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Viele junge Familien: In Meckenheim fehlen Kindergartenplätze

Viele junge Familien : In Meckenheim fehlen Kindergartenplätze

Die Stadt hat Probleme, die Zahl der Kindergartenplätze in Meckenheim richtig zu kalkulieren. Grund dafür sind schwankende Bedarfszahlen. Der Bedarf für Kinder über drei Jahren wurde zunächst falsch eingeschätzt.

Die Zeiten, in denen das Rennen um einen Kinderbetreuungsplatz bereits in der Schwangerschaft begann, hat mancher noch gut in Erinnerung. Der Gesetzgeber hat nachgebessert, die Rechte von Eltern auf Betreuung auf verlässliche Füße gestellt. Städte und Gemeinden haben reagiert und Betreuungsplätze für Kinder über drei und unter drei Jahren geschaffen. Allerdings passen Planung und tatsächlicher Bedarf zu Beginn der Kindergartenjahre nicht immer ganz zusammen.

Meckenheim stehe durch Wohnortwechsel von Familien mit Kindern und den damit zusammenhängenden stetigen Bedarfsschwankungen vor der ständigen Herausforderung, das Betreuungsangebot an den aktuellen Bedarf anzupassen, berichtete der Leiter des Fachbereichs Jugendhilfe in Meckenheim, Andreas Jung, in der Sitzung des Jugendhilfeausschusses Mitte November. Trotzdem stelle die Stadt bereits seit Jahren sicher, dass man dem Rechtsanspruch genügen könne.

Normalerweise sähen die regulären Verwaltungsabläufe die Abfrage der Zahlen beim Einwohnermeldeamt einmalig je Quartal vor. Wegen der starken Schwankungen aktualisiere man seit einiger Zeit fast monatlich die Zahlen, um schneller reagieren zu können.

„Warum hat man mit der Schließung der Gruppen im Mosaik-Kulturhaus nicht erst einmal abgewartet“, bemängelte Ratsmitglied Peter Zachow (SPD). Die Schließung sei erfolgt, obwohl der tatsächliche Betreuungsbedarf zu Beginn des Kindergartenjahres höher gewesen sei als das Platzangebot der Stadt. Seiner Meinung nach hätten die Plätze in der provisorischen Einrichtung den Engpass im Betreuungsangebot beheben und damit Überbelegungen in den derzeit bestehenden Gruppen verhindert werden können.

Betreuungsbedarf war laut Jugendamt nicht vorhersehbar

Andreas Jung verwies auf die Ausschusssitzung im Juni. In dieser hatte man nach dem Abgleich des Angebots mit den seinerzeit aktuellen Daten und einer Einschätzung der Zuzugszahlen beschlossen, die provisorisch eingerichteten Plätze im Mosaik-Kulturhaus abzubauen. „So konnte das Gebäude wieder seiner ursprünglichen Verwendung zugeführt werden“, ergänzte der Erste Beigeordnete Holger Jung und verwies auf den positiven Bericht zur dortigen intensiven Jugendarbeit.

Allerdings habe man im Juni offenbar mit der Einschätzung der Zuzugsentwicklung nicht ganz richtig gelegen. Entgegen der Annahme, dass die Anzahl der Vorschulkinder im aktuellen Kindergartenjahr erheblich geringer sein müsste, sank die Zahl der über dreijährigen Kinder lediglich um vier auf 779.

Die Stadt und der Jugendamtsleiter führten diese Entwicklung darauf zurück, dass nicht wie erwartet hauptsächlich Familien mit sehr kleinen Kindern in die Neubaugebiete zögen, sondern vermehrt auch Familien mit etwas älteren Kindern Bestandsimmobilien in Meckenheim kauften. Der Entwicklungstrend beim Betreuungsbedarf habe sich damit umgekehrt. Das sei nicht vorhersehbar gewesen.

Holger Jung verteidigte die Entscheidung, die provisorisch eingerichteten Gruppen aufzulösen. Eine oder mehrere Kindergartengruppen für einen solchen Fall vorsorglich bereitzuhalten, sei durch das Kinderbildungsgesetz, kurz Kibiz, nicht abgedeckt und wirtschaftlich nicht leistbar, stellte er fest. Das Kibiz sehe die Überbelegung einzelner oder mehrerer Gruppen vor, um solche Bedarfsspitzen abzufangen. Dabei müsse jeder Überbelegungsplatz einzeln beantragt und vom Landschaftsverband nach Prüfung genehmigt werden. Diese Verfahrensweise sei derzeit alternativlos und entspreche auch personell den Vorgaben des Kibiz, so Jung.