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Geistliche zu Weihnachten: „Weihnachten fällt nicht aus“

Geistliche zu Weihnachten : „Weihnachten fällt nicht aus“

Auch wenn viele Gottesdienste zu Heiligabend dieses Jahr ausfallen oder nur im Internet übertragen werden, finden die Meckenheimer Pfarrerin Ingeborg Dahl und Pfarrer Bernhard Dobelke aus Rheinbach ermutigende Worte. Trotz Pandemie und anderen Widrigkeiten, die 2020 mit sich brachte.

Weihnachten unter den Bedingungen der Corona-Verordnung: Die evangelischen Christen verzichten auf Präsenzgottesdienste. Viele katholische Gemeinden haben die Zahl der Besucher stark reduziert, um die notwendigen Abstände einzuhalten. Der GA hat Ingeborg Dahl, Pfarrerin in der Meckenheimer Friedenskirche, und den Rheinbacher Pfarrer Bernhard Dobelke vor diesem Hintergrund gebeten, für unsere Leser Gedanken zum Weihnachtsfest 2020 zu formulieren.

■ Ingeborg Dahl: Globales Dorf Bethlehem. Von ein paar Quadratmetern aus ging die Nachricht hinaus in alle Welt, so dass heute jedes Kind weiß von Krippe, Ochs und Esel. Keine große Versammlung, nur ein paar Besucher waren vor Ort.

Wer einen evangelischen Weihnachtsgottesdienst besuchen will, muss in diesen Tagen suchen. Denn inzwischen haben viele Gemeinden entschieden, gottesdienstliche Versammlungen abzusagen. Predigt und weihnachtliche Musik aus der Heimatgemeinde sind deshalb nicht abgesagt, man kann sie im Internet hören und sehen. Gemeinden stellen ihre Versammlungen damit bewusst unter die Maßnahmen, die überall gelten.

Wer hier immer noch denkt, Weihnachten müsse gerettet werden, geht davon aus, dass wir das auch könnten. Wir müssen nichts auf die Beine stellen, es hängt nicht an uns. Und wie wenig tatsächlich nötig war, hören wir im Lukasevangelium. Es brauchte keinen Palast, keinen Hofstaat und keine großen Versammlungen, denn Gott hat seine Wege. Sein Wort findet, wozu er es sendet.

Diese Nachricht war es, die aus dem kleinen unbedeutenden Ort einen globalen Ort gemacht hat. Die Weisen aus dem Morgenland und die Hirten konnten mit dieser Nachricht nicht hinter dem Berg halten.

Beeindruckend war auf dem weiten Feld das Licht der Engel und was sie gesungen haben. Demgegenüber können wir die Augen nicht verschließen vor den Engpässen, die dadurch entstehen, dass der eine sein Geschäft schließen muss und die andere arbeitslos wird.

Wem das Lied der Engel dieses Jahr Weihnachten zu Ohren kommt, dass Friede auf Erden einkehrt, dem wird es wohl wie den Hirten damals auf dem Feld ergehen. Ungläubig nimmt man es auf und staunt doch über das, was da zugesagt ist. Wer zu Weihnachten etwas tun, wirklich etwas bewirken will, möge damit Gott in den Ohren liegen: für den Frieden zu bitten, für den gesellschaftlichen Frieden in diesem Land, für den Frieden in den geschundenen Ländern dieser Erde. Gott hat die Mittel und er weiß auch Wege. 

Bernhard Dobelke: Das Weihnachtsfest ist für Christinnen und Christen auf der ganzen Welt eines der wichtigsten Feste im Jahr. Wir feiern es normalerweise mit einer großen Freude und Begeisterung. Denn es erinnert uns an etwas, das wir als Evangelium, als frohe Botschaft, als gute Nachricht bezeichnen.

Aber in diesem Jahr ist vieles anders. In diesem Jahr fällt es vielen Menschen schwer, sich auf das Weihnachtsfest zu freuen. Wir können nicht so feiern, wie wir es gewohnt sind. Jede und jeder von uns weiß, warum Weihnachten dieses Jahr so anders wird.

In den letzten Wochen konnten wir sogar den Satz hören: Dieses Jahr fällt Weihnachten aus! Aber das ist ganz bestimmt falsch. Weihnachten fällt nicht aus! Es findet wieder statt, so wie jedes Jahr, und es ist immer noch das Fest mit der guten Nachricht.

Wie lautet diese Nachricht? Der Bote Gottes, der Engel, sagt es den Hirten in der Nähe von Bethlehem: Fürchtet euch nicht, denn siehe, ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Christus, der Herr. (Lukas, Kap 2, Vers 10 und 11).

Diese Nachricht hat die Menschen vor 2000 Jahren beschäftigt: DER Retter wird geboren. Der Christus ist jemand, den Gott schickt, um den Menschen Hoffnung zu geben. Er soll die Menschen heilen und für ein gutes und gerechtes Miteinander zwischen allen Menschen sorgen. Das sind Hoffnungen, die wir heute auch noch verstehen. Das sind Erwartungen die auch heute noch in Erfüllung gehen sollen. Vielleicht sogar in diesem Jahr mehr denn je.

Für uns Christinnen und Christen sind diese Hoffnungen schon erfüllt, wenn auch noch nicht für alle und endgültig. Aber wir glauben, dass Gott schon angefangen hat mit seinem Wirken in dieser Welt. Und wir hoffen, dass es weitergehen wird und dass irgendwann einmal die Vollendung geschieht. Dann wird die Welt perfekt sein. Dann gibt es keine Krankheit, keine Ungerechtigkeit und auch keinen Krieg mehr. Das ist übrigens die zweite Botschaft dieser Weihnachtstage: Friede auf Erden den Menschen! (Lukas, Kap 2, Vers 14).

Liebe Leserinnen und Leser, ich wünsche Ihnen und allen, die zu Ihnen gehören, in diesen Tagen eine gesegnete Zeit, dass Sie auch etwas vom Frieden und der Hoffnung von Weihnachten spüren.