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Ex-Landhandelsgebäude in Heimerzheim: Traum vom Haus der Geschichte droht zu platzen

Ex-Landhandelsgebäude in Heimerzheim : Traum vom Haus der Geschichte droht zu platzen

Aus dem historischen Gebäude „Untere Erft“ in Heimerzheim soll ein Haus der Geschichte werden. Der lang gehegte Wunsch könnte jetzt zerplatzen: Die Kosten für die Sanierung liegen bei mindestens 300.000 Euro.

Feuchtigkeitsschäden am Sockel, Risse im Mauerwerk, morsche Tür- und Fensterstürze, Risse in der Tonnendecke, Holzwurmbefall in tragenden Holzkonstruktionen, Holzbalken mit Pilzbefall, Holzbalkenträger mit verfaultem Auflagekopf, keine Absturzsicherung im Treppenbereich und eine unbekannte Substanz auf dem Kellermauerwerk, die auf mögliche Schadstoffbelastung chemisch analysiert werden muss. So stellt sich die Liste der teils gravierenden Mängel am ehemaligen Landhandelsgebäude Untere Erft im Heimerzheimer Ortskern neben dem Alten Kloster dar. Der geschätzte Sanierungsaufwand liegt bei mindestens 300.000 Euro – eventuell mehr.

Das hat ein Architektur- und Sachverständigenbüro bei einer ersten Inaugenscheinnahme festgestellt. Dies auf Veranlassung der Gemeinde, nachdem bei einer Ortsbesichtigung mit einem Vertreter der Alanus Hochschule und Mitgliedern des „Fördervereins Haus der Swisttaler Geschichte Untere Erft“ Hinweise laut Verein auf „teilweise gravierende bauliche Mängel am Gebäude“ festgestellt worden waren. Der Förderverein will das gemeindeeigene historische Gebäude der ehemaligen Landwarengenossenschaft „Untere Erft“ mit seinen alten Anlagen erhalten und dort ein Haus der Swisttaler Geschichte einrichten.

Im Swisttaler Haushalt stehen insgesamt 45.000 Euro bereit – für ein gutachterliches Entwicklungskonzept und für ein nachhaltiges Nutzungskonzeptes. Aber: Angesichts der gravierenden Mängel am Gebäude soll die Verwaltung nun auf einstimmigen Beschluss der Fraktionen im Haupt-, Finanz- und Beschwerdeausschuss (HFB) für die nächste Ratssitzung die Kosten für ein aussagekräftiges Sanierungsgutachten ermitteln und zur Entscheidung vorlegen.

„Was wir in der Vorlage lesen, ist erschreckend“, sagte CDU-Fraktionschef Hanns-Christian Wagner. „Es wird keine einvernehmliche Lösung geben, ohne Geld für ein Gutachten in die Hand zu nehmen.“ Auch Johanna Bienentreu (Bündnis90/Die Grünen) hielt es für notwendig, Geld für ein Gutachten und ein Konzept zu investieren, und pflichtete Susanne Sicher (SPD) bei, die sagte: „Wir müssen erst mal wissen, ob das Gebäude überhaupt zu retten ist. Mindestens 300 000 Euro für eine Sanierung – da sträubt sich bei mir alles“, sagte sie. Das sah auch Monika Wolf-Umhauer für die Liberalen so. Für sie war darüber hinaus wichtig zu wissen, was genau später in der Unteren Erft stattfinden soll, denn: „Ein bloßes Heimatmuseum findet zu wenig Interessenten“, so die FDP-Frau.

Als gute Entscheidung wertete der Vorsitzende des Fördervereins, Karl-Heinz Peters, gegenüber dem GA den jetzigen Beschluss des HFB, zunächst die Kosten für ein fundiertes Gutachten zu ermitteln: „Wir brauchen als nächsten Schritt eine seriöse Bewertung“, so Peters. Er hatte sich ebenso wie die weiteren Vorstandsmitglieder des Fördervereins, Gisela Hein, Tobias Leuning und Günter Tappeser, die wie er zugleich Ratsmitglieder sind, im HFB befangen gemeldet.

„Wir halten die im Raum stehenden Sanierungskosten von mindestens 300 000 Euro für nicht wirklich belastbar. Wir denken, dass die Kosten darunter liegen werden“, erklärte Peters. „Allerdings sehen wir auch, dass wir die Konzipierung dahingehend überdenken müssen, wie wir über den rein musealen Charakter hinaus Geld aus einer möglichen weiteren Nutzung generieren können.“

Wie berichtet, will der im März vergangenen Jahres gegründete Förderverein mit dem Haus der Swisttaler Geschichte eine gemeindeweite Institution schaffen, die alle zuvor selbstständigen Ortsteile mit ihrer langen Geschichte und die Gemeinde Swisttal seit 1969 repräsentiert. Es fehle in der Gemeinde eine zentrale Einrichtung, die materielle und immaterielle Zeugnisse von ihren Bewohnern sammele, bewahre, erforsche und ausstelle und damit für künftige Generationen erhalte. In dem seit mehr als 25 Jahren leerstehenden Landhandelsgebäude Untere Erft aus dem Jahr 1900 sind etwa noch die alten Gerätschaften zur Aufbereitung, Trocknung und Beförderung von Getreide vorhanden.