Apfelernte in Meckenheim Warum in Meckenheim noch Äpfel an den Bäumen hängen

Meckenheim · Spaziergänger und Fahrradfahrer in Meckenheim sind verdutzt: In der Apfelstadt hängen noch erstaunlich viele Äpfel. Warum ernten die Obstbauern sie nicht?

 Das Laub ist schon ab, die Äpfel sind noch da. Das erstaunt derzeit Spaziergänger rund um Meckenheim.

Das Laub ist schon ab, die Äpfel sind noch da. Das erstaunt derzeit Spaziergänger rund um Meckenheim.

Foto: Sören Becker

Das Laub ist schon abgefallen, aber die Äpfel hängen noch leuchtend gelb im Geäst. Wer in diesen Tagen zwischen dem Wormersdorfer und dem Ersdorfer Bach im Meckenheimer Stadtgebiet spazieren geht, bekommt etwas Überraschendes zu sehen. Dort stehen auf den Plantagen ganze Reihen von Apfelbäumen, die scheinbar noch nicht abgeerntet wurden. Auch einige unserer Leser hat das verblüfft, weshalb sie uns mehrere Fotos der Apfelbaumfelder zugeschickt haben.

Warum Meckenheimer Bauern ihre Äpfel hängen lassen

Tatsächlich hängen dieses Jahr noch mehr Äpfel als üblich. Einer der Bauern, der noch nicht alles geerntet hat, ist Philip Wißkirchen. Er nennt dafür vor allem drei Gründe: Zum einen sei 2021 ein relativ kaltes Jahr gewesen. Die Folge: „Die Äpfel sind circa 14 Tage später als üblich reif geworden“, sagt er. Dadurch habe sich die Ernte nach hinten verzögert.

Was den zweiten Grund noch verschlimmert. Denn: „Es gibt einfach zu wenige Erntehelfer“, bedauert Wißkirchen. Diese seien sowieso schon knapp, aber würden durch die späte Ernte noch rarer. „In Deutschland bei der Apfelernte zu helfen, ist ein beliebter Studentenjob in Polen und Rumänien, weil es meist in den Semesterferien stattfindet“, erklärt der Obstbauer. Da die Ernte in diesem Jahr später liegt, ist ein großer Teil der Ferien vergangen, in denen keine Äpfel geerntet werden konnten. Um zur üblichen Zeit fertig zu werden hätte er etwa vier Arbeitskräfte mehr gebraucht.

Schaffen die Bauern es noch die Reste der Ernte einzuholen?

Also weniger Erntehelfer, die später anfangen zu ernten. Zum Dritten ist die Ernte in diesem Jahr besonders groß. „Wir brauchen also viele Handgriffe, um zu pflücken“, sagt Wißkirchen. Trotz dieser Hindernisse ist Wißkirchen zuversichtlich, noch alle Äpfel von den Bäumen zu bekommen. Das müsse vor dem ersten Frost geschehen: „Ein Apfel hält etwa fünf bis sechs Grad Minus aus, bis er platzt. Das ist diese Saison noch nicht vorgekommen und auch nicht vorhergesagt“, erklärt der Obstbauer.

Auch der finanzielle Verlust hält sich in Grenzen. Rund zehn Tonnen hängen laut Wißkirchen noch an seinen Bäumen. Das sind weniger als ein Prozent seiner 1600 Tonnen Ernte. Da die schönen, also teuren, Äpfel zuerst gepflückt werden, verdient er mit den noch übrigen Äpfeln vergleichsweise wenig. Diese entsprechen nicht dem hohen Anspruch des Einzelhandels für Tafeläpfel und werden günstig an die Industrie verkauft. „Diese Äpfel zu pflücken, ist also finanziell uninteressant“.

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