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"Meckenheimer Garantie für Ausbildung": Mega spornt angehende Azubis zu Höchstleistungen an

"Meckenheimer Garantie für Ausbildung" : Mega spornt angehende Azubis zu Höchstleistungen an

Es ist das Lieblingswort von Poptitan Dieter Bohlen, stammt aus dem Griechischen und beschreibt das Millionenfache einer Einheit. Das Adjektiv mega hat in Meckenheim allerdings noch eine andere Bedeutung: Hier steht es als Abkürzung für eine ungewöhnliche Erfolgsgeschichte. Die Meckenheimer Garantie für Ausbildung, kurz Mega, geht bereits ins vierte Jahr.

Damit gerade Hauptschüler bei der seit Jahren beklagten, händeringenden Suche nach Fachkräften nicht durch den Rost fallen, haben die Stadt Meckenheim, die Geschwister-Scholl-Hauptschule und rund 40 Meckenheimer Firmen gemeinsam Mega gegründet. Die Mädchen und Jungen der Hauptschule unterzeichnen eine Verpflichtung zu einem gewissen Leistungspensum bis zum Hauptschulabschluss nach Klasse 10.

So darf es ab der 9. Klasse keine unentschuldigten Fehltage geben und keine mangelhaften Leistungen auf dem Zeugnis. Außerdem sollten Deutsch, Mathe und Arbeitslehre zumindest mit befriedigend bewertet sein. Ebenfalls Voraussetzung sind die Teilnahme am Berufsförderunterricht sowie ein positives soziales Verhalten und soziales Engagement. Im Gegenzug erhält der Jugendliche einen garantierten Ausbildungsplatz.

Feuer und Flamme für Mega ist Mitinitiator Peter Hauck, Rektor der Geschwister-Scholl-Hauptschule: Glücklich ist er darüber, dass sich die Aktion nicht als Eintagsfliege entpuppt hat. "Wir haben was losgetreten", meint der Pädagoge. Dass seine Schüler die Mega-Verpflichtung als verpflichtend empfinden, zeigt der Umstand, dass bislang kein einziger der rund 200 Unterzeichner vertragsbrüchig geworden ist.

"Die nehmen das Vertragswerk sehr ernst. Sie kriegen was, müssen aber was dafür tun", so Hauck. "Wenn wir nur Deppen hätten, würde die Sache nicht funktionieren", wählt der Schulleiter deutliche Worte. In vier Berufspraktika und einem Jahrespraktikum schnuppern die Hauptschüler in ihren Traumberuf. Die Auswahl kann sich sehen lassen: 40 Meckenheimer Betriebe aus Handel, Handwerk, Industrie und dem Dienstleistungssektor bieten bis zu 80 verschiedene Berufe an.

Ein Mega-Schüler, der mit besonders emsigen Leistungen glänzt, ist Kevin König (17) aus Meckenheim, der mit einer Ausbildungsstelle zum Bankkaufmann belohnt worden ist. Vor allem Dank der Unterstützung seiner Lehrer habe er den Mut aufgebracht, sich bei der Kreissparkasse Köln um eine bei Abiturienten wie Realschülern begehrte Stelle zu bewerben, sagt er. Mit Erfolg: "Ich hatte schon gute Halbjahreszeugnisse.

Darum war die Hemmschwelle nicht allzu hoch." Neben guten Noten haben wohl weitere Kriterien eine Rolle gespielt, sich für ihn zu entscheiden. "Gute Noten in Mathe und Deutsch sind Voraussetzung, aber es wurde auch auf die Persönlichkeit geachtet und auf Freundlichkeit, wie zum Beispiel ein freundliche Auftreten geachtet", weiß der Bankazubi im ersten Lehrjahr.

Beispiele wie das von Kevin König machen Schule: "Die Wahrnehmung der Geschwister-Scholl-Hauptschule hat sich völlig gewandelt", meint Kreishandwerksmeister Thomas Rademacher, einer der Mitbegründer von Mega. Mittlerweile, so berichtet er, meldeten auch Eltern aus Nachbarkommunen ihre Kinder an der Meckenheimer Hauptschule an. "Sogar aus Akademikerfamilien - weil sie wissen, dass die Berufschancen besser sind als anderswo", sagt Rademacher.

Auch Martin Weihsweiler, Geschäftsführer von Bedachung Degen, schätzt seine jungen Mega-Mitarbeiter. "Die sind richtig gut, da sie früh lernen, sich an klare Absprachen zu halten", sagt der Firmenchef. Der Leistungsanreiz liege darin, dass der Erfolg garantiert sei. "Man strengt sich an und bekommt etwas dafür", so Weihsweiler. Zweimal habe er Mega-Absolventen eingestellt, die sich durch besondere Zuverlässigkeit ausgezeichnet hätten.

Meckenheims Bürgermeister Bert Spilles, einer der Ideengeber von Mega, sieht das Projekt als beispielhaft in der Region an: "80 Ausbildungsstellen in 40 Betrieben stehen als Erfolgszahlen für das einzigartige Projekt im Rheinland." Einerseits erhielten die Betriebe geeignete Auszubildende, womit dem Fachkräftemangel entgegengewirkt werde. Andererseits vermittele die bereits mehrfach ausgezeichnete Initiative den Hauptschülern "das Gefühl, mit ihren Sorgen nicht alleine gelassen zu werden", sagt Spilles.