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Boule-Pétanque-Club Meckenheim: Toni Wierer spricht über Kugeln, Kampf und viel Spaß

Boule-Pétanque-Club Meckenheim : Toni Wierer spricht über Kugeln, Kampf und viel Spaß

Das Ziel beim Boule ist eindeutig: Mit ihren Kugeln müssen die Spieler so nah wie möglich an die Zielkugel, das Schweinchen, kommen. Im Boule-Pétanque-Club Meckenheim lassen die Mitglieder seit 30 Jahren die Kugeln rollen. Heute, 5. April, wird der runde Geburtstag gefeiert. Was den Reiz ausmacht und was man überhaupt zum Spielen braucht, erzählt Pressewart Toni Wierer (78) im Interview.

Viele Menschen haben bei Boule das Bild vor Augen, dass es vor allem ein Seniorensport ist. Was entgegnen Sie denen?
Toni Wierer: Es ist in Teilen richtig. Natürlich spielen viele Ältere Boule. Das liegt aber daran, dass man es bis ins hohe Alter spielen kann.

Wie alt war denn bislang das älteste Mitglied in Ihrem Verein?
Wierer: Das älteste Mitglied, das wir je hatten, war 94 Jahre alt. Sie kam immer mit dem Rollator zum Spielfeld, hat ihn abgestellt, um die Kugel zu werfen, und ist dann wieder zum Rollator zurück. Wir haben bei uns im Club aber auch einen 13- und einen 15-Jährigen, die mit Begeisterung mit den älteren Herren und Damen mitspielen. Generell ist es aber schwer, Nachwuchs zu gewinnen.

Was haben Sie denn schon alles versucht, um junge Menschen anzuwerben?
Wierer: Wir haben viel versucht, vor allem in den Schulen. Zum Beispiel haben wir in einer vierten Klasse mal einen Plakatwettbewerb gemacht. Wir haben auch schon kostenlose Mitgliedschaften angeboten. Das waren alles tolle Sachen, aber die Kinder und Jugendlichen waren nicht interessiert.

Der Verein heißt Boule-Pétanque-Club. Was ist der Unterschied zwischen den beiden Spielen?
Wierer: Beim Boule steht der Spaß an der Freude im Freien im Vordergrund. Man ist in Gesellschaft, und es gibt nicht immer einen verbissenen Zweikampf. Bei Pétanque ist das anders, das ist schon ein Kampfspiel. Pétanque ist die Sportversion und wird in Ligen gespielt. Wir haben derzeit zwei Mannschaften, die in der Kreisklasse spielen. Viermal im Jahr treten die Ligateams gegeneinander an.

Haben Sie selbst schon in der Liga gespielt?
Wierer: Ich habe drei Jahre Liga gespielt. Aus gesundheitlichen und familiären Gründen habe ich aber aufgehört.

Wie sind Sie zum Boule gekommen?
Wierer: Wir haben eine Zeit lang in Belgien gelebt, und da habe ich den Boulespielern mit Leidenschaft zugeschaut. Als wir dann wieder zurück in Deutschland waren, haben mich Freunde, die Mitglied im Meckenheimer Boule-Club waren, zum Spielen mitgenommen. Ich war dann so begeistert, dass ich gleich Mitglied geworden bin.

Was macht für Sie den Reiz aus?
Wierer: In erster Linie im Freien und in Gesellschaft zu spielen und sich zu unterhalten. Unser Verein hat 55 Mitglieder aus den verschiedensten Berufen. Etwa 30 davon kommen immer zum Spielen.

Was braucht man zum Spielen?
Wierer: Im Grunde braucht man nur drei Kugeln, die bis zu 800 Gramm schwer sein dürfen. Dann ist noch das Schweinchen wichtig, die Zielkugel aus Holz. Und man benötigt einen Lappen, um die Kugeln zu reinigen, damit sie schön sauber und glatt sind.

Kann man auch mit günstigen Kugeln beispielsweise aus dem Supermarkt spielen?
Wierer: Es müssen nicht immer teure Kugeln sein. Gerade wenn man nur in der Freizeit spielt. Für Wettkämpfe sind allerdings offizielle Kugeln mit Prägung Pflicht.

Was waren für Sie die schönsten Momente im Boule-Club?
Wierer: Bis 2012 haben wir immer ein großes internationales Vatertagsturnier mit bis zu 160 Teilnehmern ausgetragen. Seit 2013 spielen wir aber auf einem neuen Platz, der zu klein für eine solch große Veranstaltung ist. Er hat dafür Toiletten und Abstellräume und hat uns bereits zehn neue Mitglieder beschert. Besonders schön ist für mich auch, wenn unser Partnerverein aus Le Mée in Frankreich zu Besuch ist. Dort haben wir wirklich gute Freunde gefunden.

Frankreich gilt ja als das Boule-Land. Wird dort anders gespielt?
Wierer: In Frankreich wird viel mehr geschossen. Das heißt, es wird versucht, die gegnerische Kugel mit der eigenen wegzuschießen. Bei uns steht das Legen mehr im Vordergrund. Dabei wird die Kugel möglichst nahe an das Schweinchen geworfen. Das liegt aber auch an unserem Platz, der ein paar Tücken hat. Beim Schießen verspringt die Kugel dann eher.

Also ist auch ganz viel Taktik dabei?
Wierer: Definitiv. Es geht sehr viel um Taktik. Man muss in jeder Situation überlegen, legt man oder schießt man. Darüber werden im Team oft leidenschaftlich sogenannte Kampfgespräche geführt.

Der Boule-Pétanque-Club Meckenheim feiert sein 30-jähriges Bestehen heute, 5. April, um 14 Uhr mit dem "Anboulen" auf dem Bouleplatz an der Alfred-Engel-Sportanlage, Gerhard-Böden-Straße, in Meckenheim-Merl. Boule-Kugeln für Gäste sind vorhanden. Weitere Informationen zum Verein gibt es im Internet auf www.boule-meckenheim.de.

Zur Person

Pressewart Toni Wierer (78) ist seit 1998 Mitglied im Boule-Pétanque-Club Meckenheim. Er lebt mit seiner Frau in Meckenheim und war bis zu seiner Pensionierung Berufsoffizier, unter anderem bei den Fallschirmjägern und dem Nato-Militärstab in Mons (Belgien). Zuletzt war er Verbindungsoffizier in der amerikanischen Botschaft.

Der Verein

Der Boule-Pétanque-Club Meckenheim wurde 1984 gegründet. Damals startete er mit 14 Mitgliedern, inzwischen sind 55 dabei. Der Verein trifft sich immer mittwochs und samstags ab 15 Uhr an der Alfred-Engel-Sportanlage in Meckenheim-Merl. Neue Mitspieler sind willkommen.Der Beitrag kostet für Erwachsene 42 Euro im Jahr.