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Historische Rebsorten gepflanzt: Weinbau-Premiere bei Obsthof Cremerius in Meckenheim

Historische Rebsorten gepflanzt : Weinbau-Premiere bei Obsthof Cremerius in Meckenheim

Das Linksrheinische ist keine bekannte Weinbauregion. Noch nicht. Der Obsthof Cremerius in Meckenheim will es trotzdem versuchen. Nach einem Jahr Vorbereitungen haben die Landwirte vor drei Wochen auf einem Feld historische Rebsorten angepflanzt.

Heimische Küche im Sommer ist vielfältig: Beliebt sind regionaler Spargel, frische Kartoffeln und zum Nachtisch Erdbeeren aus der Umgebung. Eine weitere Gaumenfreude könnte demnächst hinzu kommen: Wein aus Meckenheim. Denn das junge Team vom Obsthof Cremerius hat vor wenigen Wochen die ersten Weinstöcke gesetzt. Eine Premiere: Bis 2020 beschränkte sich der kommerzielle Weinbau in NRW laut Landwirtschaftskammer auf das Siebengebirge.

Der Cremeriushof umfasste bisher Apfelplantagen, Erdbeerfelder und unter anderem Flächen mit roten Johannisbeeren. Warum also nun Wein? „Wir wollten uns breiter aufstellen und etwas Neues ausprobieren“, erklärte Lea Cremerius, und ergänzte lachend: „Wir sind alle Weinliebhaber.“

Weinbau war schon Wunsch des Vaters

„Für uns ist es eine Herzensangelegenheit“, sagte später auch ihr Mann, Obstbauer Matthias Cremerius. Der 30-Jährige führt den Betrieb seit einigen Jahren gemeinsam mit seiner Frau, seinen Geschwistern Marcel und Julia Cremerius sowie Schwester Ines Hansen. Ganz neu war ihre Idee aber nicht: „Mein Vater wollte immer Wein machen.“ Es sei aber nie dazu gekommen, und nun probiert es die nächste Generation.

Der Anbau ist allerdings nicht so einfach, erklärte Marcel Cremerius aus. Rund ein Jahr Vorbereitungen waren nötig, knapp drei Jahre lang schwelte die Idee. Vor allem ist in Deutschland eine Anbaugenehmigung nötig, die immer nur für ein bestimmtes Flächenkontingent ausgegeben wird. Das sei vor allem in NRW begrenzt, denn: „Wir sind hier kein Weinbaugebiet.“

Dann galt es, die richtigen Rebsorten auszuwählen. Ein Weinberater, den die Geschwister hinzuzogen, schlug historische Rebsorten vor. Damit habe man nicht nur eine Möglichkeit, sich später vom Sortiment der nahen Ahrwinzer abzuheben. Diese heute fast vergessenen Pflanzen bringen auch gute Eigenschaften für den Standort in Meckenheim mit. Bei einer Weinprobe wählte das Cremerius-Team nach Geschmack die Sorten „Grüner Adelfränkisch“ und „Süßschwarz“ aus, die nun auf dem Steinbüchel neben dem Hofladen auf 0,98 Hektar wachsen.

Der mit dem Traminer verwandte „Grüne Adelfränkisch“ ist eine Ursorte, die schon vor 5000 Jahren kultiviert wurde. „Süßschwarz“ ist die Stammsorte der Blauen Schirwaner und mit dem heutigen Spätburgunder verwandt. Aus beiden Trauben lasse sich ein guter Wein machen, denkbar sei Rosé, aber auch der Ausbau im Eichenfass, dem sogenannten Barrique, erklärte Matthias Cremerius. Dazu kommt: Alte Sorten liegen nicht nur im Trend. Diese Pflanzen sind sehr robust und vertragen auch etwas kältere Zeiten.

Klima und Kiesel: Gute Bedingungen für den Weinbau

Grundsätzlich ist es laut Matthias Cremerius warm genug rund um Meckenheim, um Wein anzubauen: „Wir haben hier ein gutes Mikroklima.“ Außerdem trage der Steinbüchel seinen Namen ja nicht zufällig.Tatsächlich ist die Erde zwischen den jungen Pflanzen überall von dicken Kieseln durchzogen. Die erwärmen sich gut, erklärte der frisch gebackene Weinbauer. Und: „Der Klimawandel spielt uns hierbei in die Karten.“

Weinbau wird immer weiter nördlich möglich. In Deutschland gibt es sogar mittlerweile Weinstöcke auf Sylt. Im Rhein-Sieg-Kreis wird traditionell im Siebengebirge Wein angebaut. Bei anderen Obstsorten sind heißere Sommer und häufigere Starkregen dagegen ein Problem, weiß Cremerius: Freiland-Erdbeeren beispielsweise vertragen plötzliche Wassermassen genauso wenig wie zu viel Sonne. Sie können sogar Sonnenbrand bekommen. Bei Äpfeln kommt es auf die Wahl der passenden Sorten an, die stammen inzwischen meist aus dem Süden. Ganz auf Wein umgestellt wird das Angebot bei Cremerius nicht. „Die Bereiche verändern sich, werden aber nicht aufgegeben“, versicherte der Obstbauer. Die Pflege der Weinstöcke sei dabei für einen Obstbau-Meister kein Problem. Die Abläufe ähneln denen bei roten Johannisbeeren, und darauf liegt bereits ein Schwerpunkt des Betriebes.

Wein hat noch keinen Namen

Die Herstellung des Weins aus den geernteten Trauben übernimmt die Familie vorerst aber noch nicht selbst. Sie arbeitet mit einem Winzer zusammen. Wenn es gut läuft, bringt der knappe Hektar rund 5000 Flaschen Wein. Den können die Kunden dann testen, beispielsweise bei einer Weinprobe. Einen Namen und ein Etikett hat der Wein noch nicht. Sicher ist nur: Da hier kein offizielles Weinbaugebiet ist, wird keine entsprechende Herkunftsbezeichnung im Namen sein. „Wir haben schon sehr viele Ideen im Kopf“, sagte Marcel Cremerius. „Und wir haben einfach Lust drauf.“ Anträge für weitere Flächen sind schon vorgeplant.

Das Ziel der Brüder: Einen guten Tropfen in die Flaschen bekommen. Den Weinstöcken scheint es auf jeden Fall in Meckenheim zu gefallen. Schon nach wenigen Tagen habe man die ersten Knospen gesehen, sagte Matthias Cremerius. Nach knapp drei Wochen zeigen sich Blätter unter den schützenden Plastikhülsen. Bald werden Pfähle und Drähte als Rankhilfen aufgebaut. Bis an den Weinstöcken jedoch genug Trauben wachsen, die zum Keltern geerntet werden können, vergehen noch zwei bis drei Jahre.