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Radweg in der Diskussion: Pappeln müssten für Radweg weichen

Radweg in der Diskussion : Pappeln müssten für Radweg weichen

Entlang der L123 in Berkum könnte ein neuer Radweg entstehen. Doch dafür müssten Pappeln gefällt werden. Nun diskutiert der Naturschutzbeirat über den Erhalt einzelner Bäume.

Ein Radweg entlang der L123 wäre für viele Fahrradpendler eine große Erleichterung. Für einen Lückenschluss im bestehenden Netz hinter dem Areal des Gutes Haus Holzem setzten sich in den vergangenen Jahren Wachtberger Bürger ebenso ein wie der ADFC, die Mitglieder der Ortsvertretung Arzdorf, der Ausschuss für Infrastruktur und Bau sowie die Ratsmitglieder. Nun muss der Naturschutzbeirat noch über einige Pappeln entscheiden, deren bruchgefährdete Äste über den Weg ragen.

Nicht viele Gedanken machen sich die meisten Spaziergänger am Weg hinter dem Gut. Fällt auf dem bisher nicht ausgebauten Wirtschaftsweg vor oder hinter Spaziergängern plötzlich ein Ast zu Boden, wenden diese vermutlich den Blick verwundert nach oben. Dort können sie derzeit das vielfach morsche Geäst von schönen, aber bruchgefährdeten Pappeln entdecken.

Regelmäßig werfen die betagten Bäume – ihrer spezifischen Natur gemäß – alte Äste ab. Weil genau hier jedoch der Lückenschluss des Radwegs zwischen Arzdorf und Berkum erfolgen soll, liegen maßgebliche Entscheidungen zu diesen Bäumen derzeit beim Naturschutzbeirat. Die Verwaltung stehe im engen Kontakt mit dem Amt für Umwelt und Naturschutz, sagte die Sprecherin der Gemeinde, Margrit Märtens. Am 26. November habe die Gemeinde gemeinsam mit Vertretern des Naturschutzbeirats und der Kreisverwaltung bei einem Ortstermin die notwendigen Maßnahmen erörtert. Falle die Entscheidung noch bis Januar, so könne die Gemeinde noch bis zum Beginn der Schonzeit am 1. März reagieren, informierte Märtens.

Der Bau des Radwegs sei an sich nicht strittig, so Antonius Nolden, Mitarbeiter der Pressestelle des Rhein-Sieg-Kreises. Es sei nachgewiesen, dass die Pappeln in der Reihe hinter dem Reiterhof nicht mehr verkehrssicher sind und erhöhte Bruchgefahr besteht. Die Naturschutzbehörde sei wegen der Verkehrsgefahr einverstanden, die vorhandenen Gewächse zu entfernen und die Baumreihe neu aufzubauen. „Der Naturschutzbeirat sieht aber noch Diskussionsbedarf, weil die Pappeln landschaftsprägend sind“, informierte Nolden über den aktuellen Stand der Beratungen.

So sei die Idee entstanden, einzelne noch nicht so bruchgefährdete Pappeln zu erhalten. Weil der Beirat der Befreiung von den Verboten im Landschaftsschutzgebiet zustimmen müsse, sei die weitere Entscheidungsfindung abzuwarten.

Tim von Wülfing, Eigentümer des benachbarten Reiterhofs und der Pappeln, fand den Gedanken an einzelne erhaltene Pappeln nicht nachvollziehbar. Die Pappeln müssten aufgrund ihres Alters nach fachlicher Einschätzung ohnehin bald weichen und „man würde mit einer neu gepflanzten Baumreihe ein neues Habitat für viele Vögel und andere Tiere schaffen“, sagte er. Im Blick hat er Baumarten, die mit den derzeitigen Umwelteinflüssen besser zurechtkämen. Außerdem sorgt er sich um mögliche Verzögerungen beim Bau des Radwegs. „Das hielte ich für unverhältnismäßig im Vergleich zu der Gefahr, in die sich Radfahrer auf dieser Landstraße begeben“, so von Wülfing.

Ein weiteres Plus böte der Weg aus seiner Sicht in jenen Fällen, in denen Kinder von Berkum aus zu Fuß zum Reiterhof gehen. Die benutzen derzeit nämlich ebenfalls die Landstraße, weil aktuell kein anderer Weg da ist.