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Wohnquartier in Altstadt: Neue Pläne für den Marktplatz in Meckenheim

Wohnquartier in Altstadt : Neue Pläne für den Marktplatz in Meckenheim

Für 26 Millionen Euro soll am Marktplatz ein Quartier mit Seniorenwohnen, Vollsortimenter und Gastronomie entstehen.

Für Architekten sind solche Vorgaben kein Grund, graue Haare zu bekommen, sondern ganz im Gegenteil die Garantie dafür, ihrer reichen Fantasie freien Lauf zu lassen. Am Meckenheimer Marktplatz lautet die Aufgabenstellung, einen aktuell vornehmlich als Parkplatz genutzten Raum zu bebauen und dabei von der Klosterstraße bis zur Hauptstraße einen Höhenunterschied von 2,50 Meter zu überwinden. 

Der Wettbewerb der Architektenvisionen ist jetzt entschieden: Der Meckenheimer Stadtrat kürte in nicht-öffentlicher Sitzung das Konzept des Berliner Projektentwicklers HCRE zum Sieger. Auf der 5700 Quadratmeter großen Fläche inmitten der Meckenheimer Altstadt sind die Ansiedlung von Servicewohnungen für Senioren, eines Vollsortimenters und von Gastronomie vorgesehen. Außerdem erfährt der Marktplatz eine neue Gestaltung, die ihn zu einem Treffpunkt machen soll. 26 Millionen Euro möchte das Berliner Unternehmen (siehe Kasten) investieren.     

Die Lage des derzeitigem Parkraumareals macht die Aufgabe für die Architekten nicht gerade leichter: Immerhin liegt die städtische Fläche an der erst vor drei Jahren aufwendig und vollumfänglich erneuerten Hauptstraße. In den Plänen von HCRE, die sich gegen acht andere Mitbewerber durchsetzte, entdeckt Waltraud Leersch, Leiterin des Fachbereichs Stadtplanung und Liegenschaften, eine ganze Menge an großen und kleinen Details, die ihr zusagen. „Der Entwurf schafft es, neue Impulse für eine bisher nur als Parkplatz genutzte, zentrale Fläche zu setzen und sich trotz hoher städtebaulicher Dichte gut in den Bestand zu integrieren“, erklärt Leersch.       

Den beabsichtigten Vollsortimenter sieht die Stadt als „Magnet für die Altstadt“, so Leersch. „Wir haben nicht den Ansatz verfolgt, den besten Preis für dieses Grundstück zu erzielen, sondern dem den Zuschlag zu geben, der das beste Konzept hat“, berichtet die Stadtplanerin. Ferner entstehe ein  neuer Marktplatz zum Verweilen. Insgesamt vier Häuser gruppieren sich um diesen Platz, der sowohl über Treppen als auch über Aufzüge zu erreichen ist. Die Architekten seien gut darauf eingegangen, welche städtebauliche Maßstäblichkeit Meckenheim besitzt, so Leersch. Die Planungen sehen einen Nutzungsmix mit einem Wohnanteil von 60 Prozent vor.

Geplant sind eine Bruttogeschossfläche von insgesamt 9000 Quadratmetern mit kleineren Appartements für rund 120 Seniorinnen und Senioren, ambulante, betreute Wohngruppen und eine Tagespflege mit 18 Plätzen. Ergänzt wird das Angebot durch einen Vollsortimenter im Erdgeschoss auf etwa 2200 Quadratmetern, Restaurants sowie rund 125 oberirdische und unterirdische Stellplätze.

Konkret sieht der Bebauungsvorschlag die Entwicklung einer Platzfolge von der Hauptstraße bis zur Klosterstraße vor. Entlang der Hauptstraße entsteht der neu gefasste Marktplatz mit einem Café. In Verlängerung der Merler Straße ist eine große Freitreppe mit Aufzug geplant. „So überwinden wir barrierefrei den Höhenunterschied auf dem Grundstück, das zur Klosterstraße um 2,5 Meter ansteigt“, sagte Jörg Fischer, Geschäftsführer Feddersen Architekten, bei der Vorstellung der Pläne via Telefonzuschaltung.

Auf dem so erreichten Plateau ergebe sich der Quartiersplatz, über den alle anliegenden Nutzungen erschlossen werden. Dazu gehört die Tagespflege, die Verwaltung und der Pflegedienst. „Die Gebäude haben wir im Maßstab der Umgebung geplant“, versichert Fischer. Das benachbarte, denkmalgeschützte Haus  an der Hauptstraße Nummer 20 gibt mit seiner Traufe die Höhenentwicklung vor, so der Architekt.

„Die zentrale Lage im Herzen Meckenheims bietet optimale Rahmenbedingungen für ein seniorengerechtes Wohnen in einem belebten Umfeld, das vielfältige Betreuungsangebote bei größtmöglicher Wahrung der persönlichen Freiheit und Selbstständigkeit im Alter ermöglicht“, findet Toni Trautwein, Geschäftsführer von HCRE Development. „Wir sehen, dass mit dem Marktplatz Grundstücke gefunden sind, wo das gut hineinpasst“, sagt der in Sankt Augustin aufgewachsene Projektentwickler.

Begeistert von dem 26-Millionen-Euro-Vorhaben ist auch Bürgermeister Holger Jung. „Wir hätten an der Stelle gerne eine eierlegende Wollmilchsau. Ich denke, das ist uns gelungen“, sagt der Christdemokrat. Momentan befindet sich die HCRE noch in Verhandlungen, welcher Vollsortimenter ins Marktplatz-Quartier einziehen soll. „Es gibt Gespräche mit verschiedenen Anbietern“, so Jung. Auch ein Bio-Supermarkt sei an der Stelle nicht ausgeschlossen.

Nachdem der Rat den Siegerentwurf gekürt hat, sind nun die Bürger gefragt, erklärt Leersch. „Die Bürgerbeteiligung ist – aus nachvollziehbaren Gründen – derzeit nicht möglich, aber nur aufgeschoben – nicht aufgehoben“, so Leersch. Noch im ersten Quartal 2021 sollen sich die Bürger die Entwürfe anschauen können. „Mit dem Entwurf ist ein erster Meilenstein erreicht. Die Architektur mag sich nach der Bürgerbeteiligung noch an der einen oder anderen Stelle ändern, aber das Konzept bleibt ein guter Entwurf“, findet Heinz-Peter Witt, Technischer Beigeordneter der Stadt Meckenheim. Auch für den weiteren Zeitplan hat Trautwein bereits eine Vision: „Bei 24 Monate Bauzeit hoffen wir unter den aktuellen Gegebenheiten, dass wir im November 2024 eröffnen können.“