Flut in Meckenheim Bürger setzen ein Zeichen des Gedenkens an die Flutopfer

Meckenheim · In einer privaten Gedenkfeier erinnern Meckenheimer Bürger an die Flut vor einem Jahr. Im Vorfeld gab es auch Kritik: Denn die Stadt entschied sich gegen eine offizielle Veranstaltung.

 Die Swist überspülte am 14./15. Juli 2021 auch das Meckenheimer Schützenhaus, das im Hintergrund zu sehen ist.

Die Swist überspülte am 14./15. Juli 2021 auch das Meckenheimer Schützenhaus, das im Hintergrund zu sehen ist.

Foto: Axel Vogel

Anlässlich des ersten Jahrestages der Flut vom 14./15. Juli 2021 fanden zahlreiche offizielle Gedenkveranstaltungen statt. So hatte Rheinbachs Bürgermeister Ludger Banken am Donnerstag zu einer Kranzniederlegung und einem Gedenkzug durch die Stadt eingeladen. Am Freitag folgte in Swisttal eine große Gedenkveranstaltung, bei der Bundespolizei in Heimerzheim. Weitere folgen in beiden Kommunen am Wochenende.

In Meckenheim, das ebenfalls große Flutschäden zu verzeichnen hatte, fanden sich am Donnerstag rund 30 Bürger zu einer privaten Gedenkveranstaltung am Schützenhaus an den Swistauen ein. Die Teilnehmer entzündeten Kerzen vor Ort. Organisiert hatte die Veranstaltung, an der auch Vertreter der Parteien teilnahmen, Friedel Groß, der sich vor Ort in zahlreichen Vereinen und Initiativen engagiert.

Veranstalter wollte ein Zeichen setzen

Groß betonte, er wolle mit dieser überparteilichen Veranstaltung ein Zeichen setzen „als Meckenheimer Bürger“. Viele Mitbürger hätten Schreckliches erlebt, seien traumatisiert, die Bilder seien auch nach einem Jahr immer noch im Kopf. „Wir Meckenheimer haben zueinandergefunden. Wir halten zusammen“, sagte Groß weiter. Im Rahmen der gegenseitigen Hilfe seien auch Freundschaften entstanden.

Kritik war am Rande der Gedenkveranstaltung zu hören, dass die Stadt zu keiner offiziellen Veranstaltung eingeladen hatte. „Ich finde es irritierend, dass in Meckenheim keine zentrale Veranstaltung für diesen wichtigen Tag durch die Stadt organisiert worden ist“, moniert beispielsweise Stefan Pohl, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Stadtrat. Eine Gedenkminute in Meckenheim sei von privater Seite organisiert worden, was zeige, „dass das zivilgesellschaftliche Engagement viel bewegen kann“.

Bürgermeister fand in einem Brief die richtigen Worte

Johannes Steger, Fraktionsvorsitzender der Bürger für Meckenheim, beurteilt den Sachverhalt anders: „Bürgermeister Holger Jung hat am 8. Juli im Amtsblatt einen langen und sehr guten Brief zu der Thematik geschrieben. Dieser Brief spricht meine Gefühle aus.“ Daher stellt sich Steger die Frage, ob eine weitere Gedenkveranstaltung „wirklich notwendig gewesen wäre“.

Steger, der 1962 die Flut in Hamburg aus nächster Nähe miterlebt hat und die Gefühlslage der Flutopfer daher gut nachvollziehen kann, beschäftigt in dem Zusammenhang ein anderes Thema viel mehr: „Ich bin wütend, dass 50 Prozent der Spenden an die Flutopfer noch immer bei den Hilfsorganisationen liegen.“

„Wegen der Tragweite der Ereignisse am 14./15. Juli 2021 wollten wir als CDU mit unserer Teilnahme an der privaten Veranstaltung auf jeden Fall ein Zeichen des Gedenkens und der Anteilnahme setzen“, erklärte Fraktionsvorsitzender Joachim Kühlwetter.

Zum Glück kein Todesopfer

Auf Anfrage stellt Hans Dieter Wirtz, Erster Beigeordneter der Stadt Meckenheim, auch klar, das man sich bereits lange im Vorfeld des Jahrestags der Flut Gedanken darüber gemacht habe, wie man an diesen Tag erinnern soll. „Wir haben das im Verwaltungsvorstand sehr ausgiebig diskutiert“, erklärt Wirtz. „Wir haben uns dann aber dafür entschieden, keine Veranstaltung durchzuführen, weil es keine Personenschäden in Meckenheim gegeben hat. Damit unterschieden wir uns ganz klar von der Ahr, Swisttal und Rheinbach.“

Unbestritten habe die Flut aber auch in Meckenheim große materielle Schäden angerichtet. Vor diesem Hintergrund habe sich Bürgermister Jung auch zu dem offenen Brief an die Bürgerschaft entschlossen. Darin stellt Jung klar, dass glücklicherweise in Meckenheim kein Todesopfer zu beklagen war. Jung schreibt: „Doch wir verloren in dieser Nacht einen geschätzten Kollegen aus unserer Stadtverwaltung.“ Dabei soll es sich um einen Mann aus dem Kreis Ahrweiler handeln, der als Feuerwehrmann aktiv war und im Hochwasser der Ahr ums Leben kam.

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