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Reinhold Malcherek auf Abwegen: Meckenheimer Pfarrer sorgt sich um Zukunft der Gemeinden

Reinhold Malcherek auf Abwegen : Meckenheimer Pfarrer sorgt sich um Zukunft der Gemeinden

Christen aus Meckenheim und Rheinbach sorgen sich um die Zukunft ihrer Pfarreien. Die Richtung gibt das Erzbistum mit seinem „Pastorale Zukunftsweg“ vor. Diesen möchte Pfarrer Reinhold Malcherek nicht mitgehen.

Von Sorgen und viel Diskussionsbedarf geprägt waren am Dienstagabend die parallel stattfindenden Seelsorgebereichsforen in Meckenheim und Rheinbach. Damit haben sich in den vergangenen Tagen in insgesamt 153 Foren Christen aus 174 von 180 Seelsorgebereichen im Erzbistum Köln mit der Zukunft der Kirche beschäftigt. Die Richtung gibt der „Pastorale Zukunftsweg“ vor, der das Gemeindeleben an Ort und Stelle neu regeln soll.

Priestermangel, Rückgang der Kirchenmitglieder und wachsende Verwaltungsaufgaben machen für das Erzbistum neue Wege zwingend erforderlich. Dazu gehört die Verringerung der bisherigen Seelsorgebereiche auf nur noch 50 bis 60 Pfarreien. Ein eingespielter Film des Erzbistums erläuterte am Abend noch einmal die Ziele des neuen Konzeptes. Fragen und Anmerkungen von Teilnehmern in St. Johannes der Täufer, im Jugendzentrum Life und von via Internet Zugeschalteten wurden von Köln aus sofort beantwortet. Die Anmerkungen „aus der Fläche“ sollen als Anregungen im Konzept „Zielbild 2030“ des Erzbistums bis Ende des Jahres eingearbeitet werden.

Das neue Konzept sieht mehr Verantwortung für Laien vor, denn „Kirchen sind nicht Kirchtürme, sondern können auch Familien- und Seniorenzentren sein. Wir werden uns von der bisherigen Form von Kirche verabschieden müssen“, sagte Marianne Bauer vom Generalvikariat. Teams mit drei bis acht Personen sollen – autorisiert vom leitenden Pfarrer und Pfarrgemeinderat – Aufgaben in einzelnen Bereichen des Gemeindelebens übernehmen.

Fragen, die die Meckenheimer bewegten, drehten sich unter anderem um die Zukunft von Aktiven in den Kirchengremien, die Verfügungsgewalt der finanziellen und Vermögensressourcen der Gemeinden, die Zukunft der Kindertagesstätten und wer Wortgottesdienste halten dürfe. Kritische Worte fand der eine oder andere zur künftigen Stellung des leitenden Pfarrers einer „Großpfarrei“.

Mit Skepsis sieht Reinhold Malcherek, leitender Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde Meckenheim, die Pläne des Erzbistums Köln. Foto: Wolfgang Henry

„Es stimmt nicht, was Köln sagt, dass Gemeindeleitungen keine engagierten Laien übernehmen können“, stellte der Vorsitzende des Pfarrgemeinderates Martin Barth fest. Willi-Josef Wild, der sich ebenfalls im Pfarrgemeinderat engagiert, bewegt die Frage der Macht, die „sich dann auf 50 Leute, Erzbischof und Weihbischof reduziert“.

Ausgesprochen skeptisch steht Pfarrer Reinhold Malcherek dem Konzept gegenüber. „Es wird hier von der Position des Pfarrers gedacht. Was passiert, wenn Laien eine Idee realisieren wollen und der Pfarrer nein sagt?“, fragte der 59-Jährige. Eine Überlegung, die sein Pendant aus Rheinbach nicht unbeantwortet stehen lassen mochte. „Die leitenden Pfarrer müssen lernen, dass Leiten nicht nur Bestimmen, sondern ein Miteinander bedeutet“, erklärte Bernhard Dobelke.

Der Rheinbacher Pfarrer war zufrieden mit der Resonanz von 55 Teilnehmern, die sich darüber sorgten, woher die vielen Ehrenamtlichen in Zukunft kommen sollen und über welches Budget die Gemeinden frei verfügen könnten. Aber auch die Seelsorge bei alten und kranken Menschen in einer Großpfarrei bewegte die Rheinbacher. „Wie die Seelsorge funktionieren wird, wissen wir noch nicht. In Gesprächen mit Mitbrüdern wird schon befürchtet, dass die leitenden Pfarrer dann eher als Manager oder Netzwerker unterwegs sein werden“, sagte Dobelke. Für ihn steht fest, dass wegen des Priestermangels kein Weg an einer Umstrukturierung vorbeiführe. Die Schaffung eines Sendungsraumes wie in Bornheim sieht der 53-Jährige für Rheinbach nicht, sondern eher eine Kooperation mit Meckenheim und vielleicht darüber hinaus noch mit Wachtberg und/oder Swisttal.

Kirchenvorstände und Pfarrgemeinderäte werden aber auch im neuen Konzept bestehen bleiben, ist Dobelke überzeugt. „Der Kirchenvorstand ist gesetzlich vorgeschrieben, den Pfarrgemeinderat als Pastoralrat sieht das Kirchengesetz vor.“ Wenn das finalisierte Konzept im kommenden Jahr realisiert wird, wird Malcherek nicht mehr mitmachen. „Wenn die Bereiche immer größer werden, stehe ich nicht mehr zur Verfügung. Denn ich habe meine Zweifel am Gelingen des Projekts“.