Spargelsaison in der Region : Meckenheimer Landwirtin verpachtet Spargel-Dämme zum Selberstechen

Die Meckenheimer Landwirtin Dorothee Krings ist auf eine verblüffend einfache Idee gekommen, um ihren Spargel zu verkaufen: Sie verpachtet einige Dämme zum Selberstechen. Bevor die Hobby-Gärtner loslegen, bekommen sie aber Tipps vom Profi.

Das Messer richtig halten und vorsichtig in den Damm schneiden: Hochkonzentriert lauschen Frank Tappel und das Ehepaar Hans und Dagmar von Hochberg den Ausführungen von Spargel-Landwirtin Dorothee Krings. Nach 2020 hat die Meckenheimer Bäuerin in diesem Jahr zum zweiten Mal einen Teil ihrer Spargel-Anbauflächen Hobbylandwirten verpachtet. Zwischen 100 und 200 Metern – eine halbe oder eine ganze Reihe – haben bisher 20 Familien gemietet, um dort bis zum Johannistag am 24. Juni die eigenen Spargelstangen zu ernten.

Zum Verpachten einiger Flächen kam Krings, als coronabedingt die Gastronomie geschlossen war und sie zu wenig Erntehelfer hatte. Es wäre sonst zu einer Überproduktion gekommen“, erzählt die 58-jährige, die sich seit 2003 auf das Edelgemüse spezialisiert hat und auch in diesem Jahr mit vier rumänischen Erntehelfern ihr eigenes „weißes Gold“ täglich sticht und im eigenen Hofladen verkauft.

Mit einem Teil ihrer Zeit unterstützt Krings ihre Saisonpächter. Einstiegs-Infoveranstaltungen zu Pflege und Wachstum der Pflanzen gehören ebenso dazu wie praktische Tipps zur Ernte. Startete das Projekt 2020 mit zehn Familien – alle machen auch in diesem Jahr wieder mit –, so verdoppelte sich die Anzahl der „Erntehelfer in eigener Sache“ in dieser Saison. Und auch jetzt noch sind vier Reihen zu mieten.

150 Kilo Spargel auf 100 Metern

Auf 100 Metern sind rund 150 Kilogramm Spargel zu erwarten, „allerdings wenn es kühl ist, erntet man weniger, in der Summe der Saison ist die Quantität jedoch gleich“, so Krings. Für sie ist Spargel das Gemüse schlechthin. Denn es habe wenig Kalorien, sei sättigend, habe dabei eine entwässernde Wirkung und sei eine regional und saisonal wachsende Kultur.

Dem kann Frank Tappel nur zustimmen. Er und seine Frau essen für ihr Leben gerne Spargel – ihre Leidenschaft für das leckere Gemüse konnten sie 2020 bei einem Ernteertrag von 160 Kilogramm gut stillen. Jede Menge Arbeit habe die vergangene Saison gemacht, für Frank und Christine Tappel auch der Hauptgrund, dass sie sich „ihren Damm“ in diesem Jahr mit befreundeten Kollegen teilen. „Wir mussten jeden zweiten Tag zum Stechen. Dabei hatten wir zwar keine körperlichen Probleme, auch wenn es durchaus anstrengend war - wir haben an einem Tag einmal zwölf Kilo gestochen -, aber es kostete viel Zeit. So ist es gut, dass wir in diesem Jahr nur einmal in der Woche an der Reihe sind“, erzählte der 47-Jährige.

Mittlerweile ist er ein Fachmann für Spargelkultur, weiß, wie er die an der Seite des Dammes wachsenden Stangen zu schneiden und wann er sie nicht mit Folie abdecken sollte (grüner Spargel) oder die weiße (Verlangsamung des Wachstums) beziehungsweise schwarze Folienseite zu nutzen hat. Im vergangenen Jahr hat Tappel für seine 100 Meter 100 Euro bezahlt, in diesem Jahr kostet dieselbe Fläche 150 Euro. „Wenn man gerne Spargel isst, rentiert sich das Stechen. Man kann für denselben Preis mehr essen“, schmunzelt der Meckenheimer.

Regelrecht erfindungsreich zeigten sich er und seine Frau im vergangenen Jahr beim Kreieren immer neuer Spargelgerichte. Ob vom Grill, als Beilage, auf Pizzen oder im Nudelsalat – das Internet sei voller Spargelrezepte, hat Tappel festgestellt. Was aufgrund der Menge nicht selbst verzehrt werden konnte, wurde an Nachbarn und Arbeitskollegen verschenkt.

Spargel für die ganze Familie

Ein Problem, die reichhaltige Ernte loszuwerden, wird das Ehepaar Hans und Dagmar von Hochberg in ihrer ersten Saison nicht haben. Mit fünf Kindern und Schwiegerkindern ist die Familie groß. „Alle sind schon ganz heiß auf den Spargel. Die, die in der Nähe wohnen, werden auch selber stechen“, sagte Dagmar von Hochberg. Die 57-Jährige, die nebenbei noch als Hobby-Imkerin unterwegs ist, war es auch, die, kaum als sie von dem Projekt erfahren hatte, sich anmeldete. „Ich habe ein Faible für Natur und Garten. Jetzt kann ich meiner Lust an Landwirtschaft nachgehen und zugleich die Spargelbauern unterstützen“. Sie isst besonders gerne grüne, aber auch lilafarbene Stangen, denn „der erinnert mich an meine Kindheit“. Die Folien haben von Hochbergs auf „Schwarz“ gedreht, damit die Stangen jetzt schneller wachsen und sie möglichst zügig in die Ernte einsteigen können.

Laut Dorothee Krings sollten Hobby-Spargelanbauer auf Folgendes achten: Beim Stechen werden die Stangen oberhalb der Wurzel abgeschnitten. Die Folien regulieren das Wachstum: Bei Temperaturen von 20 bis 25 Grad sollten die Planen auf „Weiß“ zum Abbremsen eines schnellen Wachstums, bei kühleren Temperaturen auf „Schwarz“ zur besseren Absorption der Sonnenstrahlen gedreht werden. Die Dämme sollten beim Stechen maximal einen Meter aufgedeckt werden, damit Schädlinge wie Spargelhähnchen, Spargelfliege und Kohlweißlinge nicht ihre Eier ablegen können.

Wer Interesse an einer Parzelle hat, kann sich telefonisch an Dorothee Krings unter 0177/8 98 94 05, Baumschulenweg 2, in Meckenheim wenden.