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Interview mit Iris Schürmann-Mock: „Natürlich finde ich Frauen witzig“

Interview mit Iris Schürmann-Mock : „Natürlich finde ich Frauen witzig“

Iris Schürmann-Mock hat das Buch „Frauen sind komisch“geschrieben. Neben zehn langen Porträts enthält es auch 50 kürzere Texte zu Kabarettistinnen der vergangenen rund 100 Jahre. Im Gespräch mit dem GA äußert sich die Bornheimer Autorin über Frauen und ihren Kampf für Anerkennung im Kabarett.

Die allgemeine Ansicht, dass es nur wenig weibliche Komiker gebe, findet Iris Schürmann-Mock nicht nachvollziehbar. Sie hat Kabarettistinnen ein eigenes Buch gewidmet: „Frauen sind komisch“ enthält neben zehn langen Porträts auch 50 kürzere Texte zu Kabarettistinnen der vergangenen rund 100 Jahre. Über die Frauen und ihren Kampf für Anerkennung im Kabarett sprachen mit der Autorin Katharina Weber und Elena Bünger.

Sind Frauen wirklich komisch?

Iris Schürmann-Mock: Das kommt darauf an, was Sie darunter verstehen, Sie haben ja wahrscheinlich den Doppelsinn dieses Titels bemerkt. Ich habe ihn absichtlich so gelassen, um die Leser neugierig zu machen. Ich spiele mit der Erwartungshaltung der Leser. Natürlich finde ich Frauen witzig. Und es gibt hervorragende Kabarettistinnen. Das möchte ich mit meinem Buch zeigen.

Wen stellen Sie vor?

Schürmann-Mock: Bei den ausführlichen Porträts stelle ich Kabarettistinnen von den Anfängen des Kabaretts um 1900 bis heute vor. Es fängt an mit der sehr unbekannten Marya Delvard, die jüngste ist Carolin Kebekus. Dazwischen kommt ungefähr eine für jedes Jahrzehnt, die eine unterschiedliche Stilrichtung repräsentiert. „Die ewige Partnerin“, Liesl Karlstadt, die viel zu sehr im Schatten von Karl Valentin gesehen wurde. Dann habe ich die Tänzerin Valeska Gert ausgesucht, weil sie eine unglaublich schrille Figur ist. Erika Mann, die hauptsächlich als Tochter von Thomas Mann bekannt ist, weil sie ein bedeutendes Exilkabarett gegründet hat.

Dann kommt der Bruch des Zweiten Weltkriegs. Wie geht es danach weiter?

Schürmann-Mock: Mit der großen Dame des Kabaretts, Lore Lorentz. Danach mit Helen Vita, die damals mit ihren frechen, eindeutig zweideutigen Chansons aus Frankreich sehr berühmt geworden ist. Die haben in den 60er Jahren für einen riesigen Skandal gesorgt. Die Rundfunkredakteure sind angewiesen worden, ihre Schallplatten zu zerkratzen. Es hat gerichtliche Untersagungen gegeben. Das war noch vor der sexuellen Revolution der 68er.

Die restlichen vier Künstlerinnen leben noch. Haben Sie mit ihnen sprechen können?

Schürmann-Mock: Zum Glück ja. Barbara Kuster ist nicht sehr bekannt, aber ich fand spannend, dass sie im Westen und schon in der DDR gleichermaßen aufgetreten ist. Dann kommt Gerburg Jahnke, die mit Stephanie Überall in den 80ern das Frauenkabarett quasi gegründet hat. Ich habe sie aufgenommen, weil sie eine hervorragende Netzwerkerin ist. Bei Maren Kroymann fand ich sehr beeindruckend, wie sie völlig unabhängig von ihrem Alter ganz große Karriere gemacht hat. Zum Schluss Carolin Kebekus. Sie ist für mich diejenige, die absolute politische Schärfe und absoluten Blödsinn vereinbaren kann.

Ist Ihnen die Auswahl schwer gefallen?

Schürmann-Mock: Ja. Es ist ja keine Bestenliste. Zu beurteilen, wer besser ist, ist allein schon aufgrund der großen Unterschiedlichkeit nicht möglich. Ich habe darauf geachtet, dass sie lange im Geschäft sind oder waren. Bei den Kurzporträts war es eine persönliche Auswahl.

Wie hat sich der Humor von Delvard bis Kebekus verändert?

Schürmann-Mock: Der Humor hat sich nicht verändert, aber die Themen. Das Kabarett ist heute viel breiter gefächert. Außerdem sind Frauen heute selbstbewusster. Es gibt diesen gemeinen Satz „Männer machen Kabarett, Frauen machen Frauenkabarett“. Aber es ist inzwischen so, dass Frauen sagen: Auch Themen wie Altersarmut von Frauen sind politische Themen, wir lassen uns nicht in die Ecke schieben.

Haben Frauen es im Kabarett schwerer als Männer?

Schürmann-Mock: Bei allem, was mir die aktiven Kabarettistinnen gesagt haben: unbedingt. Es hat sich viel geändert, aber die Strukturen in den Sendeanstalten sind dieselben. Die Macher bestimmen, wer ins Fernsehen kommt. Und wenn sie berühmt werden wollen, muss es übers Fernsehen gehen. Dann gibt es die Erotikhürde: Frauen müssen entweder schön oder besonders schrill sein. Und vor allem: Frauen haben immer noch viel weniger Sendungen und Sendezeit.

Finden Sie, das, was im Kabarett passiert, ist vielleicht auch Spiegelbild der Gesellschaft?

Schürmann-Mock: Ich vermute ja. Ich hab letztens den General-Anzeiger durchgeblättert, mir die Bilder angeguckt und gedacht, es müsste mal jemand eine empirische Arbeit dazu machen, wie viele Frauen und wie viele Männer da abgebildet sind. Das sagt nichts über den GA aus, sondern spiegelt das gesellschaftliche Leben wider. Männer stehen da im Mittelpunkt.

Sind Sie Feministin?

Schürmann-Mock: Das würde ich so nicht ohne Weiteres sagen. Ich mag Ungerechtigkeit grundsätzlich nicht. Und Frauen haben noch sehr oft gegen Ungerechtigkeit und Benachteiligung zu kämpfen. Viele Forderungen und Positionen von Feministinnen halte ich für sehr wichtig. Allerdings sehe ich das Thema gern differenziert. Ich schaue auf das, was jemand sagt und tut. Dann bilde ich mir mein Urteil aufgrund meiner eigenen Anschauung jedesmal neu.

Haben Sie schon ein neues Projekt?

Schürmann-Mock: Das ist schon fertig. Am 21. Februar erscheint das Kinderbuch „Wer besser spinnt, gewinnt“. Es geht um Tierrekorde.

Iris Schürmann-Mock: „Frauen sind komisch – Kabarettistinnen im Porträt“, erschienen im AvivA-Verlag, 20 Euro.
Autorenlesungen gibt sie am Freitag, 28. Februar, ab 19.30 Uhr bei Bücher Bartz, Gottfried-Claren-Straße 3 in Bonn sowie am Freitag, 20. März, ab 19.30 Uhr, in der Buchhandlung Brockmann, Uhlstraße 82 in Brühl.