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Stadtgeschichte von Meckenheim: Tanken mitten in der Altstadt

Stadtgeschichte von Meckenheim : Tanken mitten in der Altstadt

Der Verein Meckenheimer Stadtmuseum und Kulturforum stellt den vierten und letzten Band einer Reihe über die Entwicklung der Stadt vor. Großen Raum in der Betrachtung über den Zeitraum von 1871 bis 1945 nimmt die Zeit des Nationalsozialismus ein.

Die glücklichen Tage der Gründerzeit, die Entbehrungen und Zerstörungen während der beiden Weltkriege, die Zeit des Nationalsozialismus – die Jahre von 1871 bis 1945 brachten der Stadt Meckenheim und ihren Bewohnern „Wechselhafte Zeiten“, wie der Titel des nun erschienenen vierten Bandes einer Reihe zur Stadtgeschichte heißt, die der Verein Meckenheimer Stadtmuseum und Kulturforum herausgegeben hat. Vereinsvertreter und Autoren stellten das etwa 100 Seiten starke Werk mit Bürgermeister Bert Spilles vor.

Es ist der vierte Band der Reihe zur Geschichte Meckenheims von der Erstbesiedlung in der Jungsteinzeit bis heute. „Unsere Buch-Quadrologie ist vollendet“, verkündete der Vereinsvorsitzende Jörg Köpke stolz. Er dankte insbesondere dem Leiter des Redaktionsteams, Hans Frank, und allen Autoren und Sponsoren. Aus Autorensicht erklärte Köpke: „Bei der Recherche zum Buch haben wir viele Erkenntnisse gewonnen – unsere Stadt ist uns noch vertrauter geworden.“

Von Hoffnungen und Dämpfern geprägt sei die Zeit zwischen 1871 und 1945, so Bürgermeister Spilles. Das Autorenteam habe die Zeit des Nationalsozialismus nicht ausgespart, in der trotz eines schlimmen Regimes die Menschlichkeit überwogen und man sich in Meckenheim der Nachbarschaft verbunden gefühlt habe. Spilles dankte dem Verein: „Sie sind der Garant dafür, dass unsere Geschichte nicht verloren geht.“

Sechs Autoren wirkten am reich bebilderten und mit Karten angereicherten Buch mit. In der Gründerzeit, mit der sich Professor Walter Neubauer befasste, erblühte auch Meckenheim. Der Anschluss an die Eisenbahn erfolgte 1873, die Elektrifizierung wurde im Jahr 1900 vom Meckenheimer Gemeinderat beschlossen. Straßenbeleuchtung und Telefon folgten. Der Wahl-Meckenheimer schildert die Jahre zwischen 1871 und 1914, die vielfach als „die glücklichsten Jahre“ bezeichnet werden. In jener Zeit stieg die Einwohnerzahl Meckenheims von 1697 Einwohnern im Jahr 1871 auf rund 2000 im Kriegsjahr 1914.

Zwischen 1929 und 1932 bemühte sich Meckenheim erneut um die Stadtrechte

Mit dem Ersten Weltkrieg änderte sich die Lage. Von den Auswirkungen auf Meckenheim, den an der Front gefallenen Soldaten, der Lebensmittelknappheit, dem Einschmelzen der Kirchenglocken sowie der Besatzung und Inflation nach Kriegsende, berichtet Helmut Mertens. Nachdem im Jahr 1636 Kurfürst Ferdinand Meckenheim die Stadtrechte verliehen hatte, war dieses Privileg in der Franzosenzeit im 18. Jahrhundert wieder verloren gegangen. Die Jahre 1929 bis 1932 waren in Meckenheim davon geprägt, die Stadtrechte wiederzuerlangen. Jörg Köpke beleuchtet diese Zeitspanne.

Wie die Hexenverfolgung im Mittelalter zähle auch die Zeit der Nazidiktatur zu den dunkelsten Kapiteln in der Geschichte Meckenheims, so Autor Hans-Werner Jarosch, der die Machtübernahme der Nationalsozialisten ebenso beschreibt wie das erschütternde Schicksal der Meckenheimer Juden. Die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges bis hin zur Bombardierung und Zerstörung der Stadt 1944 hat Hans Frank für die Leser zusammengefasst. Er hat auch den Ortsteilen Altendorf-Ersdorf, Lüftelberg und Merl ein Kapitel gewidmet, obwohl sie erst 1969 mit der kommunalen Neuordnung eingemeindet worden sind.

Mit den Meckenheimer Mühlen, ihren Standorten und damit, was mit ihnen geschah, hat sich Irene Krüger beschäftigt.

Der Verkaufserlös kommt der historischen Ausstellung in Altendorf zugute

Das Buch „Wechselhafte Zeiten – Meckenheim von 1871 bis 1945“, Herausgegeben vom Verein Meckenheimer Stadtmuseum und Kulturforum, ist in der Begegnungsstätte für Stadtgeschichte und Kultur des Vereins im Herrenhaus Burg Altendorf sowie in den beiden Meckenheimer Buchhandlungen erhältlich (ISBN 978-3-00-052100-3, 10,70 Euro). Der Erlös aus dem Verkauf des Buches dient der Finanzierung der Ausstellung im Herrenhaus Burg Altendorf.