Industriepark Kottenforst In "Klinkers Grillstube" trifft man sie alle

MECKENHEIM · Es kommt eher selten vor, dass Susanne Klinkers Kunden noch überlegen müssen, ob sie das "Schnitzel nach Wahl" für 6,95 Euro, "Spaghetti Bolognese" für 4,95 Euro oder doch den Klassiker, Currywurst mit Pommes rot-weiß, nehmen. Die meisten sagen ohnehin einfach nur "Einmal".

 Mit dem Klassiker Currywurst-Pommes lockt Susanne Klinker mittags in ihren Imbiss.

Mit dem Klassiker Currywurst-Pommes lockt Susanne Klinker mittags in ihren Imbiss.

Foto: Moritz Rosenkranz

Manche schieben noch ein leises "bitte" hinterher. Susanne Klinker weiß dann schon Bescheid. Wie viele Currywurst- Pommes sie in ihrem Imbiss täglich über die Theke schiebt, will sie nicht verraten: "Da müssen Sie das Finanzamt fragen!" "Klinkers Grillstube" ist eine Institution im Meckenheimer Industriepark Kottenforst. Der Umgangston ist hart, aber herzlich. Seit mehr als 30 Jahren steht die Inhaberin hinter dem Tresen, frittiert, brät, serviert inmitten der alten Handwerksbetriebe, mittelständischen Unternehmen, Autohäuser und großen Firmen. "Der Imbiss ist mein Leben", sagt sie.

Seit 22 Jahren kommt Stefan her, der in der Dreherei gegenüber arbeitet. Auch er möchte nicht alles von sich preisgeben, schon gar nicht seinen Nachnamen. Stefan im Blaumann ist einer von vielen Stammkunden, die vor allem mittags für Betrieb hinter den rot-weißen Blümchengardinen an der Straße Am Hambuch sorgen. Drinnen läuft "California Blue" von Roy Orbison, von draußen wärmt die Sonne den kleinen Raum, in dem drei Tische und eine Handvoll Kunden vor der Theke Platz finden. Das Heizöfchen bleibt heute aus, der Spielautomat verwaist.

In "Klinkers Grillstübchen" treffen sie alle aufeinander: Die Handelsvertreter mit ihren geleasten Fünfer BMW oder Audi A6 Avant, die Arbeiter aus den Firmen, die Werners, Mannis und Ismaels, die aus ihren Sattelschleppern steigen und die Jungs vom Bau, die gerade an der Werner-von-Siemens Straße zugange sind. In welchem Industriegebiet gibt es diesen Straßennamen eigentlich nicht? Am Kottenforst ist die Straße jedenfalls relativ frisch. Neben den noch strahlenden Fabrikhallen gibt es Freiflächen. Doch auch das nicht mehr lange: "Da zieht gerade einer ein, dort drüben wird bald gebaut", zeigt Daniel Pieczkowski.

Er ist Juniorchef im Familienbetrieb seines Vaters, der vor drei Jahren an die Werner-von-Siemens-Straße gezogen ist. Mittlerweile tut sich einiges in der Nachbarschaft. Die Pieczkowskis sind spezialisiert auf Bodenbeläge jeglicher Art und einer der wenigen Betriebe, der eine Ausstellung hat und damit zugänglich für jedermann ist. Die Stadt Meckenheim wirbt mit dem Slogan "In guter Gesellschaft" für den Industriepark. Pieczkowski bestätigt das: "Die Firmen halten zusammen, es gibt sogar so etwas wie Nachbarschaftshilfe."

Ganz in der Nähe, an der Hellmaarstraße, wohnt Jasmin Merkel, umringt von Betriebshallen, in einem Einfamilienhaus. Sie gehört zu den wenigen Menschen, die nicht zum Arbeiten in das Industriegebiet kommen, sondern immer da sind. Merkels Mutter ist bei einer Firma in der Nähe angestellt. "Es ist sehr ruhig hier", sagt die junge Frau. "Wenn es bei Grillabenden mal etwas lauter wird, belästigen wir keine Nachbarn." Das sei ein Vorteil. Aber man sei eben auch "weit weg vom Geschehen". Die Firmen um sie herum stören sie nicht. Es sind sogar Bekanntschaften entstanden. "Wenn ich mit den Hunden gehe, treffe ich oft Leute. Man kennt sich", erzählt Merkel. Fast wie in einer normalen Wohnsiedlung.

Zengin Ibrahim ist heute bereits zum vierten Mal hier. Der Busfahrer hat gerade Feierabend gemacht, gleich übernimmt ein Kollege das Fahrzeug der Linie 843, das Ibrahim an der Haltestelle "Meckenheim Industriepark" abgestellt hat. Es ist Mittag. Im Bus und an der angrenzenden Bahnhaltestelle herrscht gähnende Leere. "Morgens und gegen 16 Uhr ist hier mehr los", sagt Ibrahim. Voll ist nur der "Park & Ride"-Parkplatz. Und natürlich der Imbiss von Susanne Klinker.

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