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Verkehrsprojekt: Umgehungsstraße für Meckenheim kommt in Gang

Verkehrsprojekt : Umgehungsstraße für Meckenheim kommt in Gang

Die Deutsche Bahn plant den Beginn des Großprojekts in Meckenheim im Dezember 2022. Die Gespräche hatten lange gestockt.

Lange sah es so aus, als sei das Projekt einer Umgehungsstraße vom Meckenheimer Bahnhof über den Baumschulenweg bis hin zum Industriepark Kottenforst aufs Abstellgleis geschoben. Seit zwölf Jahren ziehen sich die Verhandlungen mit der Deutschen Bahn, der viele Flächen am Bahnhofsareal gehören, hin – unter anderem wegen häufig wechselnder Ansprechpartner bei der Bahn.

Doch jetzt kommt Bewegung in die Sache: Die Gespräche von DB Netz GmbH, dem Landesbetrieb Straßen NRW und der Stadt Meckenheim bezüglich der Planungen haben an Kontinuität gewonnen. „Wir können feststellen, dass es jetzt – trotz Corona – regelmäßige Erörterungstermine gibt – in letzter Zeit natürlich eher telefonisch oder per Videokonferenz“, berichtet Heinz-Peter Witt, Technischer Beigeordneter der Stadt Meckenheim, im Gespräch mit dem General-Anzeiger.

Unterführung beginnt unter den Gleisen der S23

Schon seit dem Jahr 2008 verhandeln die Akteure miteinander, um außerdem die beiden Bahnübergänge am Baumschulenweg und an der Kalkofenstraße in Meckenheim dauerhaft zu schließen und somit den Bau der Umgehungsstraße zu ermöglichen. Denn: Immer dann, wenn die sich schließenden Schranken die Durchfahrt eines Zuges der Voreifelbahn S23 ankündigen, kommt der Autoverkehr im Meckenheimer Zentrum mehrmals täglich zum Erliegen. Die Idee, im Norden der Stadt eine neue Straße entstehen zu lassen, die viel Verkehr aus dem Zentrum herausführt, war schon im Jahr 2000 Thema bei einer sogenannten Bahnhofswerkstatt. Bei diesem Forum konnten Bürger damals Vorschläge machen, wie das Areal rund um den Bahnhof aufgewertet werden kann.

Im Herbst 2018 hatten die DB Netz und der Landesbetrieb dann eine sogenannte Planungsvereinbarung geschlossen und sich darin verpflichtet, eine Unterführung unter die Gleise am Bahnhof zu planen und zu bauen, die dann auf die von Stadt Meckenheim geplante Umgehungsstraße führt. Das Projekt mit dem Namen „Nördliche Stadterweiterung“ ist für Meckenheim deshalb zu wichtig, weil nicht nur ein stauanfälliger Knotenpunkt auf der Rheinbacher Straße (L 158) aufgelöst wird, sondern mit der Umgehung auch der zweite Teil des Neubaugebietes Sonnenseite erschlossen werden soll.

Teil der Vereinbarung zwischen Bahn und Landesbetrieb aus dem Jahr 2018 ist, dass die Planungen im Dezember 2022 abgeschlossen sind und die Bauarbeiten beginnen sollen. „Trotz Pandemie kann dieser Termin für den Baubeginn nach derzeitigem Stand weiterhin eingehalten werden. Alle Beteiligten halten an diesem Datum fest, was uns sehr freut“, berichtet Witt. Zwischenzeitlich habe es in Bahnhofsnähe umfangreiche Untersuchungen des Baugrunds gegeben. Geplant ist, dass die Nutzer der neuen Straße von der L 158 aus in Höhe der Kalkofenstraße in eine Art Trog abbiegen, der unterhalb der Landessstraße und der Bahnlinie in einem weiten Bogen in Richtung Baumschulenweg führt (siehe Grafik). Über einen Kreisel ist die Zufahrt zum Depot des Regionalverkehrs Köln (RVK), der Meckenheimer Dependance des Kreisverkehrsamtes und weiterer Gebäude an der Kalkofenstraße möglich. In einem zweiten Bauabschnitt ist dann noch eine Verbindung zwischen Bauschulenweg und der Straße nach Lüfelberg (K 53) vorgesehen.

Kompliziert macht den Bau der als L 163n bezeichneten Umgehung seit Jahren, dass viele Beteiligte an dem Großprojekt mitwirken. Dazu zählen der Landesbetrieb Straßen NRW, der laut Planung ein Sechstel der Kosten trägt, die DB Netz, die etwa ein Drittel übernimmt, der Bund, der das zweite Drittel finanziert, sowie die Stadt, die ebenfalls ein Sechstel der Kosten tragen muss. Die Meckenheimer hoffen allerdings auf Fördermittel des Landes von rund 60 Prozent des städtischen Anteils von ursprünglich rund 1,6 Millionen Euro. Insgesamt werden für die Autounterführung mit anschließender Umgehungsstraße – zumindest laut früheren Planungen – rund elf Millionen Euro fällig. Eine neuerliche Kostenschätzung für das Unterführungsbauwerk soll laut Witt nach den Sommerferien vorliegen. Für den Bau der Umgehung sind nach derzeitigem Stand drei bis dreieinhalb Jahre Bauzeit angedacht. Für die Trasse besteht Baurecht. „Wichtig ist für uns, dass wir so schnell wie möglich die Bahnübergänge weg bekommen“, sagt der Technische Beigeordnete. „Immer wieder kommt es dort zu Staus. Und immer wieder sieht man Autofahrer oder Fußgänger, die wegen der langen Wartezeit an der geschlossenen Schranke noch bei Rot über die Schienen eilen“, berichtet Witt.

Fahrradweg ist Teil der neuen Umgehung

Eine bautechnische Schwierigkeit des Großprojektes werde sein, erklärt Witt, dass während des laufenden Zugbetriebs der S 23 und des Verkehrs auf der L 158 eine Unterführung unterhalb der Gleise und der Landesstraße gebaut wird. Parallel zur Umgehungsstraße soll darüber hinaus auch ein Fahrradweg entstehen. Eine Anfrage des General-Anzeigers zum Stand der Planungen aus Sicht der Deutschen Bahn ließ das Unternehmen bis gestern Abend unbeantwortet.