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Meckenheim: Wildbienen schlafen im Kühlhaus - Hilfe beim Überwintern

Hilfe beim Überwintern : Wildbienen schlafen in Meckenheimer Kühlhaus

Apfelbauer Lothar Krämer aus Meckenheim hilft Mauerbienen in seinem Kühlhaus über den Winter. So verhindert er, dass die natürlichen Bestäuber zu früh schlüpfen und sterben.

Osmia bicornis und Osmia cornuta heißen die Rote und die gehörnte Mauerbiene im Fachjargon. Als Paar finden sich die pelzigen Helferlein der heimischen Obstproduktion im Frühjahr und bleiben in den wenigen Wochen ihres Lebenszyklus zusammen. Apfelbauer Lothar Krämer unterstützt die Winterruhe beider Wildbienenarten mit einem Winterdomizil in seinem Kühlhaus. Damit fördert er die Biodiversität ebenso wie das Wachstum der hofeigenen Früchte.

Mehrere per Band zusammengehaltene Quader aus zwölf unscheinbaren Platten mit jeweils elf Bohrlöchern bringt Krämer im Winter von den Plantagen in die Apfel-Sortierhalle. Weil die fleißigen Pollensammler je Bohrloch immer zehn bis zwölf Eier ablegen, können aus solch einem Würfel theoretisch rund 1500 Larven schlüpfen. „Das ist in der Realität natürlich nicht so“, bremst der Apfelbauer zu hohe Erwartungen. Bis auf die Nisthilfen und die winterliche Kühlungsunterstützung greift man nicht in die natürlichen Abläufe ein. Pilz- oder Bienenkrankheiten, schlecht entwickelte Larven und andere Tücken der Natur lassen nur aus einem Teil der Kokons lebensfähige Mauerbienen schlüpfen.

Mauerbienen fehlt es an Lebensraum

„In der Natur fehlt der Mauerbiene zunehmend der Lebensraum“, nannte Krämer eine weitere Schwierigkeit für diese Wildbienenarten. Mit einem im Verhältnis zur Honigbiene geringen Flugradius von wenigen hundert Metern finden die Frühlingsboten nur in einem günstigen Umfeld genug Nahrung, um sich arterhaltend fortzupflanzen.

So ein günstiges Umfeld ist beispielsweise eine blühende Apfelplantage. „Wenn es schon im Februar ein paar Tage ungewöhnlich warm wird, dann schlüpfen die Tiere zu früh aus ihren Kokons und gehen auf Nahrungssuche“, erklärt Krämer. Im Februar finden sie allerdings nicht genug Pollen. „Deshalb sammeln wir die Kokons in Eimern, waschen sie und bringen sie in unser Kühlhaus. Da überwintern sie bei 1,5 Grad Celsius“, beschrieb der Apfelbauer die Unterstützung.

Auf den offen liegenden Platten in der Sortierhalle kann der Beobachter fast aus der Frühjahrsarbeit der Wildbienen lesen. Am Ende der Röhren hat ein Brutpaar das erste Ei mitsamt reichlich Pollen gelegt. „Sie verschließen jede einzelne Bruthöhle mit Erde, legen dahinter das nächste Ei und packen wieder Pollen dazu“, beschrieb Krämer. In jedem kleinen Zwischenraum, den das Elternpaar angelegt hat, schlüpft eine Larve. Sie futtert den Pollen auf und spinnt sich anschließend in den Kokon ein.

Die Tiere in den Nisthilfen aus den Obstplantagen des Apfelbauern werden kurz vor der Apfelblüte zurück an den Ort ihrer Entstehung gebracht. So schlüpfen sie zum richtigen Zeitpunkt, finden genug Nahrung und bestäuben die Apfelblüten.