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Artenvielfalt in Meckenheim: Ruhe und Platz für den Ameisenbläuling

Artenvielfalt in Meckenheim : Ruhe und Platz für den Ameisenbläuling

Die Stadt Meckenheim und die Biologische Station im Rhein-Sieg-Kreis wollen seltene Schmetterlinge besser schützen.

Rund um Nutzen und Schaden durch Wiesenmahd zum falschen Zeitpunkt drehte sich im Ausschuss für Klimaschutz und Umwelt der Vortrag von Steffen Steenken. Der Mitarbeiter der Biologischen Station informierte über einen Schmetterling und seine Wirtspflanze, deren Vorkommen als Marker für die Artenvielfalt der regionalen Wiesen genauer in die Betrachtung rückte. Die Ausschussmitglieder sprachen sich einstimmig für die Zusammenarbeit mit der Biologischen Station zugunsten eines Projekts pro Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling aus.

Direkt aus der Nachbarschaft könnte, so hoffen die Biologen, der in den 90er Jahren noch mit rund 1000 Exemplaren vorkommende schmucke Falter wieder einwandern. Im nahen Rheinland-Pfalz gebe es noch einige Exemplare, in Meckenheim wurde er vor fünf Jahren zum letzten Mal gesehen. Auch am Fuße der Tomburg pflegt die Biologische Station Flächen, um der Artenvielfalt auf diesem Weg wieder auf die Sprünge zu helfen, sagte Steenken.

Warum genau der Schmetterling sich seit einigen Jahren in seinem angestammten Lebensraum, dem Eifelfuß zwischen Ersdorfer Wald und dem Tomberg, nicht mehr blicken lässt, ist laut dem Biologen nicht mit Sicherheit bekannt. Dass es aber mit der zu häufigen Mahd zu tun haben könnte, scheint wahrscheinlich.

Dem Schmetterling fehlt die Sommerruhe

Wird eine Wiese zum falschen Zeitpunkt gemäht, „dann ist die Fläche weg“ für den Falter mit der auffallend blau schimmernden Flügeloberseite, so Steenken. Dann nämlich kommt entweder der Große Wiesenknopf nicht mehr zur rechten Zeit in die Blüte, oder die Blüte wurde mitsamt den Eiern des Falters vom Stängel getrennt. „Wir sprechen in solchen Fällen auch von einer Sommerruhe, die die Pflanzen und die Tiere brauchen“, so Steenken. In dieser Zeit sollte im Lebensraum des Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulings möglichst nicht gemäht werden. Warum gerade diese Symbiose so empfindlich ist, erklärte der Biologe ebenfalls ausführlich.

Ende Juni bis Mitte August blüht normalerweise der große Wiesenknopf am Eifelfuß. Ebenfalls Ende Juni will der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling sich, nach Möglichkeit auf einer Blüte des Wiesenknopfs, paaren und seine Eier dort ablegen. Die sich dort entwickelnden Raupen häuten sich im Lauf von drei bis vier Wochen drei Mal, ehe sich die noch junge Raupe aus der Blüte zu Boden fallen lässt.

Neuanpflanzung des Wiesenknopfs denkbar

Erholt sich die Population mit den Maßnahmen am Eifelfuß nicht, sei auch denkbar, Wiesenknopfpflanzen mit darin gelegten Eiern in einer starken Population auszugraben und auf einer Wiese in Meckenheim wieder einzupflanzen, so Steenken. Warum aber gerade diese Pflanze und der auf der Flügeloberseite blau schimmernde Falter die Aufmerksamkeit der Biologen auf sich zieht, liegt an ihrer Funktion als Marker für Biodiversität, erklärte der Biologe. Wo sich der Ameisenbläuling wohlfühlt, finden auch viele andere Insekten einen passenden Lebensraum.

Im Ausschuss machte Ferdinand Koll darauf aufmerksam, dass die Feldraine zuvor 40 Jahre lang nicht gemäht worden seien. Seit einigen Jahren werde dort teilweise bis zu vier Mal im Jahr gemäht. Nach den Vorgaben des Vertragsnaturschutzes solle auf den Wiesen der Biologischen Station im Frühjahr nur eine einzige Mahd Ende Mai stattfinden, erklärte Steenken. Das gewährleiste, dass der Große Wiesenknopf nicht von überwuchernden hohen Gräsern erdrückt werde und zur richtigen Zeit blühe.