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Gemüsekisten gestohlen: Männer legen nach Diebstahl in Meckenheim filmreife Flucht hin

Gemüsekisten gestohlen : Männer legen nach Diebstahl in Meckenheim filmreife Flucht hin

Das Objekt ihrer Begierde: 800 leere Gemüsekisten. Zwei Männer müssen sich vor dem Bonner Landgericht verantworten, weil sie 800 sogenannte Europool-Klappsteigen vom Gelände eines Edeka-Marktes in Meckenheim gestohlen haben sollen. Die Liste der Anklagepunkte umfasst aber noch mehr.

Es wurde spürbar unruhig im Gerichtssaal, als einer der Angeklagten über seinen Rechtsanwalt ein Geständnis verlesen ließ: Mehrere Zuschauer nahmen unter Missachtung der sitzungspolizeilich angeordneten Corona-Mindestabstände plötzlich Sitzplätze im vorderen Bereich ein, um besser hören zu können. Vor dem Bonner Landgericht hat am Montagmorgen der Prozess um einen eher skurrilen Diebstahl begonnen – rund 800 leere Gemüsekisten sollen die beiden in Köln lebenden Täter im Herbst 2019 vom Gelände eines Edeka-Marktes in Meckenheim gestohlen haben.

Weil sie nach ihrer Entdeckung eine filmreife Flucht hinlegten, sind die beiden einschlägig Vorbestraften neben gemeinschaftlichen räuberischen Diebstahls auch wegen gefährlicher Körperverletzung, einem gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr sowie Unfallflucht angeklagt. Der 25-jährige Mitangeklagte schwieg zunächst zu den Vorwürfen.

„Ich bin dahin gefahren, um Transportkisten zu entwenden“, teilte der geständige Kölner dem Gericht unumwunden den Grund seines Ausflugs ins Vorgebirge mit. Man sei insgesamt zu fünft gewesen, er selber habe sich an der Aktion aus akuter Geldnot beteiligt. Dazu habe er einen weißen Iveco-Transporter gefahren, der zwar auf seine Lebensgefährtin zugelassen sei, den er aber ständig nutze. Am Tattag, dem 13. November 2019, hätten sie sich mit zwei Kleintransportern auf den Weg gemacht. Das Ziel habe er vorab nicht gekannt, er sei einfach nur dem anderen Wagen – einem silbernen Mercedes-Transporter – gefolgt.

Fluchtautos mit Lastern blockiert

Vor Ort angekommen luden die Männer dann nach und nach die sogenannten Europool-Klappsteigen von einem Rollcontainer in ihre beiden Fahrzeuge. Einem wartenden LKW-Fahrer kam das Ganze aber wohl nicht koscher vor und so verständigte er die Marktleitung. Offenbar war dem Mitarbeiter dort sehr schnell klar, dass es sich nur um einen Diebstahl handeln konnte und so bat er noch zwei weitere wartende Trucker um Hilfe: Mit den drei Lastern wurden die beiden Kleintransporter dann filmreif blockiert. Um den mutmaßlichen Dieben den Fluchtweg abzuschneiden, schloss der Mitarbeiter eine letzte freigebliebene Lücke mit Rollcontainern.

„Die flogen dann durch die Gegend wie die Bowling-Kegel“, hieß es in dem Geständnis des Angeklagten. Als die Täter nämlich bemerkten, dass ihre Aktion aufgeflogen war, versuchten zwei von ihnen ihre Wagen aus der Falle zu manövrieren. Die übrigen drei flüchteten zu Fuß. Er habe aber bei der Tat, nicht, wie von der Anklage vorgetragen, eine gelbe Warnweste, sondern eine schwarze Jacke getragen, so der geständige Angeklagte. Offenbar gibt es von der Tat Videoaufzeichnungen. Bei der Flucht wurde der Markt-Mitarbeiter leicht verletzt. Er habe nicht erwischt werden wollen und auch Angst gehabt, den Wagen zurückzulassen, so der Angeklagte zu den Gründen seiner spektakulären Flucht. Um die seinen Angaben nach rund 1000 Kisten sei es ihm nicht gegangen. Die habe man anschließend für nur 1,50 Euro das Stück verkauft und den Erlös unter allen Beteiligten aufgeteilt. Mit einem Urteil wird Ende April gerechnet.