen gegen ihn dauerten an. Am Freitagnachmittag teilte die Polizei mit, dass der 39-Jährige das Polizeipräsidium wieder verlassen konnte. Ihm konnte demnach bislang keine direkte Beteiligung an der Tat in Meckenheim nachgewiesen werden. Da die Familie aus einem südosteuropäischen Land eingewandert ist, liegt die Befürchtung nahe, die Entführer könnten Mutter und Kind in das frühere Heimatland gebracht haben.

Die Polizei konzentriert sich derweil mit Hochdruck auf die Suche nach der 34-Jährigen und ihrem dreijährigen Sohn. „Auf die Veröffentlichung der Fotos der beiden Gesuchten sind bislang keine Hinweise zum aktuellen Aufenthaltsort eingegangen“, sagt Beyer. Auch die Ermittlungen zu den beiden Frauen, die nach Zeugenangaben den Tatverdächtigen vor Ort unterstützt haben sollen, dauerten ebenfalls an.

Wer Hinweise zum Aufenthaltsort der verschwundenen Personen geben kann, wird gebeten, sich an die Polizei Bonn unter der Rufnummer 0228/15-0 oder an die Polizei der Kreispolizeibehörde Mettmann unter der Rufnummer 02104/9826210 zu wenden.