Mahnmal zu zwei Jahre Angriffskrieg gegen die Ukraine So bringen Meckenheimer Helfer die Bilder des Krieges bis zum russischen Generalkonsulat

Bad Godesberg/Meckenheim · Zwei Jahre ist der russische Angriff auf die Ukraine nun her. Zum Jahrestag haben Mitglieder der Aktion „Meckenheim hilft“ ein besonders Mahnmal in die Region geholt - und auch vor dem russischen Konsulat aufgestellt.

 Stefan Pohl, Vorsitzender von „Meckenheim hilft“, Marcus Knopp und Ekki Höfs (von rechts) haben ein zerschossenes Autowrack aus Irpin vor das russische Genersal-Konsulat in Bad Godesberg gestellt.

Stefan Pohl, Vorsitzender von „Meckenheim hilft“, Marcus Knopp und Ekki Höfs (von rechts) haben ein zerschossenes Autowrack aus Irpin vor das russische Genersal-Konsulat in Bad Godesberg gestellt.

Foto: Axel Vogel

Auch so sieht Krieg aus: ein ziviler Kombi, von Kugeln und Schrapnells zersiebt. Er wird damit zum ungewöhnlichen Mahnmal, mit dem an diesem Wochenende an mehreren Stellen an den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine erinnert wurde – auch vor dem russischen Generalkonsulat in Bad Godesberg. Stefan Pohl, Vorsitzender des Vereins Meckenheim hilft, hatte den zersiebten Kombi dort abgestellt. Das Fahrzeug legt ein stummes Zeugnis vom Schicksal mutmaßlich Dutzenden ukrainischer Zivilisten ab, die in den ersten Wochen des Krieges aus den Vorstädten Kiews vor den russischen Truppen fliehen wollten, und dabei oft in ihren Autos im Kugelhagel von Scharfschützen starben.

Erster Halt in Berlin

Das nun in der Region gezeigte Wrack hatte noch wenige Tage zuvor auf einer Art Autofriedhof an einer Ausfallstraße nahe der ukrainischen Stadt Irpin gestanden. Von dort hatte Pohl das Fahrzeug in Abstimmung mit den ukrainischen Behörden Mitte vergangener Woche nach Deutschland überführt. Nachdem der Meckenheimer den zerschossenen Kombi am Freitagmorgen zunächst zusammen mit dem Osnabrücker Künstler Volker-Johannes Trieb als Mahnmal am Sowjetischen Ehrenmal im Tiergarten an der Straße des 17. Juni platziert hatte, wo seit 1945 im Herzens Berlin an die gefallenen Rotarmisten erinnert werden soll, ging es ins Rheinland.

Am Samstagmorgen war das Wrack zunächst bei einer Gedenkveranstaltung vor dem Meckenheimer Rathaus zu sehen. Dann transportierte Pohl das Mahnmal auf vier Rädern zu einer Friedensdemonstration in der Bonner City. Nächste Station am zweiten Jahrestag des Überfalls: das russische Generalkonsulat in Bad Godesberg. Dort hatte sich Pohl zusammen mit Mitstreitern seines Vereins Meckenheim hilft für eine Gedenkveranstaltung mit dem Wrack bei den zuständigen Behörden angemeldet. Der Einsatzleiter der Polizei vor Ort bestätigte die Ordnungsmäßigkeit der Aktion.

Ein persönliches Anliegen

Pohl, der mit Meckenheim hilft bereits kurz nach dem russischen Überfall Spendenkonvois in die Ukraine organisiert hatte, war die Aktion ein persönliches Anliegen. „Das Wrack, dass wir jetzt mitgebracht haben, ist eines von vielen solcher zerschossenen zivilen Fahrzeuge auf dem Autofriedhof bei Irpin“, erzählt er. Und diese sind aus seiner Sicht ein Beleg für mutmaßliche Kriegsverbrechen der russischen Armee. Zum Hintergrund: Die russische Armee hatte zu Beginn ihres Überfalls im Februar und März 2022 auch Teile der Vorstädte von Kiew, Irpin und Butscha besetzt. Russische Soldaten sollen dabei gezielt auf die Autos der fliehenden Zivilbevölkerung geschossen haben, etliche Ukrainer verloren dabei laut einer Reihe von Zeitzeugenberichten ihr Leben. Viele dieser beschossenen Autos ruhen jetzt zusammen mit anderem Kriegsschott neben der Ausfallstraße bei Irpin.

Einsatz bei weiteren Gelegenheiten

„Gerade anlässlich des zweiten Jahrestags dieses barbarischen russischen Überfalls sollen mit der Aktion insbesondere hier in Schweinheim auch die Mitarbeiter des Generalkonsulates daran erinnert werden, welches Unrecht die Aggressoren ihres Landes auch gegenüber der ukrainischen Zivilbevölkerung verübt haben und es immer noch tun“, unterstrich Stefan Pohl. Das von Kugeln zersiebte Wrack vor dem Generalkonsulat, in dem nach Pohls Informationen Menschen ums Leben gekommen seien, stehe daher sinnbildlich „für ein völlig sinnlose Morden“.

Am Ende der Mahnaktion in Bad Godesberg sorgte sich der Einsatzleiter der Polizei noch ein wenig, ob das Wrack stehen bleiben würde, was nicht erlaubt sei. Doch Pohl konnte ihn beruhigen: „Um das Wrack zu bekommen, haben wir einen großen Aufwand betrieben.“ Daher nahm er den zerschossenen Kombi mit nach Meckenheim, wo dieser noch bei weiteren Gelegenheiten als Mahnmal gegen den Krieg dienen soll.

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