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Rhein-Sieg-Kreis: Fahrgäste können mit e-Tarif bei Tickets sparen

Pilotprojekt im VRS-Gebiet : So schneidet der e-Tarif des VRS im Praxistest ab

Noch bis Ende Juni können Fahrgäste im VRS-Gebiet das Pilotprojekt e-Tarif testen. Möglich wird dies mit einer App des Schweizer Anbieters Fairtiq. Rund 7100 Menschen haben das Angebot bis jetzt in Anspruch genommen.

Es gibt Menschen, die der Ansicht sind, man brauche einen Doktortitel, um das Tarifsystem des Verkehrsverbunds Rhein-Sieg (VRS) zu verstehen. Das ist natürlich übertrieben. Gleichwohl ist es tatsächlich nicht immer leicht, sich im Ticketdschungel für Busse und Bahnen zwischen Bonn und Köln, dem Kreis Euskirchen und dem Oberbergischen Kreis zurechtzufinden.

Es geht aber auch ganz einfach. Möglich macht das der sogenannte e-Tarif. Noch bis Ende Juni 2020 können Bus- und Bahnnutzer das Pilotprojekt im VRS-Gebiet testen.

Das Ganze funktioniert mit einer App (für Apple- und Android-Geräte) des Schweizer Anbieters Fairtiq. Der Reisende checkt sich mit einem Wischen auf dem Smartphone vor dem Einsteigen in Bus, Bahn oder Nahverkehrszug ein – und wieder aus, wenn er die Fahrt beendet hat. Sollte man letzteres einmal vergessen, erinnert das Handy einen daran. Das Smartphone merke, wenn man sich über einen gewissen Zeitraum nicht viel bewegt habe, erläutert Matthias Berels vom VRS. Das bedeute aber, dass die Ortungsdienste des Handys für den e-Tarif eingeschaltet sein müssen.

GA-Redakteur Christoph Meurer testet am Roisdorfer Bahnhof den e-Tarif des Verkehrsverbunds Rhein-Sieg. Foto: Axel Vogel

1,50 Euro Grundpreis für 180 Minuten

Die Abrechnung erfolgt nach Luftlinie zwischen Start- und Zielstation. Zu einem Grundpreis von 1,50 Euro pro Fahrt von maximal 180 Minuten kommen 15 Cent pro angefangenem Luftlinien-Kilometer hinzu. Der Tageshöchstpreis liegt während der Pilotphase bei 15 Euro. Bei Ticketkontrollen reicht ein Druck auf das Handy, um sich das aktuelle Ticket anzeigen zu lassen. Mit einem Preisrechner kann man vor Fahrtantritt sehen, was die Luftlinie kostet. „Die Hauptzielgruppe sind Gelegenheitsfahrer“, sagt VRS-Sprecherin Jessica Buhl. Berels ergänzt, dass der e-Tarif auch für Personen interessant sei, die vom klassischen Tarifsystem abgeschreckt sind. Es gehe darum, Einstiegshürden abzusenken.

Und in der Tat lässt sich mit dem e-Tarif auch im Linksrheinischen Geld sparen: etwa in der RB 26 oder der RB 48 zwischen Roisdorf und dem Bonner Hauptbahnhof. Ein klassisches Einzelticket kostet vier Euro (Preis­stufe 2b), als Handyticket 3,60 Euro. Im e-Tarif werden indes nur 2,55 Euro fällig.

Allerdings ist der Luftlinientarif nicht immer die günstigere Option. Eine Fahrt mit der Linie 633 vom Roisdorfer Bahnhof nach Sechtem kostet 2,55 Euro. Für das Einzelticket (Preisstufe 1a) müssen hingegen nur 2,50 Euro bezahlt werden, als über das Handy gekaufte Variante sogar nur 2,25 Euro. Für eine Fahrt mit der 633 vom Bornheimer Zentrum (Haltestelle Kreissparkasse) nach Sechtem reicht ein Kurzstreckenticket für zwei Euro (Handyvariante 1,80 Euro). Im e-Tarif kostet die Fahrt allerdings 2,25 Euro.

Ein anderes Beispiel: Mit der Linie 817 kann man etwa vom Roisdorfer Bahnhof nach Swisttal-Heimerzheim fahren. Das Einzelticket (Preisstufe 2a) wird mit drei Euro berechnet. Kauft man es übers Handy kostet es 2,70 Euro. Im e-Tarif werden für die rund 8,3 Kilometer Luftlinie bis zur Haltestelle Fronhof in Heimerzheim 2,85 Euro fällig. Eindeutig sparen können Reisende auf der Linie 845 vom Fronhof zum Bonner Hauptbahnhof. Das Einzelticket (Preisstufe 3) kostet 5,30 Euro (4,77 Euro in der Handyvariante), der e-Tarif nur 3,60 Euro. Auch wer von Heimerzheim nur bis nach Bonn-Duisdorf fährt, muss die Preisstufe 3 lösen, im e-Tarif hingegen nur drei Euro zahlen.

Auf der Voreifelbahn Geld sparen

Günstiger ist es mit dem e-Tarif mitunter auch bei Fahrten mit der S 23. Von Rheinbach nach Bonn kostet ein Einzelfahrschein für die Voreifelbahn (Preisstufe 3) 5,30 Euro (Handyvariante 4,77 Euro). Mit dem Smartphone ein- und ausgecheckt schlagen 3,90 Euro zu Buche. Beispiel Bahnhof Meckenheim. Das Einzelticket (Preisstufe 2b) nach Bonn kostet vier Euro beziehungsweise 3,60 Euro als Handyvariante. Im e-Tarif werden 3,45 Euro berechnet.

Nach Angaben von Buhl testen aktuell rund 7100 Frauen und Männer den e-Tarif im VRS-Gebiet, fast 20 Prozent davon seien 60 Jahre oder älter. Die Testkunden hätten bislang mehr als 91 000 Fahren absolviert. Die Evaluation des Projekts laufe bereits. Nach dem Ende der Testphase werde man sich beim VRS überlegen, ob und wie der e-Tarif im Regelbetrieb fortgeführt wird.

Wer den e-Tarif testen will, hat noch bis Ende Juni 2020 Gelegenheit dazu. Informationen und Registrierung auf www.vrs.de/etarif.