1. Region
  2. Voreifel & Vorgebirge
  3. Meckenheim

Traditionspflege: Meckenheimer Familie gibt Schultüte seit 44 Jahren immer weiter

Traditionspflege : Meckenheimer Familie gibt Schultüte seit 44 Jahren immer weiter

Am Donnerstag hat das wohl gehütete Erbstück der Familie Donder seinen 14. Einsatz: Die Schultüte kam 1974 erstmals zum Einsatz und wird seither in der Familie immer weiter gegeben.

Vielleicht ein Spielzeugroboter oder etwas, was man umbauen kann, wünschte sich Constantin (6) in seine Schultüte. Die Nachricht, dass bisher meist Süßigkeiten im Inneren des Familienstücks waren, stimmt ihn nachdenklich, aber nicht unglücklich. Dann zählt er die Fotos auf dieser besonderen, altgedienten Schultüte mit. Zum ersten Mal war sie 1974 bei Silke Donder in Dortmund im Einsatz.

In den 44 Wanderjahren hat sie viele Häuser künftiger Schulkinder der Familie Donder in und um Bremen, Dortmund und Meckenheim gesehen. Nie aber ist sie verloren gegangen, wie manch anderes, das lange auf dunklen Dachböden ruhte. „Die ist immer gehütet worden“, schmunzelt Christiane Donder,. Constantins Mutter hat das gute Stück 1984 – zehn Jahre nach dem ersten Einsatz – in Meckenheim am ersten Schultag selbst in den Armen gehalten.

„An den Tag selbst kann ich mich gar nicht mehr so recht erinnern. Aber an diese kleinen Pfefferminzplättchen, die man durchknicken konnte, die waren in meiner Tüte drin. Die gab's in weiß und grün, und ich hatte beide Farben“, berichtet sie. Vor ihrem Pfefferminzgenuss waren in dieser Tüte bereits weitere vier Male Süßigkeiten gewesen. In Bremen hatten in den Jahren von 1977 bis 1978 Sandra und Mark Koltermann sie getragen, außerdem Volker und Ralf Kehlenbeck. Nach Christiane war 1986 Kai-Olaf an der Reihe.

Ob der Stoff der blauen Blümchentüte bis dahin schon einmal repariert wurde, weiß man heute nicht mehr so genau. Die vielen aufgeklebten Fotos der vorangegangenen I-Dötzchen verraten, dass die heute weiße Schleife mindestens einmal ausgetauscht wurde, denn ursprünglich war sie rot gewesen. Auch findet sich an der Spitze eine Verstärkung mit festem Bandmaterial und ein Blick ins Innere verrät, dass jemand bereits in früherer Zeit das Erbstück im Innenraum passgenau mit einer Pappe verstärkt hat.

Abgesehen davon würde man das Alter des guten Stücks eher deutlich jünger schätzen. „Meine Mutter hat die Tüte meistens gut eingepackt aufbewahrt“, sagt Christiane Donder. Auch auf Reisen sei sie immer bestens eingepackt und geschützt gewesen. Immer wenn man sich zu Familienfesten besuchte und bald in einem Familienzweig eine Einschulung anstand, wurde die Tüte mitgenommen.

In Constantins Zuhause befindet sich die Tüte seit Januar. Vor ihm hatte sein Bruder Phillip 2010 bei seiner Einschulung die Süßigkeiten daraus genossen, vor ihm seine Schwester Celine 2007. Davor war sie in Dortmund bei Birte und Ole Donder 2004 und 2006 im Einsatz. Schwestern, Brüder, Cousins, Cousinen, Neffen und Nichten haben sie getragen. Nur einer nicht. „Der wollte etwas mit Autos haben“, sagte Constantins Mutter.

So wichtig die Schultüte für die Familie ist, so unwichtig ist die Historie des Objekts für Constantin. Er ist vielmehr neugierig, was er wohl darin finden wird, wenn er die Schleife endlich öffnen darf. Genauso wichtig ist, dass er gemeinsam mit seinem besten Freund Kai den Kindergarten Blütentraum verlässt und den neuen Lebensabschnitt an der evangelischen Grundschule beginnt.

Nach Constantins großem Tag am Donnerstag wird Großmutter Gudrun Donder die Familienschultüte wieder an sich nehmen. „Sie hat sie immer aufbewahrt, wenn die Tüte in Meckenheim war“, erinnert sich Christian. Irgendwann wird sie dieses Amt vielleicht übernehmen. Aber bis dahin vergeht vermutlich noch lange Zeit.