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Johanniter-Stift in Meckenheim: Grüne Damen und Herren helfen auch während Corona

Johanniter-Stift in Meckenheim : Grüne Damen und Herren helfen auch während Corona

Grüne Damen und Herren helfen im Meckenheimer Johanniter-Stift und schildern ihre Erfahrungen - insbesondere während der Pandemie.

Viele Bewohner des Johanniter-Stifts in Meckenheim bekamen jede Woche Besuch von Grünen Damen und Herren, dann kamen das Coronavirus und der Lockdown. Wochenlang durften Ehrenamtliche das Seniorenheim nicht mehr betreten. Erst seit Juli besuchen und unterstützen die Helfer wieder Senioren. „Allerdings immer nur einen, und wir dürfen uns nur im Zimmer aufhalten“, sagt Siegfried Schneider, einer der insgesamt 25 Aktiven.

„Wenn die älteren Leute hier keine Angehörigen haben, dann sind sie oft auf unsere Hilfe angewiesen“, sagt Bettina Muermann, Sprecherin der Grünen Damen und Herren aus Meckenheim. Jene, deren Verwandtschaft weit entfernt wohnt oder schon gestorben ist, benötigen Unterstützung, die im Zuge der Pflege kaum geleistet werden könne. „Wenn jemand zum Zahnarzt muss und nicht mehr so gut zu Fuß ist, der ist froh, wenn ihn einer von uns begleitet“, berichtete sie über den immer noch schwierigen Alltag in Zeiten der Pandemie. Als die Ehrenamtlichen nicht mehr kommen durften, hätten diese Menschen nicht nur mit noch mehr Einsamkeit, sondern auch mit Langeweile zu kämpfen gehabt, erzählt Schneider, was ihm ein Beiratsmitglied aus dem Haus berichtet hatte.

„Das Personal des Johanniter-Stifts hat unheimlich viel gemacht, um den Menschen die Situation zu erleichtern“, loben Muermann und Schneider. So sehr sie die Arbeit der Mitarbeiter achten, so klar waren aber auch die Grenzen für alle: „Die Leute durften nicht raus, und Besucher durften nicht rein. Das macht Vieles unmöglich“, sagt Schneider. „Das heißt aber nicht, dass nichts mehr gemacht wird“, ergänzt Muermann. „Viele von uns gehören schon wegen ihres Alters in die Risikogruppe und können selbst nicht so, wie sie wollen.“

Andere Wege der Kommunikation eingeschlagen

Deshalb haben einige Mitarbeiter aus dem Helferkreis andere Wege der Kommunikation eingeschlagen. „Sie telefonieren viel, manche schreiben auch Briefe oder schicken Blumen“, sagt Muermann. Andere stimmen sich mit dem Personal ab, das die Besuchten zur Eingangstür bringt. Dann gehen Helfer mit ihnen spazieren oder schieben den Rollstuhl über Spazierwege durch die frische Luft. Wieder andere kaufen für Bewohner ein oder holen auch mal ein Rezept ab.

Auch wenn den Senioren in der Mehrzahl die Besuche fehlen, so herrsche laut Schneider im Haus durchaus Vernunft: „Die Informierten wissen, dass draußen viel los ist. Sie sind dankbar, dass wir ihnen Corona nicht ins Haus tragen.“  Die meisten finden Muermann zufolge irgendeinen Weg, um trotzdem zu helfen. „Aber es ist nicht das Gleiche.“ Der persönliche Kontakt fehlt nicht nur den Ehrenamtlichen im Umgang mit ihrer selbstgewählten Aufgabe. Gerade auf der Demenzstation, die Muermann vor der Kontaktsperre regelmäßig besuchte, fehlt ihr Einsatz.

Für die Menschen, deren Erinnerung nur noch in wenigen Bereichen funktioniert, war ihr wöchentlicher Besuch bis Mitte März ein Höhepunkt. Auch wenn die Besuchten ihren Namen nicht mehr wussten, so war Muermann ihnen als diejenige vertraut, die mit ihnen einen kleinen Wortgottesdienst improvisierte und mit ihnen sang. „In ihren Augen sieht man, wenn sie etwas wiedererkennen, und die Freude, wenn sie mitmachen können“, weiß sie aus Erfahrung.

„Wir hoffen darauf, dass es bald wieder anders ist“, sagt Schneider. Das wäre auch für neue Helfer gut, die in den Startlöchern stehen. „Wir haben eine Dame, die sich für die Mitarbeit bei uns interessiert. Aber wir dürfen sie nicht mitnehmen, um sie einzuweisen“, sagt Muermann. Über weitere Mitstreiter würde sich das das Team der Grünen Damen und Herren im Johanniter-Stift trotzdem freuen, denn irgendwann würde es auch wieder anders.

Interessierte können sich bei Inge Seebens, die 2009 die Grünen Damen im Johanniter-Stift gründete, unter (02225) 22 82 informieren.