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Hitze, Sturm und Starkregen : Klimafolgen bereiten der Region Rhein-Voreifel Probleme

Hitze, Sturm und Starkregen : Klimafolgen bereiten der Region Rhein-Voreifel Probleme

Die Grundlagen für ein Konzept zur Anpassung an Klimafolgen haben die linksrheinischen Kommunen von Wachtberg bis Alfter ausgewertet. Hitze, Sturm und Starkregen werden sie demnach auch in Zukunft beschäftigen.

Alfter, Bornheim, Meckenheim, Rheinbach, Swisttal und Wachtberg ziehen beim Klimaschutz an einem Strang. Zusammen bilden die sechs Kommunen des linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreises die Klimaregion Rhein-Voreifel. Seit Anfang des Jahres arbeiten die Städte und Gemeinden mit zwei Planungsbüros an einem interkommunalen Konzept zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels. Ein Zwischenergebnis haben die Verantwortlichen wegen Corona nicht wie geplant vor Publikum vorgestellt, sondern mit einer Videopräsentation. Was sind die wichtigsten Erkenntnisse des einstündigen Videos?

■ Grundlage: „Wir haben anhand von Daten und Karten Grundlagenuntersuchungen durchgeführt zu den lokalen Auswirkungen und Betroffenheiten bezüglich der Klimawandelfolgen von Hitze, Sturm und Wasser“, erklärt Monika Steinrücke vom Planungsbüro „K.Plan – Klima, Umwelt & Planung“ aus Bochum. Die Diplom-Geografin spricht stellvertretend auch für das zweite Büro, „Innovation City Management“ aus Bottrop.

■ Hitze: Daten zur Hitze sind in eine sogenannte Klimatopkarte geflossen. „Ein Klimatop ist ein Raum mit einer charakteristischen Klimaeigenschaft“, erklärt Steinrücke. Im Waldklimatop herrschten beispielsweise ausgeglichene Temperaturen. Im Stadtklimatop hingegen speichere Bebauung Hitze und gebe sie nachts langsam an die Umgebung ab, sodass es dort häufig zu warm sei. Im Sommer sei es in der Klimaregion nachts im Freiland bis zu acht Grad kühler als in der Stadt.

„Die Nachttemperatur ist besonders wichtig, weil es die Erholungsphase des Menschen ist“, erklärt die Geografin. Die rote Farbe des Stadtklimatops mit seinen hohen Temperaturen taucht oft auf der Karte auf, vor allem viele dichtbesiedelte Bereiche in Bornheim stechen hervor, Wachtberg zeigt hingegen am wenigsten rote Farbe. Besonders Gewerbegebiete bildeten oft „Hitzeinseln“, da dort viele Flächen versiegelt seien und diese Wärme gut speicherten.

Die Unterschiede zwischen den sechs beteiligten Kommunen werden laut Steinrücke durch unterschiedliche Siedlungsgrößen, den Anteil der Versiegelung, aber auch das Kühlpotenzial verschiedener Bodentypen verursacht. Es gelte: Je feuchter der Boden, desto besser kühlt er. Auch die Lage spiele eine Rolle: Hänge würden eher von der Sonne beschienen. Kalte Luft sei schwerer als warme, würde sich deshalb eher in Tallagen wie in Wachtberg oder zwischen Swisttal und Meckenheim sammeln. „Solche Bereiche müssen freigehalten werden, damit das System auch in Zukunft unter den Prämissen des Klimawandels funktioniert“, betont Steinrücke.

■ Trockenheit: Eine weitere Karte zeigt: Die Böden in der Region Rhein-Voreifel sind wegen ihrer Oberflächenstruktur, Beschaffenheit und Lage an vielen Stellen potenziell eher trocken. Gerade Waldgebiete befinden sich laut Steinrücke an trockenheitsgefährdeten Standorten, was zu großen Schäden führen kann – und in den Wäldern auch schon geführt hat.

■ Sturm: „Es gibt bestimmte Bereiche in der Region, wo sich die Sturmgeschwindigkeiten nochmal erhöhen, wo eine ganz besondere Gefährdung besteht und die Möglichkeit für Schäden deutlich erhört ist“, erklärt Steinrücke. Berücksichtigt wurden für die Starkwindkarte unter anderem die mittlere Windgeschwindigkeit, Kuppenlagen, Hangneigungen und Oberflächenrauigkeit – je glatter eine Fläche, desto höher die Windgeschwindigkeit. Hier zeigt sich: Besonders in den Waldgebieten zwischen Bornheim, Alfter und Swisttal sowie südlich von Rheinbach neigt der Wind zu hohen Geschwindigkeiten. Steinrücke: „Ein Hotspot für Trockenheits- und Sturmschäden.“

Karten zeigen, wo der Wind besonders stark bläst

Analysiert wurde auch, wie anfällig die Flächen für Sturm sind, also wo Sturm am meisten Schaden verursachen würde. Dazu zählen Siedlungsbereiche, Straßen und Wald. Kombiniert ergeben die beiden Karten eine dritte Karte zur „Starkwindbetroffenheit“. Vor allem betroffen sind die Gebiete zwischen Alfter, Bornheim und Swisttal, südlich von Rheinbach, aber auch viele kleinere Teile von Wachtberg.

■ Wasser: „Beim Themenfeld Wasser sieht die Datengrundlage für die Kommunen ganz, ganz unterschiedlich aus“, sagt Steinrücke. In Alfter gebe es eine detaillierte Analyse der Wege, über die Starkregen abfließt, inklusive Überschwemmungsgebieten. Auch von der Meckenheimer Innenstadt liege solch eine Betrachtung vor. Aus anderen Kommunen fehlten solche Daten. Um die Kommunen auf den kleinsten gemeinsamen Nenner zu bringen, haben die Büros eine Analyse der größeren „Fließwege und Senken“ durchgeführt. Die Fließwege orientierten sich größtenteils an Flüssen und Bächen. Interessant werde es dort, wo sie davon abweichen, so Steinrücke. Bei den Senken handle es sich um Bodenvertiefungen „ohne Ausfluss, die im Falle eines Starkregenereignisses relativ schnell volllaufen“.

Wachtberg schneide dabei „recht gut“ ab. Der nördliche Teil von Bornheim sei hingegen „extrem belastet“ – es handle sich dabei um den am tiefsten gelegenen Bereich der Klimaregion mit vielen einzelnen Senken. „Hier besteht ganz extrem die Gefahr der Überflutung durch Regenwasser“, sagte Steinrücke. Einzelne kleinere Bereiche gebe es am nördlichen Rand von Swisttal sowie zwischen Meckenheim und Alfter. Beim Hochwasser ist einer weiteren Karte zufolge ebenfalls vor allem der Norden Bornheims betroffen ebenso wie die zentralen Bereiche der Gemeinde Swisttal.