Nächster Hilfskonvoi „Meckenheim hilft“ schickt Löschfahrzeuge in die Ukraine

Meckenheim · Zwei ausgemusterte Rüstwagen der Feuerwehr und weitere Ausrüstung ist auf dem Weg in die Großstadt Tschernihiw im nördlichen Grenzgebiet der Ukraine. Warum sich die Helfer nicht entmutigen lassen.

 Für die Fahrt fungieren die Löschfahrzeuge auch als Transporter für weiteres Hilfsmaterial.

Für die Fahrt fungieren die Löschfahrzeuge auch als Transporter für weiteres Hilfsmaterial.

Foto: Alexander C. Barth

Während der Krieg in der Ukraine ins dritte Jahr geht, geraten die Waffenlieferungen der westlichen Verbündeten ins Stocken. Unermüdlich scheinen hingegen die Ehrenamtlichen des Vereins „Meckenheim hilft“. Am Sonntag ist ein weiterer Hilfskonvoi aufgebrochen, das Ziel: Tschernihiw, eine Stadt mit etwa 280.000 Einwohnern nördlich der Hauptstadt Kiew, nahe der belarussischen und russischen Grenze – also direkt an der Front.

Die Stadt sei bei den jüngsten Angriffen erneut unter Artilleriebeschuss geraten, berichtet der Vereinsvorsitzende, Stefan Pohl. Weil dabei wieder einmal die Infrastruktur des staatlichen Katastrophenschutzes getroffen worden sei, werde die aktuelle Lieferung dringend benötigt: Zwei ausgemusterte Löschfahrzeuge, ein Feldkochherd-Anhänger, Feldbetten, Medikamente und diverse Feuerwehrausrüstung.

„Fahrzeug hat uns nie im Stich gelassen“

Eines der Löschfahrzeuge hat die Stadt Meckenheim gespendet. Es stammt aus den Beständen der Löschgruppe Lüftelberg und ist durch ein hochmodernes Neufahrzeug ersetzt worden. „Das alte ist aber in gutem Zustand. Einsatzbereit und voll ausgestattet“, sagt Norbert Kesternich (56). Der Hauptfeuerwehrmann aus Lüftelberg saß 22 Jahre am Steuer des roten Fahrzeugs. „Das hat uns nie im Stich gelassen“, betont er.

Norbert Kesternich von der Löschgruppe Lüftelberg ist 22 Jahre mit dem nun ausgemusterten Löschfahrzeug gefahren. Auf dem Weg in die Ukraine sitzt er ein letztes Mal am Steuer.

Norbert Kesternich von der Löschgruppe Lüftelberg ist 22 Jahre mit dem nun ausgemusterten Löschfahrzeug gefahren. Auf dem Weg in die Ukraine sitzt er ein letztes Mal am Steuer.

Foto: Alexander C. Barth

Kesternich überführt das Auto höchstselbst in die Ukraine. „Für mich ist das eine Ehre, etwas ganz Besonderes“, sagt der Vater von zwei Kindern, die ebenfalls in der Wehr sind. Dafür, dass das außer Dienst gestellte Löschfahrzeug an das kriegsgebeutelte Land gespendet wird, hat er sich persönlich eingesetzt. Es wird seine sechste Fahrt mit einem Hilfskonvoi. „Als ich gesehen habe, mit welch armseligem Material die Kameraden in der Ukraine arbeiten müssen, war es mir ein großes Anliegen, mit Ausrüstung zu helfen“, erklärt er seine Motivation.

Eigentlich sollte noch ein dritter Rüstwagen mitfahren

In seinem Hauptberuf ist Kesternich bei der Post angestellt, wo ebenfalls für die Ukraine gesammelt werde, wie er berichtet. Aus einem aufgelösten Zustellstützpunkt stammen die Feldbetten, die jetzt auf dem Weg nach Tschernihiw sind. Der Feldkocher stammt vom Malteserhilfsdienst, die weitere Ausrüstung von verschiedenen Feuerwehren in der Region. Eigentlich sollten sogar drei Löschfahrzeuge überführt werden, eines sei aber noch in der Werkstatt und werde beim nächsten Mal mitgenommen, erklärt Pohl.

Neben Kameraden von der Meckenheimer Feuerwehr halfen am Wochenende auch einige Vereinsmitglieder beim Beladen des Konvois. Dass die Ukraine derzeit in der Defensive ist und manche Beobachter eine Niederlage befürchten, schien die Motivation der Helfer aber nicht zu tangieren. „Ich habe von Anfang an gesagt, als der Krieg losging: Dieses Grauen kann ich mir nicht zu Hause vom Sofa angucken, ich muss etwas tun“, sagte der inzwischen routinierte Fahrer Peter Zachow und bekräftigte, daran habe sich nichts geändert. Kesternichs Gefühle sind ganz ähnlich: „Ich hoffe, dass das Auto noch viele gute Dinge tut und Menschenleben rettet.“

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