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Neue Bäume für Wälder: Neuer Baummix für den Kottenforst

Neue Bäume für Wälder : Neuer Baummix für den Kottenforst

Im Wald von Georg Freiherr von Loë in Adendorf wachsen nun Roteichen und Weißtannen heran und ersetzen Fichten. Der Mix aus Laub- und Nadelbäumen ist dem veränderten Klima und Schädlingen besser gewachsen.

Waldbauer zu sein, wird in Zeiten des Klimawandels zur immensen Herausforderung. Georg Freiherr von Loë weiß, wovon er spricht: Rund 18 Prozent seines Waldes im Kottenforst rund um seinen Wohnsitz, die Burg Adendorf, hatten bislang Fichten-Bestände ausgemacht. „Nach drei Hitzesommern in Folge sind über 95 Prozent meiner Fichtenbestände dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen“, schätzt von Loë. Wiederaufforstung ist daher das Gebot der Stunde.

Doch die alles entscheidende Frage lautet aktuell: Für die Aufforstung welchen Baumes soll sich ein Waldbauer in Zeiten entscheiden, in denen es immer weniger regnet, die Sonne bereits im Frühjahr unerbittlich heiß und intensiv scheint und Schädlinge sowie Krankheiten verbreiteten Baumarten wie der Fichte katastrophal zusetzen? Von Loë hat sich für einen neuen Baum-Mix aus widerstandsfähigen Nadel- und Laubbäumen entschieden: Auf einer gerade gerodeten, etwa ein Hektar großen Fläche an der Adendorfer Allee im Kottenforst wurden gerade die ersten Neupflanzungen beendet.

Dass sich auf der ehemaligen Fichtenfläche an der Adendorfer Allee etwas tut, verrieten vor mehr als einer Woche bereits einige angemeldete Rodungsfeuer. Georg Freiherr von Loë musste Kronen und Zweige, die von der Fällung der Fichten übrig geblieben waren, vernichten lassen – und zwar schnell: „Die waren noch voller Borkenkäfer, die hier in dem Totholz überwintert und dann im kommenden Frühjahr auf weitere Bestände übergegriffen hätten.“

Obwohl die Behörden über die Brände informiert waren, hatten wie berichtet Spaziergänger die Feuerwehr alarmiert, die dann dort kleinere Nachlöscharbeiten durchführte. Von Loë betont aber: „Wir hatten die Feuer immer unter Kontrolle, und es bestand keine Gefahr.“

Wachsen sollen auf der Fläche allerdings zukünftig keine Fichten mehr. Es ist mittlerweile zu trocken, was die Bäume anfällig für Schädlinge und Windbruch macht: „Wir haben auf der Rodungsfläche etwa 30 Zentimeter tief in den Boden gebohrt, und das Erdreich war immer noch nicht feucht“, erklärt von Loë. Dazu passt: Im November fielen nach seinen Aufzeichnungen früher im Durchschnitt rund 100 Liter Niederschläge auf den Quadratmeter: „In diesem Jahr sind es 22 Liter.“

Die Entscheidung gegen die Fichte fällt dem Waldbauer nicht leicht. Schließlich sei diese schnell wachsende Baumart nach wie vor ein profitabler Wirtschaftsbaum: „Eine Eiche braucht mindestens 120 Jahre, bis man sie fällen kann, eine Fichte nur 60 bis 80 Jahre“, erklärt Georg von Loë. Für ihn sei ein geldwerter Ertrag aus seiner Waldwirtschaft höchst wichtig: „Damit habe ich bislang die Energiekosten für die Burg Adendorf decken können.“ Doch daran ist nach dem dritten Hitzesommer in Folge nicht mehr zu denken. „Ich bin froh, wenn ich am Ende des Jahres mit einer roten Null herauskommen werde“, betont von Loë. Denn auch das muss noch in die Kalkulation mit einfließen: Rund 8000 Euro pro Hektar kosten ihn Neupflanzungen.

Der Waldbauer muss rechnen. Auf der Fäche an der Adendorfer Allee will es von Loë konkret vor allem mit traditionsreichen Laubbäumen, genauer gesagt mit Roteichen, versuchen. Zumal der Eichenbestand für seinen Wald auch prägenden Charakter hat.

Am Donnerstag wurden in seinem Auftrag rund 2500 Setzlinge in die Erde gebracht. Was für den Baum spricht: „Er hat Pfahlwurzeln, die tief in die Erde gehen.“ Ganz wichtig: Kombiniert werden sollen die Roteichen mit Douglasien, Küsten- und Weißtannen. Diese Sorten gelten als widerstandsfähiger gehen höhere Temperaturen. „Zudem verjüngt sich die Weißtanne bestens“, so von Loë.

Ob sein Plan letztlich aufgeht, wird sich aber erst in vielen Jahren zeigen. Bis dahin müssen Roteichen und Co. nicht nur den Wildverbiss und weitere Hitzesommer überstehen, sondern auch neue, spezielle Schädlinge. So etwa den Eichenprachtkäfer, der in den Eichenbeständen anderen Waldbauern bereits große Schäden angerichtet habe, berichtet von Loë. 

Was passiert, wenn dieser Schädling sich auch im Kottenforst verbreitet? „Daran mag ich gar nicht denken“, sagt Georg von Loë. Stattdessen lässt er seine Augen hoffnungsvoll über die neue Pflanzung schweifen.