15. Meckenheimer Kulturtage Pause und Alich begeistern das Meckenheimer Publikum

MECKENHEIM · Sie hätten schon im Januar kommen sollen, aber da waren sie ausgebucht. Nun, zu den 15. Meckenheimer Kulturtagen, konnte sich Christel Werle vom Bürgerverein endlich darüber freuen: Die Kabarettisten Rainer Pause und Norbert Alich traten am Samstag mit ihrem Programm "Oberwasser" im ausverkauften Schulzentrum auf.

 Zwei Philosophen: Norbert Alich (l.) und Rainer Pause.

Zwei Philosophen: Norbert Alich (l.) und Rainer Pause.

Foto: Wolfgang Henry

Brüssel und Berlin, Merkels Unbestimmtheit und de Maizières Ungemach (Pause und Alich lesen dessen Namen als "die Misere") werden lang und breit lächerlich gemacht. Es ist das "erste Kriegsprogramm dieses Jahrtausends", fassen die beiden unter Verweis auf den Bundeswehreinsatz in Afghanistan zusammen.

Diese Klarheit werten sie immerhin als ein Verdienst des vormaligen Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg und erörtern sogleich, ob der das nicht abgeschrieben habe. Den Niedergang Griechenlands von der philosophischen Weltmacht mit Pythagoras am "Katheder" bedauern sie vielleicht. Übel nehmen sie den Hellenen aber die Beleidigung von Kanzlerin Merkel als "alter Nazi" ("so alt ist die doch noch gar nicht").

Dahinter vermuten sie Absicht: "Womöglich wollen die Griechen uns beleidigen, damit wir dann über sie herfallen, um ihnen zu helfen." Aber auch das wäre gar nicht so einfach, denn Deutschland hat stets seine besten Waffen nach Griechenland exportiert, und ihm fehlt es nun selbst daran.

Dafür dürfen "wir" beispielsweise griechische U-Boote immerhin auf dem Umweg über den Euro-Rettungsschirm selbst bezahlen. Und im Endeffekt landet das Geld ohnehin bei der Deutschen Bank. So geht das in einem fort. Pause mit seinen ausladenden Arm- und Beinschwüngen setzt zu ausschweifenden Welterklärungen an. Alich unterbricht, zwingt ihn durch hinterlistige Rückfragen zum Präzisieren.

Auf die FDP sind die beiden gar nicht gut zu sprechen. Jeder einzelne Politiker der Liberalen bekommt in einem wütenden Rap sein Fett weg: "Vor dem Niebel seid bloß auf der Hut, der kennt keine Gnade und meint es nie gut." Vor Klischees haben Pause/Alich keine Angst: Egal ob russische Alkoholsucht, Schleier tragende Muslima oder US-Präsident Obamas Großspurigkeit, die schon an einer kleinen Krankenkassenreform scheiterte, manchmal wird es ganz schön populistisch.

Zu den inländischen Zielscheiben gehören Alt-68er und "Ökos". Deutsche Autofahrer müssten bald allesamt zu den "anonymen Vergasern", weil sie noch mit Benzin fahren. Das Spiel mit Vorurteilen und Übertreibungen entlarvt und führt zu Einsichten. Gutes Kabarett eben.

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