Gedenkaktion in Berlin Meckenheimer bringen Wrack aus Irpin nach Berlin

Ukraine/Meckenheim · Mit einer ungewöhnlichen Aktion gedenken der Verein „Meckenheim hilft“ und ein Osnabrücker Künstler dem zweiten Jahrestag des russischen Überfalls auf die Ukraine

 Das zerschossene Autowrack aus Irpin in der Ukraine steht am Mahnmal in Berlin.

Das zerschossene Autowrack aus Irpin in der Ukraine steht am Mahnmal in Berlin.

Foto: Axel Vogel

Seit Freitagmorgen erinnert am Sowjetischen Ehrenmal im Berliner Tiergarten ein Autowrack an den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Dessen zweiter Jahrestag jährt sich am Samstag. Es ist ein von Kugeln und Schrapnells zerstörter Kombi, der noch wenige Tage zuvor auf einer Art Autofriedhof an einer Ausfallstraße nahe der ukrainischen Stadt Irpin gestanden hatte.

Dort legen Dutzende zerschossener Zivilfahrzeuge Zeugnis ab von mutmaßlichen Kriegsverbrechen der russischen Armee. Diese hatte im Februar und März 2022 auch Teile der Vorstädte von Kiew, Irpin und Butscha besetzt. Russische Soldaten sollen gezielt auch auf die Autos der fliehenden Zivilbevölkerung geschossen haben, etliche Ukrainer verloren ihr Leben.

Mehrtägiger Transport nach Deutschland

Eines dieser Wracks hat Stefan Pohl, Vorsitzender des Vereins „Meckenheim hilft“, jetzt auf einem mehrtägigen Transport nach Berlin überführt. Und zwar in Abstimmung mit den ukrainischen Behörden und in einer gemeinsamen Aktion mit dem Osnabrücker Künstler Volker-Johannes Trieb, der das Wrack mit einem Gedenkkranz zu „einem temporären Mahnmal gegen den Krieg in der Ukraine“ gestaltet hatte. Der Verein hatte nach der Invasion Russlands in die Ukraine etliche Hilfstransporte etwa nach Kiew, Boryslaw und Sumy durchgeführt (der GA berichtete).

Mit Bedacht haben die Verantwortlichen das Fahrzeug am Sowjetischen Ehrenmal im Tiergarten an der Straße des 17. Juni platziert, womit seit 1945 im Herzens Berlin an die gefallenen Rotarmisten erinnert wird. „Auch Ukrainer werden hier geehrt, die in der Roten Armee gegen den NS-Terror kämpften – das zeigt, dass dem Krieg von heute viel Widersinn innewohnt“, heißt es dazu in einer gemeinsamen Presseerklärung von Trieb und Pohl.

Transporter blieb liegen

Es ist nicht Triebs erste Arbeit dieser Art: Mitte März 2022 hat er in Reaktion auf den völkerrechtswidrigen Angriff Russlands auf die Ukraine am Sowjetischen Ehrenmal die Aktion „Post gegen den Tod“ durchgeführt. Dazu wurden voradressierte Fotokarten an den russischen Botschafter in Berlin verteilt und versandt.

Wegen eines Getriebeschadens des Transportfahrzeugs des Vereins wäre die jetzige Mahnaktion 200 Kilometer vor dem Ziel fast noch gescheitert. Doch schließlich schaffte es der Sprinter noch bis Berlin, bis dort auch die Kupplung streikte und das Fahrzeug abgeschleppt werden musste. Da stand das Wrack aus Irpin aber schon vor dem Ehrenmal.

Aktion zum zweiten Jahrestag

Für Stefan Pohl ist das Ganze nämlich auch ein Herzensanliegen: „Gerade anlässlich des zweiten Jahrestags dieses barbarischen russischen Überfalls soll mit dieser Aktion insbesondere daran erinnert werden, welches Unrecht die Aggressoren auch gegenüber der ukrainischen Zivilbevölkerung verübt haben und es immer noch tun. Dieses von Kugeln zersiebte Wrack vor dem Ehrenmal, in dem nach unseren Informationen auch Menschen ums Leben kamen, steht sinnbildlich für dieses sinnlose Morden.“

Laut Pohl hätten selbst angesichts der frühen Tageszeit viele Passanten interessierte Fragen gestellt und Fotos von dem Wrack gemacht. Auch die Polizei war vor Ort. Am Wochenende soll das Auto noch nach Bonn überführt werden.

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